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Iraker soll Mitbewohner und Heimpersonal mit Messer, Pfannenwender und Schöpfkelle angegriffen haben

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Von: Nikolas Pelke

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Justiz Nürnberg
Ein 33-jähriger Iraker muss sich seit Dienstag vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth wegen versuchtem Totschlag verantworten. © Nikolas Pelke

Ein 33-jähriger Asylbewerber aus dem Irak soll nicht nur Mitbewohner, sondern auch das Personal in mehreren Flüchtlingsunterkünften mit Messern angegriffen haben.

Nürnberg – In Fußfesseln betritt der Angeklagte am Dienstag pünktlich um 9 Uhr den Gerichtssaal in Nürnberg. Zunächst wirkt der 33-jährige Asylbewerber aus dem Irak trotz der Ketten an den Beinen fast entspannt. Nach der Verlesung der Anklageschrift ändert sich die allerdings Stimmung und der ledige Frisör aus Bagdad redet sich schnell in Rage.

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Prozess in Nürnberg: Angeklagte beteuert Unschuld und schwört bei Gott

Er schwöre „bei Gott“ unschuldig zu sein. Das erste Opfer in der Flüchtlingsunterkunft im Landkreis Schwandorf habe sich selber mit dem Messer verletzt. „Ich wollte ihm nur helfen“, sagte der Angeklagte am Dienstag vor dem Landgericht in Nürnberg-Fürth. Im zweiten Fall hätten ihn die Mitarbeiter des Asylbewerberheims am frühen Morgen rabiat aus dem Bett geholt. Die Mitarbeiter seien viel größer gewesen als er, sagte der Iraker und sprang wie zum Beweis wild gestikulierend von der Anklagebank auf. Die Richter hatten alle Hände voll zu tun, das offensichtlich reichlich vorhandene Temperament des Frisörs mit gutem Zureden im Zaun zu halten.

Für den Angeklagten dürfte viel auf dem Spiel stehen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-jährigen Iraker immerhin versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Im ersten Fall habe der Angeklagte „nur“ ein klärendes Gespräch mit dem späteren Opfer führen wollen. Weil der Geschädigte auf verbale Friedensverhandlungen offensichtlich keine Lust hatte, soll der Angeklagte zu einem Teppichmesser gegriffen und dem Mitbewohner eine stark blutende Wunde in der linken Gesichtshälfte zugefügt haben.

Attacke gegen Heimpersonal mit Messer, Schöpfkelle und Pfannenwender

Danach hatte der Angeklagte seine Koffer packen und in eine andere Unterkunft im benachbarten Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz umziehen müssen. Dort soll er zwei Monate später erneut zum Messer gegriffen und diesmal sogar die beiden Heimleiter und den Hausmeister angegriffen haben. Nur mit vereinten Kräften sei laut Anklageschrift bei der neuerlichen Attacke wohl Schlimmeres verhindert worden. Nachdem das Messer zu Boden gefallen war, soll der Übeltäter noch mit einer Schöpfkelle um sich geschlagen haben. Sogar einen harmlosen Pfannenwender soll der Angeklagte als Waffe missbraucht haben. Schließlich soll er sogar einen Stuhl in Richtung der Kontrahenten geworfen haben.

Der Angeklagte ist auch hier der festen Überzeugung, selber Opfer und nicht Täter zu sein. Die Mitarbeiter des Asylbewerberheims hätten ihn ohne höflich an der Tür zu klopfen am frühen Morgen grundlos geschlagen. Dagegen habe er sich lediglich gewehrt. Überhaupt seien die Mitarbeiter viel größer als er. Außerdem habe er überhaupt kein Messer in der Hand gehabt. Er wollte in der Unterkunft in Parsberg einfach „nur“ ein anderes Zimmer haben. „Ich werde seit fünf Jahren immer von einem Heim ins andere verlegt“, wehklagte der Angeklagte weinend und betonte, nur noch zurück nach Hause in den Irak zu wollen.

Urteil soll noch vor den Sommerferien fallen

Insgesamt sind für das Verfahren gegen den 33-jährigen Angeklagten aus Bagdad sechs Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth soll Ende Juli gesprochen werden.

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