Mehrere Buntstifte.
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Der Nürnberger Stifte Hersteller Stadtler plant große Umstrukturierungen (Symbolbild).

„Kein Wahcstumsmarkt mehr“

Bekannter Stifte-Hersteller strukturiert sich um - rund 200 Stellen in Nürnberg fallen weg

  • Raffael Scherer
    VonRaffael Scherer
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Der Nürnberger Stifte-Hersteller Staedtler plant in den nächsten Jahren große betriebliche Veränderungen. Über 200 Stellen sind davon betroffen.

Das Stifte-Unternehmen Staedtler mit Hauptsitz in Nürnberg* und etwa 3000 Mitarbeitern weltweit, plant große Veränderungen bis 2025. Wie der Geschäftsführer des Unternehmens, Axel Marx, gegenüber nordbayern.de bekannt gab, sollen bis dahin über 200 Stellen gestrichen werden. In einem Rundschreiben hatte Marx seine Mitarbeiter, inklusive 20 Außenstellen, über die Pläne der Firma via Intranet informiert. Eine Betriebsversammlung hätte der Geschäftsführer zwar vorgezogen, dies sei aber wegen Corona* nicht möglich gewesen.

In seinem Rundschreiben erklärte er das zukünftige Vorgehen, also auf welche Produkte mehr Wert gelegt werden müsse - und auf welche weniger. Marx meint dazu, dass die Firma „vor allem bei Produkten, die für technisches Zeichnen entwickelt wurden, seit vielen Jahren keinen Wachstumsmarkt mehr“ sehe.

Nürnberg: Zukunftspläne des Stifte-Herstellers Staedtler: Zirkel spielen „keine Rolle mehr“

Dies betreffe etwa Herstellung von Zirkeln. Diese fänden, außer in Schulen, quasi keinerlei Verwendung mehr. „Der Zirkel ist auf das manuelle technische Zeichnen ausgerichtet, das gibt es aufgrund der Digitalisierung aber nicht mehr. Der Zirkelmarkt spielt keine Rolle mehr, bestenfalls im Geometrie-Unterricht. Die Preise sind deutlich nach unten gegangen“ sagt Marx.

Um trotzdem Zirkel im Verkaufssortiment behalten zu können, werden diese künftig nicht mehr allein in Deutschland produziert. Stattdessen solle sich die Produktion künftig auf mehrere Hersteller aus China und Italien verteilen. Ein deutscher Produzent in Neustadt/Aisch sei dabei laut Marx auch noch dabei. Ähnlich geplant sei diese Aufteilung auch bei anderen Produkten mit sinkender Nachfrage, wie etwa Tuschefedern, Folienstiften, Feinminen oder Druckbleistiften.

Nürnberger Stifte-Herstellers Staedtler: Stifte aus Holzabfällen fertigen

Gleichzeitig wolle das Unternehmen in „zukunftssichere Technologien investieren, wie zum Beispiel die Wopex-Technologie“, erklärt Marx. Mithilfe der Wopex-Technologie (kurz für „Wood Pencil Extrusion“) ist es möglich, Holzabfälle zu Holzstiften, wie etwa Bleistifte oder auch Farbstifte, zu verarbeiten.

„Diese von uns entwickelte Fertigungstechnologie ist zukunftsträchtig, hochautomatisiert und gleichzeitig auch ökologisch“ so der Geschäftsführer. Auch Modelliermasse sei, sowohl als Spielzeug als auch für erwachsene Künstler bei der Nachfrage auf dem Weg nach oben.

Nürnberg: Stiftehersteller Staedtler will rund 200 Stellen abbauen

Dass das Unternehmen nun etwa 200 Stellen abbaut, liege laut dem Geschäftsführer an neuen Produktionswegen, sowie am Alter vieler seiner Mitarbeiter: „Aufgrund des Renteneintritts oder einer Altersteilzeit-Regelung verlassen uns in den nächsten Jahren sogar 250 Mitarbeiter“ stellt er klar.

Die betroffenen Mitarbeiter, deren Produktions-Ergebnisse zukünftig aus dem Ausland importiert werden, bekämen laut Marx Anfang kommender Woche in persönlichen Abteilungsgesprächen alle nötigen Informationen. Angst um den Job bräuchte laut ihm aber niemand haben: „Ein Teil der Kollegen geht in den Ruhestand, die anderen werden umgeschult oder - wenn erforderlich - höherqualifiziert“, so Marx. Diese Tatsache habe er in dem Rundschreiben sogar „unterstrichen“.

Nürnberger Stiftehersteller Staedtler verlagert Produktionsstätten ins Ausland

Es sei also letztlich nicht als Abbau, sondern als Umstrukturierung in Richtung Zukunft zu betrachten. So werde etwa ein Staedtler Radiergummi künftig in Peru statt im mittelfränkischen Sugenheim produziert, da dies deutlich billiger wäre. Gleichzeitig werde in Sugenheim „zehn Millionen Euro in die Nachbarabteilung, wo die Wopex-Technologie zur Anwendung kommt“, investiert. Nur durch diese Maßnahmen sei weiterhin Deutschland als Standort zu behalten, denn: „Handarbeit ist hier zu teuer“, so Marx.

Außerdem verwies er darauf, dass lediglich 10 Prozent des Umsatzes aus Deutschland kämen - der Rest aus dem Ausland. „Trotz der Wirtschaftskrise sind wir im Pandemie-Jahr in einigen Märkten sogar gewachsen“, sagt der Geschäftsführer. Dafür sei wesentlich der Online-Handel durch den Verkaufsriesen Amazon* verantwortlich gewesen. Trotz pandemiebedingter Umsatzeinbußen schreibe das Unternehmen also auch weiterhin schwarze Zahlen. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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