„Hat mit Christentum nichts mehr zu tun“: Bauern und Metzger wüten gegen Fleisch-Bann beim Kirchentag
Das vegetarische Frühstück beim Kirchentag in Nürnberg erzürnt Bauernverband und die Fleischer-Innung. Man empfindet die Entscheidung als Ausgrenzung, ja sogar als unchristlich.
Nürnberg – Die Veranstalter des Kirchentags in Nürnberg haben sich dazu entschlossen, dass es zum ersten Mal in den Gemeinschaftsquartieren ein ausschließlich vegetarisches Frühstück geben wird. Der Bauernverband „bedauert“ in einer aktuellen Pressemitteilung, dass die Verpflegungsangebote fast ausschließlich vegetarisch und biologisch sein sollen und kritisiert diese einseitige Ausrichtung.
„Schlag gegen alle konventionellen Betriebe“: Bauernverband unzufrieden mit Frühstück am Kirchentag
Für den Bauernpräsidenten Günther Felßner gehören Ausgewogenheit und kurze Wege der Lebensmittel zu einer nachhaltigen und umweltbewussten Ernährung. „Daher müssen auch Fleisch und tierische Produkte auf dem Speiseplan stehen, damit die regionale Landwirtschaft und das örtliche Handwerk, wie Metzger und Bäcker, unterstützt werden“, so Felßner. Er wünscht sich, dass die Gäste beim Kirchentag beim Essen selbst die Wahl haben und „nicht bevormundet werden“.

Der Bauernverband bezieht auch ganz klar Stellung zur Entscheidung, ein ausschließlich vegetarisches Frühstück anzubieten. Laut dem Verband sei es ein „Schlag gegen alle konventionellen Betriebe, wenn die Organisatoren des Kirchentags ihre Produkte komplett außen vor lassen wollen“.
Keine Alternativen: Bauernverband ist gegen Fleischersatzprodukte
Fleischersatzprodukte sind für den Bauernverband keine Alternative für Fleisch beim Kirchentag. Der Verband begründet es damit, dass die Produkte hochverarbeitet und teilweise mit Zusatzstoffen angereichert sind. Er wirft die Frage auf, „ob hier nicht ein Stück natürliches Fleisch gesunder und umweltfreundlicher“ wäre.
Das Motto des Kirchentags ist „Jetzt ist die Zeit“ und darauf bezieht sich Christine Singer, Landesbäuerin und Vorsitzende des Landesfachausschusses für tierische Erzeugung. „Jetzt ist die Zeit, auch die Rolle und Bedeutung der heimischen Landwirtschaft als Erzeuger von hochwertigen Lebensmitteln zu würdigen“, so Singer.
Fleischer-Innung gegen vegetarisches Frühstück: Kein Fleisch sei Ausgrenzung
Auch die Fleischer-Innung Mittelfranken-Mitte ist mit der Entscheidung über das Frühstück unzufrieden und übt Kritik aus. Es sei eine „Bevormundung des mündigen Kirchentagsbesuchers“ für Konrad Ammon, Obermeister der Fleischer-Innung. Auch wenn er betont, dass er nichts gegen Veganer und Vegetarier hat, empfindet es als Ausgrenzung, die einer Kirchengemeinschaft „nicht würdig“ sei, wenn es zum Frühstück Produkte gibt, die nicht in Handwerksbetrieben hergestellt wurden.
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Ammon findet, „eine ideologisch getriebene Kirchengemeinschaft hat mit Christentum nichts mehr zu tun“, berichtete die Bild. Die Veranstalter betonen, dass die vegane und vegetarische Ernährung immer wichtiger wird, sie aber niemanden etwas verbieten. Sie sehen die Kirchentage als nachhaltige Großveranstaltung und legen deswegen großen Wert auf Bioprodukte. „Der Kirchentag schreibt niemanden vor, was er oder sie essen soll, darf, kann“, sagte Milena Vanini, Pressesprecherin des Kirchentags dem Bayerischen Rundfunk. Vonseiten der Kirche gebe es keine Einwände, wenn Besucher des Kirchentags auch „drei Im Weckla“ essen wollen.
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