Das Zentralgebäude der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.
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Das Zentralgebäude der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Fakten und Zahlen zur BA

Bundesagentur für Arbeit: Mega-Behörde im Herzen Nürnbergs

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
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Wohl kaum ein Mensch im arbeitsfähigen Alter hatte noch keinen Kontakt zur Bundesagentur für Arbeit. Neben der Arbeitsvermittlung hat die Behörde noch viele weitere Aufgaben.

Nürnberg - Sie ist eine Behörde der Superlative. Für die Bundesagentur für Arbeit mit ihren über 1000 Standorten in ganz Deutschland arbeiten etwa 95.000 Menschen aus 98 Nationen, heißt es auf ihrer Homepage. Rund 14.000 Beratungsgespräche finden täglich statt. Dazu kommen noch einmal 55.000 Vermittlungsvorschläge jeden Tag. 9600 Arbeitslosengeldanträge und 5500 Kindergeldanträge werden täglich deutschlandweit gestellt.

Bundesagentur für Arbeit ist bereits über 100 Jahre alt

Die Behörde, die nicht immer Bundesagentur für Arbeit hieß, kann auf eine bewegte, über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Begonnen hat alles 1918. Schon während des Ersten Weltkriegs vom Militär gefordert, wurde das Reichsarbeitsamt erst kurz vor Ende des Krieges am 4. Oktober 1918 gegründet. Es sollte sich um die Arbeitsmarktpolitik und den Arbeitsschutz - jedoch nicht um die Arbeitsvermittlung - kümmern.

Im Laufe der Jahre kamen dann immer neue Namen und Aufgaben dazu. 1919 wurde das Reichsarbeitsamt in das Reichsarbeitsministerium umgewandelt. Dann folgte wieder ein Jahr später das Reichsamt für Arbeitsvermittlung. 1927 dann die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. 1938 wurde es dann in das Reichsarbeitsministerium eingegliedert. Im Jahr 1942 übernahm Fritz Sauckel als Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz die Geschäfte. Dieser wurde drei Jahre später bei den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt und gehängt.

Neue Namen und neue Aufgabenfelder für die Bundesagentur für Arbeit

1952 dann die Gründung der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Im Jahr 1969 erfolgte dann erneut eine Umbenennung in Bundesanstalt für Arbeit. Zu den bereits bestehenden Aufgabenfeldern Berufsberatung, Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung kam noch die Förderung der Aus- und Weiterbildung dazu. Mit der Umsetzung des „Hartz-III“-Gesetzes folgte vorerst die letzte Umbenennung und Umstrukturierung. Seit 2004 heißt die Behörde Bundesagentur für Arbeit. Mit der Einführung des „Hartz-IV“-Gesetzes 2005 sollte die Behörde mehr für moderne Dienstleistungen im Arbeitsmarkt zuständig sein.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD, l.) mit dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele.

Seit 2002 steht kein Präsident mehr der Behörde vor. Seit diesem Zeitpunkt wird sie von einem dreiköpfigen Vorstand geleitet. Die Mitglieder des Vorstands sind keine Beamte mehr, weil sie als Manager gelten und dadurch auch wesentlich höhere Gehälter beziehen. Sie werden alle fünf Jahre auf Vorschlag des Verwaltungsrats von der Bundesregierung benannt und vom Bundespräsidenten ernannt.

Seit 2015 ist Detlef Scheele Mitglied im Vorstand und seit 1. April 2017 ist er Vorsitzender des Vorstands. Am 14. März 2019 übernahm Daniel Terzenbach den Vorstand für die Regionen. Christiane Schönefeld ist seit 25. September 2019 Vorstand für Ressourcen. Die Aufsichtsbehörde für die Bundesagentur ist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter Minister Hubertus Heil (SPD). Sitz der Zentrale ist in Nürnberg.

Laut Bundesagentur für Arbeit ist jeder sechste Deutsche zu schlau für seinen Beruf (Video)

Die Vermittlungsaffäre krempelte die Bundesagentur für Arbeit gewaltig um

Notwendig machte 2002 eine Umstrukturierung der Führungsebene auch die sogenannte Vermittlungsaffäre. Über Jahre hinweg hatte die Behörde ihre Zahlen geschönt, wie unter anderem damals der Tagesspiegel berichtete. Erwin Bixler, Innenrevisor beim Arbeitsamt Rheinlandpfalz-Saarland, deckte die systematische Zahlenfälschung bereits einige Jahre zuvor auf. Er meldete sie auch, doch Konsequenzen blieben aus, zunächst.

Wie die Bild damals erfahren haben will, hatte sich Bixler schon 1998 an den damaligen Präsidenten der BA, Bernhard Jagoda, gewandt. Doch erst als er 2002 mit dem Staatsminister im Kanzleramt, Hans Martin, und dem damaligen Arbeitsminister, Walter Riester, gesprochen hatte, kam Bewegung in die Angelegenheit.

Zentraler Mann im Vermittlungsskandal: Der damalige Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda.

Nach dem Skandal forderten viele Politiker die Zerschlagung der Bundesagentur für Arbeit - unter anderem die FDP-Politiker Guido Westerwelle und Dirk Niebel. Zahlreiche Medien sprangen auf den Zug auf. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) damals berichtete, war die BA 2003 noch für 24,2 Prozent der Arbeitslosenvermittlungen verantwortlich. 2004 lag die Quote dann nur noch bei 18 Prozent. Die „Nürnberger Mammutbehörde“ würde ihren Auftrag nicht mehr erfüllen und würde von Headhuntern, Zeitungsanzeigen und offensiven Jobangeboten der Firmen den Rang abgelaufen bekommen.

Corona-Pandemie stellt die Bundesagentur für Arbeit vor neue Herausforderungen

Aus der Zerschlagung wurde offensichtlich nichts. Im Internet präsentiert man sich jetzt als moderne und zeitgemäße Behörde. Über 500 Arbeitszeitmodelle biete die BA an. 156 Arbeitsagenturen und etwa 600 Außenstellen würden die seit Jahrzehnten gleichlautenden Aufgabenfelder umsetzen.

Ziel sei es weiterhin, Menschen in Arbeit zu bringen. Die Corona-Pandemie stellte die Behörde noch einmal vor eine weitere Herausforderung. Zahlreiche Unternehmen beantragten Kurzarbeit. 2,6 Millionen Menschen (Stand: März 2021) bezogen in diesem Zusammenhang von der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld. (tel)

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