Zwei Tassen Glühwein
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Hersteller von Lebkuchen und Glühwein hätten Hochsaison. Coronabedingt geht der Schaden in die Millionen. (Symbolbild)

„Was für uns aber noch schlimmer ist, ...“

Keine Weihnachtsmärkte in Bayern: Traditionsfirma zeigt, wie hart Corona sie wirklich trifft

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Lebkuchen, Glühwein oder Weihnachtsschmuck. Die Hersteller hätten gerade Hochsaison. Coronabedingt sind Weihnachtsmärkte aber abgesagt. Der Schaden geht in die Millionen.

Nürnberg* - Statt auf dem Weihnachtsmarkt trinkt man den Glühwein zuhause. In der Adventszeit tummeln sich normalerweise viele Nürnberger und Touristen aus Bayern und der ganzen Welt in der Nürnberger Altstadt.* Mehr als zwei Millionen Menschen zieht der berühmte Christkindlesmarkt jährlich an. Doch nicht in diesem Jahr - aufgrund der nach wie vor hohen Corona*-Zahlen gilt in Deutschland ein Teil-Lockdown, Weihnachtsmärkte wurden abgesagt. Die Hersteller von Glühwein, Gebäck und Schmuck fürchten um ihr Geschäft.

Nürnberg: Corona trifft Lebküchnereien hart - „Was für uns aber noch viel schlimmer ist, ...“

Zwar kann man echte Lebkuchen aus Nürnberg das ganze Jahr über kaufen, doch machen die Lebküchnereien ihren Hauptumsatz in der Adventszeit. Dass Weihnachtsmärkte ausfallen müssen, ist ein harter Schlag für die Firmen. „Was für uns aber noch schlimmer ist, ist die emotionale Komponente. Es fehlt einfach die Weihnachtsstimmung“, sagt Jürgen Brandstetter, Geschäftsführer von Lebkuchen-Schmidt.

Das bekommt das Traditionsunternehmen in seinen 140 Filialen in ganz Deutschland deutlich zu spüren. Brandstetter rechnet dort mit einem Umsatzminus im niedrigen siebenstelligen Bereich. „Die Kunden sind vorsichtiger. Wir spüren, dass weniger Menschen in den Innenstädten unterwegs sind“, sagt Brandstetter.

Die Corona-Zahlen sind nach wie vor zu hoch, es gelten strenge Auflagen - auch im Landtag. Mehrere Politiker haben nun jedoch dagegen verstoßen. Das sorgt für Unmut.

Coronabedingt keine Weihnachtsmärkte: „Wir arbeiten im Versand rund um die Uhr - auch nachts“

Der Verkauf übers Internet oder die Besetellhotline sei dagegen sprunghaft gestiegen. „Wir arbeiten im Versand rund um die Uhr - auch nachts, was wir in den Vorjahren nicht hatten, um das zu bewältigen.“ Jetzt hofft Brandstetter, dass der Versandhandel das Umsatzminus in den Geschäften kompensieren kann.

Ähnlich geht es den Printenbäckern in Aachen. 1,5 Millionen Menschen zieht allein der Aachener Weihnachtsmarkt jährlich an, die an den Ständen und in den Bäckereien in der Innenstadt die braunen Lebkuchen kaufen. Jetzt ließen sich viele diese stattdessen schicken, sagt Michael Nobis, Inhaber der Traditionsbäckerei Nobis Printen. „Über den Online-Shop und per Telefon ordern viele Kunden derzeit ihre Printen.“

Glühwein-Hersteller leiden unter Weihnachtsmarkt-Absage wegen Corona

Für die Glühwein-Hersteller könnte es dagegen schwierig werden, die weggebrochenen Einnahmen von den Weihnachtsmärkten auszugleichen. „Wenn man überlegt, was auf den mehr als 1000 Weihnachtsmärkten in Deutschland getrunken wird“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut in Bodenheim bei Mainz. Einige Hersteller seien zwar dazu übergegangen, ihren Glühwein in 0,75 Liter-Flaschen im Handel anzubieten. Doch selbst, wenn die Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Glühwein als üblich zu Hause tränken, käme das wohl nicht an die Mengen auf den Weihnachtsmärkten heran, meint Büscher. „Auch wegen der Kontaktbeschränkungen.“ Fröhliche Glühweinrunden mit Freunden und Nachbarn seien deshalb in diesem Jahr nicht möglich.

Video: Kein Christkindlesmarkt in Nürnberg: Christkind im Home Office

Fränkisches Traditionsunternehmen leidet unter Corona: „Umsatzverlust geht in die Millionen“

Die 300 Beschäftigten in Kurzarbeit, viele Saisonkräfte arbeitslos - für Käthe Wohlfahrt ist die Adventszeit dieses Jahr bitter. Normalerweise ist die mittelfränkische Weihnachtsschmuckanbieter auf 60 Weihnachtsmärkten in ganz Deutschland vertreten. Hunderte Hilfskräfte lassen die Mitarbeiterzahl in jenen Wochen auf 1200 steigen. „Die alle konnten dieses Jahr nicht eingestellt werden“, sagt Sprecherin Felicitas Höptner.

In den Monaten November und Dezember läuft für das Familienunternehmen aus Rothenburg ob der Tauber eigentlich das Hauptgeschäft. In diesem Jahr aber geht es in den beiden Monaten von einem Umsatzrückgang von 90 Prozent gemessen am Vorjahreszeitraum aus. „Der Umsatzverlust geht in die Millionen“, sagt Höptner. Das könne auch der Zuwachs von 80 Prozent beim Online-Verkauf nicht ansatzweise ausgleichen.

Käthe Wohlfart-Pop-Up-Store: „Die Kunden, die kommen, geben mehr Geld aus“

Nach der Absage der Weihnachtsmärkte hat Käthe Wohlfahrt neben den bestehenden Läden kurzfristig zwei Pop-up-Weihnachtsgeschäfte in Köln und Hamburg aufgezogen. „Die Kunden, die kommen, geben mehr Geld aus“, sagt Höptner. Weil aber wegen der Abstandsregeln weniger Menschen in die Geschäfte dürften, bringe das unter dem Strich nicht mehr Einnahmen.

Doch unter der Absage der Weihnachtsmärkte leiden nicht nur die Hersteller von Gebäck, Schmuck und Glühwein. Von den vielen
Touristen, die beispielsweise der Nürnberger Christkindlesmarkt anzieht, profitieren auch die Hotels, Lokale, Geschäfte, Museen und somit auch die Stadt selbst. „Der Umsatz- und Kaufkraftzufluss beträgt laut vorsichtigen Schätzungen rund 180 Millionen Euro“, sagt Christine Beeck vom Marktamt der Stadt Nürnberg.

Weihnachtsmärkte aufgrund von Corona abgesagt: Digitale Märkte sollen Not lindern

Wie viel die Standbetreiber auf dem Christkindlesmarkt umsetzen, kann sie nicht sagen. Für die sei die Absage aber ein herber Schlag, sagt Beeck. Digitale Weihnachtsmärkte in Nürnberg, München und vielen anderen Städte sollen deren Not zumindest etwas lindern. Zu kaufen gibt es dort alles, was es klassischerweise auf den Weihnachtsmärkten gibt - das stimmungsvolle Licht und die appetitanregenden Düfte fehlen allerdings. (kam/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Hotel: geschlossen, Gaststätte: geschlossen - Corona-Hilfen? Fehlanzeige. Um irgendwie über die Runden zu kommen, hat eine Brauerei in Franken den Monster-Bierkasten erfunden. Mit Erfolg.

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