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Spielerberater als „Corona-Betrüger“ in Nürnberg vor Gericht – Betrug in Höhe von rund 600.000 Euro

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Von: Nikolas Pelke

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COrona-Prozess
Der Hauptangeklagte im Betrugsverfahren rund um Corona-Teststationen wird per Aufzug aus der U-Haft in den Gerichtsaal gebracht. © Nikolas Pelke

Mit Hilfe von Corona-Teststationen soll ein Duo in Franken versucht haben, mit der Pandemie schnelles Geld zu machen. Jetzt müssen sich die beiden Angeklagten vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten.

Nürnberg – Früher soll der 34-jährige Hauptangeklagte mit seinen Toren in den fränkischen Amateurligen für Furore gesorgt haben. Jetzt muss sich der Fürther mit den türkischen Wurzeln wegen „Corona-Betrügereien“ vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Konkret soll der Angeklagte gemeinsam mit einem Nürnberger mit irakischen Wurzeln im letzten Frühjahr auf die offensichtlich fatale Idee gekommen sein, mit Corona-Teststationen an das große Geld kommen zu wollen.

Duo betrieb zwölf Corona-Teststationen in Nürnberg, Fürth und Schwabach

Insgesamt zwölf Test-Stationen soll das Duo in Nürnberg, Fürth und Schwabach betrieben haben. Das Problem: Gemeinsam sollen die Beiden deutlich mehr Schnelltests bei der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) in Rechnung gestellt haben, als sie tatsächlich durchgeführt haben. Dadurch sei laut Anklage ein Schaden in Höhe von rund 450.000 Euro entstanden.

COrona-Prozess
Der ebenfalls angeklagte Nürnberger. © Nikolas Pelke

Obendrein soll sich der mutmaßliche Hauptbetrüger auch noch staatliche Corona-Hilfen in Höhe von rund 150.000 Euro erschlichen haben. Dazu soll der Amateurkicker falsche Angaben zu seinen dubiosen Unternehmen gemacht haben. Angeblich sollte die Sportagentur des vermeintlichen Spielerberaters hohe Gewinne abwerfen. Auch für das Café und die Ferienwohnungen machte der ehemalige Sportsmann hohe Ausfälle durch die Covid-Pandemie gegenüber Regierung und Handelskammer geltend.

Staatsanwaltschaft glaubt nicht, dass das Unternehmen Umsätze gemacht hat

Oberstaatsanwalt Klaus Hellein führte an, dass diese Angaben komplett erlogen gewesen sein sollen. Beide Unternehmen hätten weder Umsätze gemacht noch Mitarbeiter beschäftigt.

Apropos: Hilfe bei den gefälschten Abrechnungen und Anträgen soll das Duo von einer türkischstämmigen Assistentin bekommen haben, die sich wegen Beihilfe zum Betrug ebenfalls vor Gericht verantworten muss. Pünktlich um 9 Uhr betritt genau diese Mitangeklagte am Donnerstag den Nürnberger Gerichtsaal. Das Gesicht verbirgt die Frau mit dem Kopftuch hinter einem Aktenordner vor dem Blitzlichtgewitter der Fotografen.

Die beiden Hauptangeklagten, die seit rund drei Monaten in Untersuchungshaft sitzen, werden dagegen in Begleitung von Justizwächtern mit dem Aufzug direkt zur Anklagebank gebracht. Wieder klicken die Kameras der vielen Fotografen. Selbstbewusst zeigt der Hauptangeklagte, der sich im Rahmen der Ermittlungen geständig gezeigt haben soll, sein Gesicht in die vielen Kameras.

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Frühe Festnahme verhindert Schaden von rund 200.000 Euro

Derweil stapeln sich vor der Richterbank die Akten. Erst durch die sachdienlichen Hinweise einer Bank wegen des Verdachts auf Geldwäsche ist der Prozess überhaupt ins Rollen gekommen. Danach hat die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG) in Nürnberg zügig die Arbeit aufgenommen und den mutmaßlichen Betrügern relativ schnell das Handwerk gelegt. Dadurch soll immerhin ein weiterer Schaden in Höhe von rund 200.000 Euro durch die Festnahme des Duos verhindert worden sein.

Corona-Prozess
Kein Problem mit dem Blitzlichtgewitter hat der Hauptangeklagte im Nürnberger Corona-Prozess. © Nikolas Pelke

Nach dem Prozessauftakt findet auf Antrag der Verteidigung ein Verständigungsgespräch hinter verschlossenen Türen statt. Dabei soll nach dem Motto „Geständnis gegen Milde“ über das Strafmaß verhandelt werden. Die Verteidigung kann sich eine Haftstrafe in Höhe von drei Jahren vorstellen und verweist darauf, dass die Betrüger mit Staat und Gesundheitswesen denkbar leichtes Spiel gehabt hätten.

Die Anklage hält eher eine Haftstrafe in Höhe von nicht unter sechs Jahren für angemessen für das Duo. Oberstaatsanwalt Hellein hat am Donnerstag aber deutlich gemacht, dass er umfangreiche Geständnisse durchaus mit einer etwas milderen Haftstrafe honorieren würde. Zeugen sollen erst bei den nächsten Sitzungsterminen vernommen werden. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage vorgesehen. Das Urteil soll noch im Oktober gesprochen werden.

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