1. Startseite
  2. Bayern
  3. Nürnberg & Franken

Wie groß ist „Bergkirchweih-Effekt“ bei den aktuellen Corona-Zahlen in Franken?

Erstellt:

Von: Nikolas Pelke

Kommentare

Die Corona-Zahlen sind auch in Franken zuletzt wieder angestiegen. Kommen die Neuinfektionen vom Rock-im-Park-Festival oder der Erlanger Bergkirchweih?

Erlangen/Nürnberg – Zwischen tausenden Menschen auf der Bierbank bei der Bergkirchweih in Erlangen tanzen, gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten bei Rock im Park in Nürnberg nächtelang feiern: Nach den beiden Großveranstaltungen unter freiem Himmel hat das Wort vom „Superspreader-Event“ plötzlich in Franken mitten im Sommer die Runde gemacht. Pandemie-Experten beispielsweise vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) könnten dagegen bislang kaum einen direkten Zusammenhang zwischen Volksfest, Festival und einem plötzlichen Anstieg der Corona-Fallzahlen in der Region anhand der Zahlen nachweisen.

Ein Anstieg der Corona-Zahlen kann kaum einem Event zugeordnet werden

Die Zuordnung von Fallzahlen zu einem bestimmten Ereignis sei nicht ohne weiteres möglich, teilt Martina Junk vom LGL auf Anfrage mit. „Das liegt insbesondere daran, dass positiv getestete Personen, die von den Gesundheitsämtern befragt werden, den Ort der Ansteckung nicht immer benennen können.“ Den Gesundheitsämtern sei es dann nicht möglich, genaue Infektketten zu ermitteln.

Auch in Nürnberg ist aus den Zahlen offensichtlich kein „Rock-im-Park“-Effekt abzulesen. Die Inzidenz in der Frankenmetropole sei nach dem Festival-Wochenende lediglich dem bayernweit zu beobachtenden Anstieg gefolgt. Ein darüber hinausgehender Rock-im-Park-Anstieg sei laut Birgit Broghammer vom Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg nicht festgestellt worden. Auch rund um das Frühlingsvolksfest hätte in Nürnberg kein „Kirchweih-Effekt“ beobachtet werden können.

Große Menschenansammlungen führen zwangsläufig zu steigenden Infektionszahlen

Selbst für die Laien dürfte dagegen freilich auf der Hand liegen, dass die Gefahr einer Ansteckung auf einer Massenveranstaltung mit vielen Menschen auf engem Raum höher ist, als sich daheim in den eigenen vier Wänden auf dem Sofa zu infizieren. Diese Binsenweisheit bestätigen freilich auch die Fachleute vom zuständigen Landesamt in Erlangen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Coronavirus bei Menschenansammlungen stärker verbreitet, sei höher als im Falle von Kontaktbeschränkungen und Vermeidung von Menschenansammlungen.

Allerdings haben die Experten noch eine andere Erklärung für die zuletzt gestiegenen Infektionszahlen. „Was den derzeitigen Anstieg der Fallzahlen anbelangt, so dürfte dieser zu einem großen Teil auf die zunehmende Ausbreitung der Variante BA.5 zurückzuführen sein“, teilt die LGL-Sprecherin auf Anfrage weiter mit.

(Übrigens: Unser Nürnberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Mittelfranken und der Franken-Metropole. Melden Sie sich hier an.)

Weniger Corona-Intensivpatienten dank der milder verlaufenden Virusvariante

Dass die Corona-Situation in diesem Sommer derzeit noch relativ glimpflich verläuft, hat laut den Fachleuten aus Franken wohl genau mit den charakteristischen Eigenschaften dieser aktuellen Covid-Virusvariante zu tun. Die „gute Nachricht“ laute demnach, dass es zum jetzigen Zeitpunkt keine Anzeichen gebe, dass die Infektion mit den aktuellen Varianten zu schwereren Krankheitsverläufen führt als die Infektion mit anderen Omikron-Varianten.

Ein Grund zum voreiligen Jubel besteht dennoch offensichtlich nicht. Vielmehr wollen die Experten besonders die Situation in den Krankenhäusern weiterhin genau verfolgen. In Anbetracht der derzeit leicht schwankenden Entwicklung sei aktuell noch kein klarer Trend nach oben erkennbar. „Allerdings bewegt sich die Belegung der Normalstationen mit COVID-19-infizierten Patienten in bayerischen Krankenhäuser weiterhin auf einem vergleichsweise hohen Level“, sagt Martina Junk vom LGL in Erlangen.

Ein Blick auf die aktuellen Corona-Zahlen in der „Rock-im-Park“-Stadt bestätigt diese Einschätzung offensichtlich. Derzeit befinden sich in Nürnberg „nur“ knapp zehn Corona-Patienten auf Intensivstationen. Aber rund 150 Patienten befinden sich in der Frankenmetropole derzeit mit Corona auf Normalstationen.

Auch interessant

Kommentare