Vorbereitung einer Corona-Impfung
+
Statt in die Spritze wandern viele Impfstoffe in den Müll, da sie nicht gebraucht werden.

Kein Bedarf mehr

Endstation Müll: Nürnberger Arztpraxis schmeißt täglich Corona-Impfdosen weg

  • Leyla Yildiz
    VonLeyla Yildiz
    schließen

Es ist ein großes Problem: Der Bedarf nach dem Corona-Impfstoff ist mittlerweile so stark abgeflaut, dass eine Nürnberger Arztpraxis täglich Dosen wegschmeißen muss.

Nürnberg - Der Müll - das ist momentan die Endstation für viele unverbrauchte Impfdosen, die eigentlich im Kampf gegen das Coronavirus* helfen sollten. Das Beispiel einer Nürnberger* Praxis zeigt, dass die Nachfrage nach dem zu Beginn sehr begehrten Pieks mittlerweile abgeflaut ist.

Die Arztpraxis „Renard & Kollegen“ schmeißt einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge seit etwa zwei Wochen jeden Tag bis zu 20 Dosen des Impfstoffs von Biontech und Pfizer* weg. Den deutlichen Rückgang an verimpften Vakzinen macht Dr. Christian Renard an den bisherigen Kapazitäten und dem tatsächlichen Bedarf fest. „Wir hatten bisher die Chance, zwischen 2000 und 3000 Impfdosen in der Woche zu verimpfen. Jetzt würde ich sagen sind wir noch bei 200 bis 400 Erstimpfdosen.“

Nürnberger Arztpraxis muss Impfdosen wegschmeißen: Nur noch zehn bis 20 Prozent Erstimpfungen

Der Verbrauch sei vor allem bei den zweiten Impfungen genauso hoch wie zuvor. Das Problem sind die Erstimpfungen. Da „sind wir so auf zehn bis 20 Prozent runtergerutscht“, erklärte Renard.

Doch nicht nur er führt deutlich weniger Impfungen durch, auch die Kühlschränke des Nürnberger Impfzentrums sind voll. Das kann der Impfmüdigkeit zumindest noch etwas entgegensetzen, indem es Sonderimpfaktionen durchführt - zuletzt nach einem Heimspiel des 1. FC Nürnberg oder am gestrigen Dienstag (27. Juli) auf dem Hauptmarkt.

Wegen fehlendem Bedarf: 2220 Dosen Moderna und 234 Dosen Biontech bereits verfallen

Der BR berichtet von einem aktuellen Stand von fast 2200 Dosen Moderna* und 234 Dosen Biontech, die bereits verfallen sind. Statt in den Müll wandern sie dann in Quarantäne, wie es die Leiterin der Koordinierungsstelle Nürnberger Impfzentrum, Ulrike Goeken-Haidl, nennt. „Wir machen’s in Nürnberg so, dass wir die mit einem Aufkleber versehen, die in ‚Quarantäne‘ setzen und dann in den Kühlschrank geben in der Hoffnung, dass die Hersteller später die Haltbarkeit verlängern und wir ihn später nochmal einsetzen können“, sagte sie.

Bei dem Impfstoff von Astrazeneca* sieht es hingegen ganz anders aus. In Bayern könnten rund 15.300 Dosen des Vakzins verfallen. Das hat sich besonders dramatisch nach oben entwickelt, seit die Ständige Impfkommision (Stiko) die Empfehlung herausgegeben hat, eine Kreuzimpfung mit einem mRNA-Impstoff durchzuführen anstelle einer zweiten Impfung mit Astrazeneca.

„Die letzte Aktualisierung der Impfempfehlung durch die Stiko zum heterologen Impfschema hat dazu beigetragen, dass die Länder fest eingeplante Impftermine mit Astrazeneca auf mRNA-Impfstoffe umplanen mussten und Restbestände an Astrazeneca nun voraussichtlich nicht mehr verimpfen können“, zitiert hierzu der BR das Bundesgesundheitsministerium. Es erklärt weiter, dass an Lösungen gearbeitet werde, damit die Menge der abgelaufenen Impfstoffe so niedrig wie möglich bleibt.

Im Video: Mehr als die Hälfte der Deutschen ist geimpft

Nürnberger Impfzentrum gibt übrig gebliebene Dosen an andere mittelfränkische Impfzentren weiter

Eine Lösung des Nürnberger Impfzentrums ist es, die Dosen an andere Impfzentren in Mittelfranken beziehungsweise sogar etwas darüber hinaus weiterzugeben, erklärt Ulrike Goeken-Haidl. Bei geplanten Sondern-Aktionen gäbe es die Möglichkeit, sofort mit Vakzinen auszuhelfen. „Wir sind da im ständigen Austausch miteinander.“

Die Praxis von Christian Renard geht das Ganze etwas anders an: „Heute wäre Bestelltag gewesen, da haben wir einfach gar nichts bestellt, gar keine Impfung und hoffen, dass wir in den kommenden zwei Wochen einfach den Bestand weitgehend reduzieren.“ (ly) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem schönen Nürnberg gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Nürnberg-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare