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Intensivmediziner klagen über Stress mit Impfgegnern: „Bis zum künstlichen Koma geleugnet“

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Von: Luisa Billmayer

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Eine Pflegekraft versorgt einen Patienten in einem der Behandlungszimmer der Intensivstation. (Symbolbild)
Eine Pflegekraft versorgt einen Patienten in einem der Behandlungszimmer der Intensivstation. (Symbolbild) © Frank Molter/dpa

Ungeimpfte erkranken deutlich häufiger und schwerer an Corona. Zur zusätzlichen Belastung der Intensivstationen sind viele Leute auch noch oft uneinsichtig und widerwillig.

Nürnberg - Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat in den letzten Tagen immer wieder betont, dass möglichst schnelles Impfen und Boostern* der Weg aus der vierten Corona-Welle sein soll. Wie heftig Verläufe von Ungeimpften sein können und wie diese Gruppe dem medizinischen Personal die Arbeit erschwert, belegen Aussagen von Ärzten und Leitungen von Intensivstationen aus Franken.

Franken: Intensivmediziner klagen über schwere Corona-Verläufe und sture Erkrankte

Wolfgang Hilpert vom Ansbacher Klinikum erklärte gegenüber Nordbayern.de, dass es vor allem schwierig sei, Erkrankte zu behandeln, die das Coronavirus* nicht als real anerkennen. „Wir hatten da einige Patienten“, sagte der Leiter der Intensivmedizin. „Da war es auch so, dass sie das für sich selbst bis zur Intubation, bis zur invasiven Beatmung oder dem künstlichen Koma geleugnet haben.“

Laut Hilpert werden auf der Intensivstation in Ansbach derzeit nur ungeimpfte Personen behandelt. Dass diese die Station wieder verlassen können, ist nicht immer absehbar. „Wir erleben hier, dass circa die Hälfte verstirbt“, so der Arzt. „Auch wenn wir leitliniengerecht alles versuchen, für 50 Prozent unserer Patienten ist diese Krankheit aktuell tödlich.“ Zudem komme es immer wieder zu Diskussionen und Streit mit den Erkrankten, die die gefährliche Lage einfach nicht wahrhaben wollen. Dabei seien auch schon Anwaltsschreiben, die um eine genaue Erklärung der Behandlung bitten, gekommen, berichtete Hilpert.

Nürnberg: Krankenhäuser behandeln immer mehr Corona-Leugner

Auch wenn es schwieriger sei, würden Corona-Leugner und Impf-Gegner trotz allem behandelt, stellte der Nürnberger* Chefarzt Joachim Ficker klar. „Natürlich haben wir Ärzte ethische Grundsätze und wir behandeln jeden Patienten optimal im Rahmen der Möglichkeiten“, so Ficker. Menschen, die ihr Leben lang rauchen und damit ihren Körper schädigen, seien „letztlich auch in gewisser Weise ‚selbst schuld‘“, sagt Ficker. Das sei aber nicht der springende Punkt. Aber: „Zu sehen, wie jetzt in der Pandemie andere Patienten wegen überfüllter Intensivstationen Schaden nehmen, ist bitter.“

Und einige, die einen schweren Corona-Verlauf überlebt haben, denken auch um, sobald sie wieder gesund sind. „Zuletzt hat bei uns ein vehementer Impfgegner Covid-19 mit Beatmung überlebt“, sagte etwa eine Sprecherin der Erlanger Uniklinik Nordbayern.de. „Er ist dankbar für sein Überleben, und seine Familie, der er vorher das Impfen untersagt hatte, ist jetzt komplett geimpft.“ Übrigens: Unser Nürnberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Franken-Metropole. Melden Sie sich hier an.

Video: Omikron und Kinderimpfungen: Die aktuelle Strategie

RKI: Ungeimpfte sind deutlich häufiger im Krankenhaus als Geimpfte

Auch ein Blick in die Verteilung zwischen Geimpften und Ungeimpften, die in Krankenhäusern behandelt werden, zeigt ganz klar, dass es für Ungeimpfte deutlich wahrscheinlicher ist, schwer zu erkranken. In der aktuellsten vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Statistik ist die Zahl der erkrankten Personen je 100.000 Ungeimpften deutlich höher, als jene der Geimpften. In der Altersgruppe der 12-17-Jährigen ist der Wert der Ungeimpfte mit 2,7 neunmal so groß wie jener der Geimpften (0,3). 9,3 zu 1,4 ist der Unterschied bei den 18-59-Jährigen. Weiterhin zeigt sich, dass ältere Menschen insgesamt ein größeres Risiko haben schwer an Corona zu erkranken. 42,5 Fälle je 100.000 ungeimpfter Personen werden derzeit im Krankenhaus behandelt, bei den Geimpften sind es nur 5,8 Fälle.

Corona-Fälle im Krankenhaus je 100.000 Geimpfte/Ungeimpfte nach Altersgruppe

12-17-Jährige18-59-JährigeÜber 60-Jährige
Geimpfte0,31,45,8
Ungeimpfte2,79,342,5

Quelle: RKI, Datenstand: 14.12.2021, Die Zahlen beschreiben die Kalenderwoche 48 (29.11.2021 - 05.12.2021).

Nach einem neuen Rekord von 1,5 Millionen Dosen, die innerhalb eines Tages verimpft wurden, stieg die deutschlandweite Impfquote der vollständig Geimpften gestern, am 16. Dezember, auf 70 Prozent. In Bayern sind laut Impfdashboard.de aktuell 70,6 Prozent einmal geimpft und 68,5 Prozent vollständig geimpft. 27,8 Prozent haben sogar schon eine Auffrischungsimpfung bekommen. (lb) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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