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Nach zwei Wochen mit Corona im Koma: Impfskeptiker pakt aus - „Heute wäre ich nicht mehr hier“

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Von: Thomas Eldersch

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Peter Mann wäre beinahe an Corona verstorben. Jetzt wirbt er für das bayerische Gesundheitsministerium fürs Impfen.
Peter Mann wäre beinahe an Corona verstorben. Jetzt wirbt er für das bayerische Gesundheitsministerium fürs Impfen. © Screenshot YouTube Bayerisches Gesundheitsministerium/dpa/Peter Kneffel

Mit einer Covid-Erkrankung lag ein Mittelfranke zwei Wochen lang im Koma. Er wollte sich zuvor nicht impfen lassen. Jetzt appelliert er auf YouTube an die Ungeimpften.

Unterrödel - Vier Wochen im Krankenhaus, zwei Wochen davon im künstlichen Koma. Jetzt: Probleme mit dem Treppensteigen, Atemnot und ein beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis. Das ist die Bilanz der Covid-19-Infektion von Peter Mann aus Unterrödel im mittelfränkischen Landkreis Roth. Der 46-jährige Familienvater war fit, nie krank und ungeimpft. Jetzt hat sich der Impf-Skeptiker, wie er sich selbst bezeichnet hat, geändert. In einem YouTube-Video wirbt er nun für die Corona-Impfung ohne dabei bekehren zu wollen.

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Corona: Impf-Skeptiker nimmt für das Bayerische Gesundheitsministerium ein YouTube-Video auf

Das Video, das auf der YouTube-Seite des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege zu finden ist, beginnt mit dem Satz: „Den meisten hab ich gesagt. Mensch, Leute, lasst euch impfen. Seid nicht so dumm wie ich.“ Und dann schildert er seinen Leidensweg, der ihn fast das Leben gekostet hätte. Im September - kurz nach dem Urlaub - erkrankte der Pflasterer im Straßenbau an Corona. „Ich war bei Wind und Wetter draußen und war nie krank“, sagt er dem Portal infranken.de. Weil ihm die letzten 15 Jahre nach eigener Aussage nicht mal ein Schnupfen etwas anhaben konnte, kam für ihn, seine Familie und auch viele seiner Freunde eine Corona-Impfung zunächst nicht in Frage.

Peter Mann wollte sich nicht impfen lassen. Jetzt hat der Impfskeptiker seine Meinung geändert.
Peter Mann wollte sich nicht impfen lassen. Jetzt hat der Impfskeptiker seine Meinung geändert. © Screenshot YouTube Bayerisches Gesundheitsministerium

Zunächst verlief die Infektion auch mild. „Ich hab gedacht alle passt, das Wetter ist super. Kann man noch ein wenig Urlaub machen“, erzählt Mann in dem YouTube-Video. Nach ein paar Tagen dann die ersten Symptome. Fieber, Husten, Atemnot. Am Ende bekam der 46-Jährige keine Luft mehr und kam zunächst ins Krankenhaus Roth - später dann ins Uni-Klinikum Erlangen. Es folgte die Horror-Diagnose. Ihm wurde gesagt, seine Werte seien so schlecht, er müsste sofort ins künstliche Koma. „Da ist mir die Angst zu sterben, die Familie nicht mehr zu sehen, durch den Kopf gegangen.“

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Ärzte kämpfen zwei Wochen um Corona-Patient Mann

Die Ärzte kämpften zwei Wochen lang um Manns Leben. Sie nutzen die neuartige Therapie mit angereicherten Antikörpern von Corona-Genesenen, schreibt infranken.de. „Ich habe mich auf die Ärzte verlassen. Ich war sehr ängstlich, weil es mir so schlecht gegangen ist. Das Medikament hat mir das Leben gerettet, glaube ich“, resümiert der vierfache Familienvater. Für die Familie war es eine schwierige Zeit, erinnert sich Ehefrau Andrea Mann. „Jeden Tag habe ich angerufen und gefragt, wie es ihm geht“, erzählt sie in dem Video.

Als er nach zwei Wochen im Koma wieder so stabil war, dass die Mediziner ihn aufwecken können, hat sich alles für Mann verändert. „Der Kopf war Matsch. Das Bewusstsein wurde immer wieder zurückgesetzt. Der Körper war komplett schwach. Ich hab 18 Kilo abgenommen gehabt.“ Am Ende konnte der sonst so fitte 46-Jährige nicht mehr sitzen und nicht mehr laufen. Andrea Mann erinnert sich an ihr erstes Wiedersehen. „Er sah aus wie ein Pflegefall. Kein schöner Anblick“, sagt sie im YouTube-Video.

Mit viel Ehrgeiz und der Motivation bald wieder die Familie zu sehen, kämpft sich Mann zurück. Dennoch lag er über einen Monat im Krankenhaus - war sechs Wochen lang Corona-positiv. Auch wenn sich der 46-Jährige inzwischen viel besser fühlt - Probleme im Alltag bleiben. Bei Belastung „fällt mir das Atmen schwer. Außerdem habe ich noch viel Muskel- und Gelenkschmerzen. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist noch schlecht. Was war gestern, was war vorgestern? Das Gehirn wird wirklich in Mitleidenschaft gezogen“, erzählt Mann infranken.de.

Corona: Impf-Skeptiker im Freundes- und Familienkreis haben sich umentschieden

Die Manns sagen von sich, sie waren keine Impf-Verweigerer, aber Impf-Skeptiker. Und so ging es vielen im Freundes- und Familienkreis. „Warten wir einfach mal ab, wie das mit Corona weitergeht“, war die Devise ihrer Bekannten. Anschließend wollte aber jeder wissen, wie es war. „So ein Trumm Mannsbild, so schwer zu erkranken, konnte sich keiner vorstellen“, schildert der 46-Jährige auf YouTube. Und ein Umdenken setzte ein. „Sie kamen ins Schwanken. Es war jetzt auf einmal so nah“, sagt Andrea Mann.

Ein weiterer Faktor, der dem Familienvater wohl das Leben gerettet hat, war der Zeitpunkt seiner Erkrankung. „Im September hatten die Ärzte noch Zeit, mich fürsorglich zu behandeln. Im Oktober, November wäre es wahrscheinlich nicht so verlaufen, dass ich noch hier wäre.“ Und deshalb appelliert er jetzt an alle sich impfen zu lassen. „Ich wollte mich nicht impfen lassen, aber ein zweites Mal möchte ich sowas nicht erleben.“ (tel)

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