1. Startseite
  2. Bayern
  3. Nürnberg & Franken

Stiko-Experte hält nichts von allgemeiner Impfpflicht - und wehrt sich gegen Kritik von Söder

Erstellt:

Von: Thomas Eldersch

Kommentare

Ein Stiko-Experte hält selbst nichts von einer allgemeinen Impfpflicht.
Ein Stiko-Experte hält selbst nichts von einer allgemeinen Impfpflicht. © Sven Hoppe/dpa

Die Politik wirft der Stiko häufig vor, zu spät zu reagieren, ihre Empfehlungen zu spät auszusprechen. Dies weist der Erlanger Professor Christian Bogdan entschieden zurück.

Erlangen - Seit Beginn dieser Woche werden in Deutschland auch die Fünf- bis Elfjährigen gegen Corona geimpft. Zuvor gab die Ständige Impfkommission (Stiko) dafür eine Empfehlung aus. Für viele Politiker kam diese aber zu spät. Ebenso wie die Empfehlung zum Boostern. Das Stiko-Mitglied und Mikrobiologe Professor Doktor Christian Bogdan aus Erlangen verteidigt das ans RKI angeschlossene Expertengremium und gibt seine Einschätzung zur allgemeinen Impfpflicht ab.

(Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.)

Corona-Experte: Stiko war in der gesamten Pandemie nie zu langsam

In einem Interview mit dem News-Portal nordbayern.de äußert sich Bogdan zu der Kritik, die Stiko würde häufig nicht schnell genug entscheiden. Die weist der Experte vehement zurück. „Die schnelle Verfügbarkeit eines Impfstoffs muss immer mit der entsprechenden Sicherheit gepaart sein.“ Würden schwere Komplikationen bei der Impfung entstehen, würde die Stiko zurecht an den Pranger gestellt. Auch, dass ein Personalmangel eine schnelle Entscheidungsfindung verhindert hätte, kann der Erlanger Professor nicht bestätigen. „Es gab in der Pandemie keine Situation, in der die Stiko zu langsam gewesen wäre.“

Politiker fordern in letzter Zeit häufiger eine Reformierung der Impfkommission. Auch dazu äußert sich Bogdan gegenüber nordbayern.de. „Im Gegensatz zu einem Politiker, der oftmals intuitiv handeln muss, kann und darf die Stiko Impfempfehlungen nicht aus dem Bauch heraus geben.“ Wenn Politiker also einen beschleunigten Entscheidungsprozess fordern würden, täten sie das aus „Unkenntnis des gesetzlichen Auftrags der Stiko“, so der Mikrobiologe. „Die betreffende Person weiß nicht, was es heißt, wissenschaftlich basierte Empfehlungen zu erarbeiten.“ Außerdem waren es die Politiker, die in der aufflammenden vierten Welle, die Impfzentren geschlossen haben. „Die Pandemieuntauglichkeit der Stiko ist ein Politmärchen.“

Stiko-Mitglied Professor Christian Bogdan aus Erlangen hält nicht viel von der allgemeinen Impfpflicht.
Stiko-Mitglied Professor Christian Bogdan aus Erlangen hält nicht viel von der allgemeinen Impfpflicht. © Franziska Männel/dpa

Auch mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder hat der Stiko-Experte ein Hühnchen zu rupfen. Dieser hatte sich eine deutlichere Empfehlung für eine Kinderimpfung aufgrund der immer stärker aufkeimenden Omikron-Variante gewünscht. Diese würde bei Kindern möglicherweise häufiger zu schweren Verläufen führen, so der CSU-Chef. „Wir kennen Omikron gerade mal seit drei Wochen. Ob Omikron zu schwereren Verläufen führt, ist derzeit reine Spekulation. Spekulationsbasierte Empfehlungen verbieten sich für einen Wissenschaftler und für die Stiko“, ist die klare Antwort Bogdans.

Corona-Experte hält allgemeine Impfpflicht für wenig zielführend

Zu seiner Meinung zur allgemeinen Impfpflicht gefragt, antwortet der Stiko-Experte gegenüber nordbayern.de: „Persönlich halte ich von einer gesetzlichen Impfpflicht nicht viel, da diese einen Rattenschwanz an Administration, Impfbefreiungszeugnissen und Klagen nach sich zieht und die gesellschaftliche Entzweiung fördert.“ Man müsse die Menschen über andere Wege erreichen. Schon jetzt hätte die Einführung der 2G-Regel zu einem Anstieg der Impfungen geführt. „Die drei oder vier Prozent, die generell jede Impfung ablehnen, sind der Mühe nicht wert, eine Impfpflicht einzuführen.“

Einen Ausblick in die Zukunft gibt der Erlanger Professor auch. Zukünftig bräuchte es neue Impfstoffe gegen das Coronavirus. Solche, die nicht bei jeder neuen Variante angepasst werden müssten. Diese bräuchten aber ein komplett neues Zulassungsverfahren - was Zeit in Anspruch nehmen würde. Zunächst würden aber Boostern sowie die Einhaltung der Hygiene-Regeln dabei helfen, auch mit der anstehenden Omikron-Welle gut fertig zu werden. (tel)

Auch interessant

Kommentare