Corona-Testauswertung im Labor
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Bayerische Forscher haben einen wichtigen Frühindikator entdeckt. Damit lassen sich möglicherweise schwere Corona-Verläufe vorhersagen.

Therapie möglich?

Corona-Verlauf: Bayerische Forscher entdecken Covid-Protein - Lösung für Rätsel um schwere Verläufe?

  • Katarina Amtmann
    VonKatarina Amtmann
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Warum merken manche Menschen nichts von ihrer Corona-Infektion, andere dagegen erkranken schwer? Bayerische Forscher haben ein Protein entdeckt, das eine wichtige Rolle spielen könnte.

  • Einige Menschen merken nichts von ihrer Corona*-Erkrankung, andere müssen stationär behandelt werden.
  • Forscher aus Erlangen, unweit von Nürnberg*, haben nun herausgefunden, dass ein Protein eine wichtige Rolle beim Verlauf einer Corona*-Erkrankung spielen könnte.
  • Die Studienergebnisse könnten von großer Bedeutung sein.
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Erlangen - Forscher aus Erlangen haben herausgefunden, dass ein Protein einen entscheidenden Einfluss auf die Schwere einer Covid-19*-Erkrankung haben könnte. Mit diesen Erkenntnissen scheint sogar eine Therapie möglich.

Erlanger Forscher entdecken Protein: Hilft es, schwere Corona-Verläufe vorherzusagen?

Manche Menschen infizieren sich mit dem Coronavirus und merken davon kaum etwas. Andere erkranken dagegen schwer und müssen sogar stationär behandelt werden. Über die Risikofaktoren herrscht auch ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie noch keine absolute Klarheit. Erlanger Forscher haben nun Hinweise auf einen Biomarker entdeckt, der schwere Verläufe vorhersagen könnte. Vielleicht wäre damit sogar eine Therapie möglich, wie infranken.de berichtet.

Bisher ist sicher: Ältere Menschen haben eine höhere Chance, schwer an Corona zu erkranken. Auch andere Faktoren erhöhen das Risiko schwerer Verläufe, so beispielsweise das Rauchen oder Übergewicht. Doch über die Mechanismen, die das Risiko einer schweren Erkrankung erhöhen, herrscht noch keine Einigkeit. Immer wieder erkranken außerdem Personen schwer, die keiner bekannten Risikogruppe angehören.

Protein Interleukin-3: Können schwere Corona-Verläufe nun vorhergesagt werden?

Zwei Mediziner aus Erlangen nähren nun die Hoffnung, schwere Verläufe besser identifizieren zu können: Dr. Georg Weber, stellvertretender Klinikdirektor und leitender Oberarzt an der chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen, und Dr. Alan Bénard, Mitarbeiter an der chirurgischen Klinik. Sie haben zusammen mit weiteren Forschern der Arbeitsgruppe „Cellular immunity in inflammation and cancer“ einen wichtigen Frühindikator entdeckt, ob die Infektion mild oder schwer verlaufen wird. Dabei handelt es sich laut infranken.de um den Immunbotenstoff Interleukin-3. Die Untersuchungsergebnisse erscheinen in der Zeitschrift „Nature Communications“.

Interleukin-3 ist ein Protein, das die natürliche Immunabwehr des Menschen anregt. Es regt den Blutbildungsprozess an und wird deshalb zum Beispiel nach Knochenmarktransplantationen eingesetzt, aber auch bei genereller Blutarmut oder nach einer Chemotherapie. Damit soll laut Portal die Blutbildung gefördert werden.

Erlanger Forscher identifizieren Protein: Schwerer Corona-Verlauf bei niedrigem Interleukin-3-Spiegel?

In einer Studie haben Weber und Bénard nun nachgewiesen, dass ein niedriger Interleukin-3-Spiegel im Blutplasma häufig mit einem schweren Corona-Verlauf einhergeht. Das Protein spiele für die Organisation der Immunantwort des Körpers eine wichtige Rolle. Es rege an der Stelle einer Entzündung - also beispielsweise einer durch SARS-Cov-2 ausgelösten Lungenentzündung - die dortigen Zellen an, das Protein CXCL12 zu bilden.

„Dieses Protein kommuniziert mit den plasmazytoiden dendritischen Zellen – unspezifischen Immunzellen, die normalerweise in der Blutbahn zirkulieren. CXCL12 ‚lockt‘ sie gewissermaßen in die entzündete Lunge, wo sie die Vermehrung der auslösenden Viren eindämmen“, zitiert infranken.de Dr. Weber. Das bedeutet einfach ausgedrückt: Interleukin-3 verbessert indirekt die Immunabwehr des Körpers deutlich und fokussiert sie.

Video: Bluthochdruck: Betroffene leiden häufig an schwerem Corona-Verlauf

Forscher aus Bayern identifizieren Corona-Protein: Immuntherapie möglich?

Für einen schweren Verlauf kann der Interleukin-3-Spiegel demnach einen wichtigen Anhaltspunkt bieten, denn bisher konnte man diese Einschätzung nur an gröberen Kriterien festmachen, etwa dem Alter des Patienten oder an etwaigen Vorerkrankungen. „Es können aber auch Menschen, die keinerlei Risikogruppe angehören, wenig Interleukin-3 im Blut haben. Bei diesen kam bislang ein schwerer Verlauf eher überraschend und eine adäquate medizinische Versorgung möglicherweise zu spät“, so Dr. Weber gegenüber infranken.de.

Die Studienergebnisse könnten nun helfen, schon zu einem früheren Zeitpunkt wichtige Entscheidungen über die Behandlung von Corona-Patienten zu treffen. Die Ergebnisse könnten sogar im Hinblick auf eine mögliche Therapie von großer Bedeutung sein: Es sei laut infranken.de auch denkbar, eine Immuntherapie zu entwickeln, bei der das Protein in Form eines Inhalats zum Einsatz komme. So könne zielgenau die Lunge vor dem Virenbefall geschützt werden. (kam) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Wie kommt Bayern wieder aus dem Dauer-Lockdown? Markus Söder hat inzwischen konkretere Ideen. In Regionen mit einer Inzidenz unter 35 soll es mehr Lockerungen geben als anderswo im Freistaat.*

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