Rathaus Fürth
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Das Rathaus in Fürth

Mittelfränkische Großstadt

Fürth - Stadt und Landkreis

  • vonCarolin Schulz-Osterloh
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Fürth hat im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten eine gut erhaltene Altstadt. Die Stadt ist für ihren Fußball-Traditionsverein bundesweit bekannt.

  • Fürth wurde Mitte des 19. Jahrhunderts zur Großstadt.
  • Die Gründung der Stadt Fürth geht auf die Franken zurück.
  • Die Wirtschaft in der Stadt Fürth war lange Zeit durch einen großen Versandhändler geprägt.

Fürth – Am 7. Dezember 1835 wurde die Stadt Fürth international bekannt: An diesem Tag wurde die erste deutsche Bahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet. Die Lokomotive „Adler“ absolvierte die Jungfernfahrt von Nürnberg nach Fürth. Viele Zeitungsreporter waren vor Ort, um über dieses denkwürdige Ereignis zu berichten. Auch zahlreiche bayerische Bürger hatten sich an der Bahnstrecke versammelt, allerdings keine hochrangigen Mitglieder des bayerischen Königshauses. König Ludwig I stand dem damals innovativen Transportmittel Eisenbahn ausgesprochen kritisch gegenüber.

Fürth: Lage und geografische Verhältnisse

Mit einer Fläche von lediglich knapp 308 Quadratkilometern gilt der Landkreis Fürth als der kleinste bayerische Landkreis. Die gleichnamige Stadt erstreckt sich über eine Fläche von etwas mehr als 63 Quadratkilometern. Die Stadt Fürth liegt an den Flüssen Pegnitz und Rednitz, beide münden in die Regnitz. Das Stadtgebiet grenzt sowohl an den Main-Donau-Kanal als auch an den Fürther Stadtwald. Im Osten von Fürth geht die Stadt direkt in Nürnberg über. Fürth liegt auf knapp 300 Metern Höhe, der Landkreis liegt inmitten des südwestdeutschen Stufenlands, das sich großflächig östlich des oberen Rheingrabens nach Bayern, Hessen und Thüringen erstreckt. Der Landkreis Fürth bildet den westlichen Teil der Metropolregion Nürnberg.

Fürth: Stadtgründung und Geschichte bis zum Ende des Mittelalters

Die Anfänge der Stadt Fürth gehen auf die Mitte des 8. Jahrhunderts zurück. Damals erfolgte in dieser Region die Gründung einer Siedlung durch Franken. Im Rahmen der Fränkischen Landnahme erweiterte der Germanenstamm sein Herrschaftsgebiet von Frankreich (Westfranken) aus nach Deutschland (Ostfranken). Der nicht belegbaren Gründungssage zufolge errichtete Karl der Große die Stadt 793.

Die erste gesicherte, urkundliche Erwähnung der Stadt stammt aus dem Jahre 1007. In diesem Dokument übereignete Kaiser Heinrich II die Siedlung Fürth dem Bamberger Domkapitel. Im 14. Jahrhundert wurde auch die Gerichtsbarkeit an das Bistum Bamberg übertragen. Der Dreißigjährige Krieg (1618-48) führte zu einer nahezu vollständigen Verwüstung der Stadt. Die Fürther Bürger schlossen sich der Reformation an. Nach dem Dreißigjährigen Krieg nahm die Stadt aus Glaubensgründen geflohene Protestanten aus Frankreich und Holland auf.

Fürth: Die Geschichte vom 18. Jahrhundert bis zum Ende des Ersten Weltkriegs

Bereits im 18. Jahrhundert entstanden in der Stadt zahlreiche Goldschmieden sowie Glashütten. Auch die industrielle Spielwarenherstellung nahm in dieser Epoche ihren Anfang.

Das Gebiet des heutigen Landkreises Fürth gehörte während seiner langen Geschichte zu unterschiedlichen Herrschaftsgebieten. Unter anderem bildete er vor dem 19. Jahrhundert einen Bestandteil der Burggrafschaft Nürnberg und des Fürstentums Ansbach. Erst 1806 wurde der Landkreis Fürth Bayern zugeordnet. Zwischenzeitlich war Fürth Bestandteil des Preußischen Königreichs.

Im Dezember 1835 wurde die erste deutsche Eisbahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth eröffnet. Das neue Transportmittel förderte die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt beziehungsweise deren Industrialisierung. In der aufstrebenden Stadt wurde von 1840 bis 1850 ein neues Rathaus nach Entwürfen des Architekten Eduard Bürklein errichtet. 1890 wurde Fürth zu einer Garnisonsstadt, in der Südstadt kam es zur Stationierung mehrerer Königlich Bayerischer Regimenter.

Das Stadtgebiet wuchs in der Zeit von 1899 bis 1901 durch die Eingemeindung der folgenden Ortschaften:

  • Weikershof
  • Poppenreuth
  • Dambach
  • Oberfürberg
  • Unterfürberg

Fürth: Die Geschichte in der Zwischenkriegszeit

In Fürth hat der Fußball eine lange Tradition: 1914 wurde die Spielvereinigung Fürth erster deutscher Fußballmeister. 1929 gelang der Spielvereinigung Fürth erneut der Titelgewinn.

