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Ist Söders Prestigeprojekt in Nürnberg „ein Beleg für eine der größten Steuerverschwendungen in Bayern“?

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Von: Thomas Eldersch

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Der Bayerische Rechnungshof und die Opposition üben scharfe Kritik an Söders Prestigeprojekt – dem Zukunftsmuseum in Nürnberg. BR „quer“ greift das auf.

Nürnberg – Hat sich Söder auf die dunkle Seite der Macht begeben? Ist sein einstiges Prestigeobjekt – das Zukunftsmuseum in Nürnberg – ein finanzielles Loch ohne Boden? Der Betreiber, das Deutsche Museum in München, verteidigt seine Außenstelle. Die Landtagsopposition und sogar der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) sehen das anders. Am Ende badet es ohnehin der Steuerzahler aus.

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BR „quer“ (TV): Zukunftsmuseum in Nürnberg kostet bis 2044 wohl mehr als 200 Millionen Euro

In der jüngsten Folge der BR-Sendung „quer“ wurde in die Zukunft geschaut. In eine sehr kostspielige Zukunft. Es ging um die Zweigstelle des Deutschen Museums, das Zukunftsmuseum in Nürnberg. Mit großem Tamtam im Herbst 2021 durch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eröffnet worden, sorgt es derzeit mehr wegen seiner Kosten als wegen seiner Ausstellungsstücke für Aufsehen. Die gute Lage, direkt an der Pegnitz, hat halt auch seinen Preis, scherzt das Satire-Magazin.

Das Zukunftsmuseum in Nürnberg. Beste Lage direkt an der Pegnitz hat auch ihren Preis.
Das Zukunftsmuseum in Nürnberg. Beste Lage direkt an der Pegnitz hat auch ihren Preis. © Daniel Karmann/dpa

Genauer gesagt wird es den Steuerzahler wohl bis 2044 rund 200 Millionen Euro kosten, hat der ORH nachgerechnet. Und das sei konservativ geschätzt, sagt der baupolitische Sprecher der FDP im Landtag, Sebastian Körber, in der BR-Sendung. Allein die Miete beträgt jährlich 2,9 Millionen Euro - 100.000 Euro mehr als in der staatlichen Verpflichtungserklärung festgelegt. Ein Sprecher des ORH spricht von einem „vermieterfreundlichen“ Vertrag mit einem Nürnberger Unternehmer. Die Risiken gingen einseitig zu Lasten des Mieters, heißt es weiter.

BR-Sendung „quer“: Opposition wirft CSU indirekt Spezlwirtschaft vor

Damit nicht genug. Die Opposition wirft der CSU in der Causa Zukunftsmuseum Spetzlwirtschaft vor. Eigentümer der Immobilie ist Gerd Schmelzer. Dieser habe, so die Vermutung, durch Parteispenden den dicken Fisch Zukunftsmuseum an Land gezogen. Die Opposition forderte die CSU auf, dazu Stellung zu beziehen. In einem Interview mit den Nürnberger Nachrichten im Januar 2021 sagte Schmelzer: „Ich spende immer mal wieder, das hat doch null Zusammenhang mit irgendwelchen Bauprojekten.“

FDP-Sprecher Sebastian Körber übt in der BR-Sendung „quer“ scharfe Kritik am Prestigeprojekt Zukunftsmuseum.
FDP-Sprecher Sebastian Körber übt in der BR-Sendung „quer“ scharfe Kritik am Prestigeprojekt Zukunftsmuseum. © Screenshot BR „quer“

Bei den hohen Mietkosten bleibt es aber nicht. Der ORH kritisierte außerdem, dass für eine Anschubfinanzierung 2014 ursprünglich acht Millionen Euro veranschlagt wurden. Im April 2021 lägen diese Kosten aber bereits bei 27 Millionen Euro. Weiter heißt es bei der dpa: Bis zum Jahr 2044 – bis dahin hat sich der Freistaat zur Kostenübernahme für das Museum verpflichtet – wird mit Aufwendungen in Höhe von weit über 200 Millionen gerechnet – zumal Miet- und Mietnebenkosten eher teurer werden könnten. Körber dazu bei „quer“: „Ein Beleg für eine der größten Steuerverschwendungen im Immobilienbereich in Bayern. […] Für das Geld hätte man auch locker ein Museum bauen können.“

BR „quer“: Nürnberger sind zurückhaltend, wenn es um das Zukunftsmuseum geht

Aber was sagen die Menschen, die es vornehmlich betrifft? Die Nürnberger scheinen nicht so überzeugt zu sein von ihrem neuen Aushängeschild. „Wir haben jetzt ein Prestigeobjekt, ein Ableger von München in der kleinen, fränkischen Peripherie, in der Enklave“, scherzt eine Passantin im BR-Interview. Ein anderer macht sich Sorgen, dass das Geld dann irgendwo anders fehlen könnte.

Und das Deutsche Museum? Projektleiter Andreas Gundelwein ist überzeugt von der Außenstelle. „Es ist ein weltweit einmaliges Haus, was auch extrem gut angenommen wird. Es ist ein sehr großes Projekt – auch für uns. Und es ist entsprechend ein teures Projekt – ohne Frage.“ Das Satiremagazin schießt hinterher. „Was sind schon 200 Millionen, wo die Sanierung des Deutschen Museums in München eine dreiviertel Milliarde kosten wird.“

BR „quer“: Corona verhagelte den Start des Zukunftsmuseums

So gut angenommen, wie es der Projektleiter des Deutschen Museums beschwört, wird das Haus in Nürnberg allerdings erst seit kurzem. Corona machte dem Zukunftsmuseum in seiner Startphase ordentlich einen Strich durch die Rechnung. In sechs Monaten seit Eröffnung (Stand: 11. April) kamen gerade einmal 65.000 Besucher ins Haus an der Pegnitz. Wohl kaum genug, um die hohen Mietkosten gegenzufinanzieren. Das BR-Magazin „quer“ fasst es so zusammen: „Ein Museum mit einem überteuerten, vermieterfreundlichen Mietvertrag ist vielleicht auch einfach Teil des musealen Konzepts. Denn das Zukunftsmuseum zeigt uns doch, die Zukunft und ein Teil der Zukunft sind ins astronomische steigende Mietkosten.“ (tel mit dpa)

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