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Begründung nicht genannt: Nürnberger Honorarkonsul für Russland legt sein Amt nieder

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Wladimir Putin und Nikolaus Knauf
Wladimir Putin (r) und Nikolaus Knauf am 26. November 2010 im Hotel Adlon in Berlin während des Führungstreffens Wirtschaft 2010 der Süddeutschen Zeitung. © Robert Schlesinger/picture alliance /dpa-Bildfunk

Unternehmer und ehrenamtlicher Konsul: Diese beiden Tätigkeiten verbanden Nikolaus Knauf mit der Ukraine und Russland - durch die Schließung seiner ukrainischen Werke und seinen Rücktritt als Konsul hat er sich von seinen Verbindungen in das Krisengebiet gelöst

Nürnberg - Der Unternehmer aus Unterfranken war 23 Jahre lang Honorarkonsul Russlands in Nürnberg. Das Honorarkonsulat hat einerseits die kulturelle Verständigung zwischen den beiden Ländern zum Ziel, andererseits die wirtschaftliche Kooperation. Die Beziehungen zwischen der deutschen und der russischen Bevölkerung lagen ihm immer am Herzen, gab er dem BR gegenüber an. Eine Begründung für den Schritt wurde laut des Berichts nicht genannt.

Ukraine-Krieg: Nikolaus Knauf war Russlands Honorarkonsul in Nürnberg - Werke in der Ukraine geschlossen

Daneben hat er durch seine eigene unternehmerische Tätigkeit eine gewisse Nähe zu dem Anliegen des Honorarkonsulats, zwischen bayrischen und russischen Unternehmen zu kooperieren. Der Baustoffkonzern Knauf in Iphofen im Landkreis Kitzingen wurde zum Weltmarktführer bei verschiedensten Baustoffen, insbesondere in der Gipsbauplatten-Produktion. Das Hauptwerk des Unternehmens befindet sich in Soledar in der Region Donbass, eine kleinere Anlage in Kiew. Insgesamt waren in der Ukraine rund 600 Mitarbeiter beschäftigt.

Schon am Tag nach dem Einmarsch in der Ukraine schloss Knauf seine Werke und schickte die Deutschen nach Hause. Bisher waren die Werke nicht Ziel militärischer Aktivitäten.

Knauf-Unternehmen: Russische Werke weiter geöffnet - Wirtschaftssanktionen allerdings im Gespräch

Die russischen Werke des Unternehmers bleiben dagegen offen. Für die russischen Werke bestehen keine Sicherheitsbedenken. Zudem ist die dortige Produktion bzw. der Absatz der Gipsstoffe in Russland sehr erfolgreich. Laut Recherchen der SZ beschäftigt das Unternehmen Knauf in Russland an 14 Standorten rund 3900 Mitarbeiter. Die Baustoffe haben in Russland viele Abnehmer - sowohl im privaten Bausektor, als auch bei staatlich betriebenen Projekten wie den Olympia-Hallen von Sotschi oder dem Mariinski-Theater in St. Petersburg.

Die engen Beziehungen der Familie Knauf zum Kreml, von denen in dem Zusammenhang häufig die Rede ist, liegen daher nahe. Auch mit dem Präsidenten Wladmir Putin gab es über die Jahre verschiedene Zusammentreffen. Doch diese Bande sind angesichts der aktuellen Kriegslage in Gefahr: „Wir haben bis zuletzt geglaubt, dass sich eine friedliche Lösung auf diplomatischem Weg finden lässt“, äußerte sich Jörg Schanow, Mitglied der Knauf-Geschäftsleitung der SZ gegenüber. Der im Unternehmen gebildete Krisenstab diskutiere die Frage wirtschaftlicher Sanktionen gegenüber Russland. Dass die Geschäfte mit Russland ganz niedergelegt werden, steht allerdings laut Geschäftsführer Schanow nicht zur Debatte.

Ukraine-Krieg: Knauf-Unternehmen weiter in Russland tätig?

Auch in der Vergangenheit sah sich das Unternehmen in Russland schon häufiger Widrigkeiten ausgesetzt, wie etwa 2014 den Krim-Sanktionen. Die Belastung der Geschäfte in Russland konnten bisher immer verwunden werden. „Ob gute oder weniger gute Regierung - Knauf kommt, um zu bleiben“, fasst der Neffe von Nikolaus Knauf - der Sohn des Cousins Baldwin Knauf - den Wunsch des Unternehmens, in Russland auch in Zukunft tätig zu bleiben, zusammen.

Die „Leoni“-Mitarbeiter aus Nürnberg sorgen sich um Kollegen in zwei ukrainischen Fabriken. Im Netz demonstriert das Unternehmen Solidarität mit lahmgelegten Werken im Kriegsgebiet.

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