In den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg kam es in Fürth wie in vielen deutschen Städten zu politischen Unruhen. In der fränkischen Stadt wurde eine Räterepublik gegründet, die nur fünf Tage Bestand hatte. 1922 wurde eine Volksabstimmung über den Zusammenschluss mit der Nachbarstadt Nürnberg durchgeführt. Die wahlberechtigten Bürger lehnten diesen Vorschlag mit großer Mehrheit ab. Mit der Eintragung des Versandhauses Quelle ins Handelsregister, die der Kaufmann Gustav Schickedanz 1926 veranlasst hatte, wurde ein bedeutendes neues Unternehmen in Fürth gegründet.

Fürth: Die Geschichte vom Dritten Reich bis in die Gegenwart

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 kam es zum Eklat, als sich der damalige Oberbürgermeister, Dr. Robert Wild, weigerte, Adolf Hitler auf dem Flughafen der Stadt zu begrüßen. Daraufhin wurde er wenige Wochen später zwangsweise in den Ruhestand versetzt. Im Gegensatz zu anderen nordbayerischen Städten, wie zum Beispiel Würzburg oder Schweinfurt, blieb Fürth von alliierten Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs weitgehend verschont.

1950 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt Fürth zum ersten Mal die Marke von 100.000, Fürth wurde damit Großstadt.

Der Freistaat Bayern führte in den 70er-Jahren eine groß angelegte Gebietsreform durch, um den Gemeinden eine effizientere Verwaltung zu ermöglichen. In diesem Rahmen kam es auch zu einer Neuordnung des Landkreises Fürth: Mit Wirkung zum 1. Juli 1972 verlor er drei Gemeinden an die Stadt Nürnberg und erhielt im Gegenzug sechs andere Gemeinden, darunter die Stadt Stein.

Die Stadt Fürth vergrößerte sich 1972 in größerem Umfang durch diese weiteren Eingemeindungen:

  • Bislohe
  • Braunsbach
  • Flexdorf
  • Herboldshof
  • Mannhof
  • Ritzmannshof
  • Sack
  • Stadeln
  • Steinach
  • Vach

Die Fürther Bürger begingen 2007 das tausendjährige Gründungsjubiläum ihrer Stadt.

Fürth: Einwohner und Verwaltung

Die Stadt Fürth hat knapp 128.500 Einwohner (Stand 2019), im Landkreis Fürth leben knapp 118.000 Menschen. Die Bevölkerungsdichte im Landkreis beträgt 383 Einwohner je Quadratkilometer, in der kreisfreien Stadt liegt sie bei 2.028 Einwohnern je Quadratkilometer.

Die kreisfreie Stadt Fürth gliedert sich in 21 Gemeinden, dazu gehören sowohl Stadtteile als auch eingemeindete Dörfer, unter anderem:

  • Atzenhof
  • Bislohe
  • Dambach
  • Flexdorf
  • Kronach
  • Poppenreuth
  • Sack
  • Steinach
  • Vach

Der Landkreis Fürth besteht aus 14 Gemeinden. Neben den vier Städten Langenzenn, Oberasbach, Stein sowie Zirndorf handelt es sich dabei um:

  • Ammerndorf
  • Cadolzburg
  • Roßtal
  • Obermichelbach
  • Puschendorf
  • Seukendorf
  • Tuchenbach
  • Veitsbronn
  • Wilhermsdorf
  • Großhabersdorf

Fürth: Politik und Wirtschaft

Der Landrat und der Kreistag des Landkreises Fürth bestimmen maßgeblich die Politik in der Region. In den Kommunalwahlen 2020 erreichte die Partei CSU 23 der insgesamt 60 Sitze im Kreistag. Die Grünen brachten es auf elf Sitze und die SPD sicherte sich zehn Sitze. Bereits seit 2008 bekleidet Matthias Dießl von der CSU das Amt des Landrats.

In der Stadt Fürth konnte sich die SPD in der letzten Kommunalwahl 22 der insgesamt 50 Sitze im Stadtrat sichern. Die Grünen erhielten zehn Sitze und die CSU erreichte neun Sitze. Seit 2002 ist Thomas Jung (SPD) regierender Oberbürgermeister der Stadt.

Die Fürther Wirtschaft wurde jahrzehntelang vom Versandhändler Quelle geprägt, bis das Unternehmen als Teil des Arcandor-Konzerns 2009 insolvent wurde. Traditionell spielt nach wie vor die Spielwarenherstellung eine wichtige ökonomische Rolle für die Stadt. Das Gleiche trifft auf das Brauereiwesen zu.

Der Landkreis Fürth ist von landwirtschaftlichen Betrieben geprägt. Darüber hinaus sind hier auch einige große Unternehmen ansässig, die zahlreiche Arbeitsplätze bieten. Dazu gehören unter anderem:

  • Playmobil (Spielwaren)
  • Metz-Werke (Elektronik und Kunststoffe)
  • Faber-Castell (Stifte und andere Schreibwaren)
  • Cadolto (Modulbau)

Fürth: Sehenswürdigkeiten

Fürth bietet mehrere Museen, die als Sehenswürdigkeiten stark frequentiert werden. Unter anderem handelt es sich dabei um:

  • Ludwig-Erhard-Zentrum
  • Stadtmuseum
  • Fürther Rundfunkmuseum

Als Baudenkmäler prägen das Rathaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und das zwei Jahrzehnte zuvor gebaute Schloss Burgfarnbach das Gesicht der Stadt.

Im Landkreis Fürth stellt die historische Cadolzburg ein beliebtes Ausflugsziel dar. Sie bietet heute als Erlebnisburg die Möglichkeit, die Geschichte der Anlage kennenzulernen. Außerdem existieren in der Region Fürth einige Heimatmuseen, wie zum Beispiel in Stein und Langenzenn.

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