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Über 15.000 Empfänger: Streit über Gender-Sternchen an Uni eskaliert im großen E-Mail-Verteiler

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Von: Nikolas Pelke

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An der Hochschule in Nürnberg soll gegendert werden. Der Leitfaden dazu ging an einen großen Mail-Verteiler – wie auch die Antworten auf die neue Richtlinie.
An der Hochschule in Nürnberg soll gegendert werden. Der Leitfaden dazu ging an einen großen Mail-Verteiler – wie auch die Antworten auf die neue Richtlinie. © Zoonar / IMAGO

Mit oder ohne Sternchen lautet die aktuelle Streitfrage an der Technischen Hochschule Nürnberg. Ein neuer Leitfaden hat dort für einen regelrechten „Shitstorm“ gesorgt.

Nürnberg – Nach den Vorlesungen sind die Fragen der Studenten auch an der Technischen Hochschule Nürnberg (TH) bislang von Professoren beantwortet worden. In Zukunft sollen sich Student*innen bei Professor*innen erkundigen, damit die Uni-Gemeinde nicht unweigerlich „nur“ ein Geschlecht vor Augen hat.

Deshalb ist dazu an der TH in Nürnberg unter dem Titel „Kommunikation mit Sternchen“ ein Leitfaden zur Verwendung gendersensibler Sprache veröffentlicht worden. Dieses dünne Papier hat kurz danach einen regelrechten „Shitstorm“ über den richtigen Umgang mit der deutschen Sprache ausgelöst.

Gendersternchen an der TH Nürnberg? Debatte entbrannte online

Der Anlass ist schnell erklärt. An der TH sollen zukünftig „geschlechtsneutrale Formulierungen“ den offiziellen Sprachgebrauch bestimmen. Bei der Schreibweise will die „Ohm“ dabei auf das „Gendersternchen“ setzen. Damit sich die Nachricht schnell verbreitet, haben die Wissenschaftler eine Rundmail mit rund 15.000 Empfängern an das Uni-Volk verschickt. Die Reaktionen der frischgebackenen Kolleg*innen haben nicht lange auf sich warten lassen.

Eine Person soll beispielsweise vom „LEIDfaden“gesprochen haben. Eine andere Person soll ironischerweise vorgeschlagen haben, demnächst „Bachelorette“-Zeugnisse einzuführen. Pikanterweise sind die kritischen Antworten erneut an den ganz großen Uni-Verteiler verschickt worden. Dadurch ist der mehr oder weniger polemische „Sternchen-Streit“ plötzlich vor der virtuell versammelten Hochschul-Gemeinde ausgetragen worden.

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Pro & Contra: Sollten wir gendern? (Video)

E-Mail-Diskussion um Gendersternchen: Nürnberger Hochschule findet Vorfall „bedauerlich“

„Bedauerlich“ nennt die Hochschule rückblickend diese Eskalationsspirale über tausende Postfächer. Allerdings hätten sich nur „nur“ zehn Mailschreiber ablehnend geäußert. Einige der Absender seien zudem aktuell überhaupt nicht mehr an der Hochschule aktiv. „Dass gerade die unsachlichen Beiträge auch in zugespitzter Form über die sozialen Medien verbreitet und in weiteren Medien aufgegriffen wurden, hat die Diskussion tatsächlich in Bahnen gelenkt, die wir nicht beabsichtigt hatten“, teilt Matthias Wiedmann, der Leiter der Kommunikationsabteilung an der Technische Hochschule Nürnberg, Georg Simon Ohm, auf Anfrage mit.

Schließlich habe sogar TH-Präsident Niels Oberbeck in einer weiteren E-Mail an alle Hochschulangehörigen darum gebeten, für die Debatte nicht mehr länger den hochschulweiten E-Mail-Verteiler mit den rund 15.000 Adressaten zu verwenden. Schließlich könnte mit den Studierenden ein Großteil der Empfänger aus technischen Gründen nicht an alle per E-Mail antworten und daher leider auch nicht an der publikumsträchtigen Debatte teilnehmen.

Nürnberg: TH bittet um Gelassenheit – freiwillige Kommunikation

Im Vorwort des neuen Gender-Leitfadens hat die Uni-Leitung wohl in weiser Voraussicht ausdrücklich bereits um „Gelassenheit“ im Hinblick auf die sprachlichen Neuerungen gebeten. Und obendrein nicht versäumt, auf die Hintergründe zu verweisen. Nach der Änderung des Personenstandsgesetzes und der Einführung eines dritten positiven Geschlechtseintrags hätte die Ohm-Hochschule dafür zu sorgen, dass sich auch Menschen jenseits der bisher gültigen zwei Geschlechtskategorien akzeptiert und willkommen fühlen.

Ausdrücklich weist die Nürnberger Hochschule zusätzlich darauf hin, dass die Sternchen-Kommunikation für Mitarbeitende und Studierende freiwillig bleibe. Der Leitfaden gelte lediglich als Empfehlung. Niemandem entstünden Nachteile, sollte er*sie sich gegen eine Anwendung entscheiden, betont mit Matthias Wiedmann der Leiter der Hochschulkommunikation. Über gendersensible Sprache dürfe daher grundsätzlich gerne ausführlich weiter diskutiert werden, um den noch relativ schmalen Leitfaden weiterentwickeln zu können. (NIK)

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