Eine Bewohnerin eines Altersheims (l) wird von einer Mitarbeiterin eines Impfteam im Altersheim geimpft.
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Corona-Impfung im Altenheim: Ein Vorstand in Nürnberg folgte dabei offenbar einer ganz eigenen „Priorisierungsliste“. (Symbolbild)

„Persönliche Priorisierungsliste“

Impf-Skandal um Nürnberger Heim-Vorstand: Angehörige, Architekt und Handwerker vorzeitig geimpft

  • Marion Neumann
    vonMarion Neumann
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Der Vorstand mehrerer Seniorenheime in Nürnberg steht in der Corona-Krise aktuell in der Kritik. Er soll einer ganz „eigenen, familiennahen Impf-Strategie“ gefolgt sein.

Nürnberg - Der Ärger um die Vergabe von Corona-Impfstoffen* reißt nicht ab. Nicht nur bezüglich der Impfstoffe - vor allem gegenüber AstraZeneca* - gibt es Diskussionen. Auch Fälle von Impfdränglerei und der damit verbundenen vorzeitigen Impfung von Personen, die offiziell noch nicht an der Reihe gewesen wären, sorgen für Ärger.

Aktuell erregt in diesem Zusammenhang ein besonders drastischer Fall aus Nürnberg* Aufsehen. Dort soll der Vorstand der Christlichen Arbeitsgemeinschaft (CAG), die in der Frankenmetropole* drei Heime betreibt, einer speziellen Impf-Priorisierung gefolgt sein.

Nürnberg: Impf-Skandal um Heim-Chef - Auffälligkeiten bereits im Januar

Laut Berichten von nordbayern.de hat der CAG-Chef eine „ganz eigene, familiennahe Impf-Strategie“ entwickelt. Vor allem im Georg-Schönweiß-Heim in Nürnberg*, das knapp 200 Plätze für Senioren anbietet, kam es zu Auffälligkeiten. Bereits Mitte Januar 2021 sollen dort mehr Personen als nur die Heimbewohner geimpft worden sein.

Eine Impfdosis verabreicht bekommen haben, sollen neben dem CAG-Chef selbst auch Mitarbeiter einer Handwerksfirma und ein Architekt, der für die Einrichtung tätig ist. Familienmitglieder des Vorstands und Mitarbeiter der Zentralverwaltung sollen ebenfalls bereits vorzeitig geimpft worden sein. Nordbayern.de schreibt von einer „persönlichen Priorisierungsliste“ des Vorstandes. Auch intern soll von einem „Skandal“ gesprochen worden sein.

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Impf-Skandal um Heimleiter in Nürnberg: Chef nimmt zu Vorwürfen Stellung

Der CAG-Chef nimmt dem News-Portal gegenüber zu den Vorwürfen Stellung. Dass „Freunde und Bekannte“ auf diese Weise vorzeitig geimpft worden seien, weist er entschieden von sich. Die anderen Ereignisse stellt er laut nordbayern.de als notwendige Hilfsbereitschaft gegenüber dem Impfteam dar. In einem der CAG-Häuser habe man die offizielle Impfliste der Bewohner „um drei Personen ergänzt“, da priorisierte Impfwillige wegen einer Corona-Erkrankung aus der Liste herausgefallen seien.

Die Rede ist von einem Überschuss an Corona*-Impfstoff - deshalb seien schließlich auch der Vorstand selbst und seine Ehefrau geimpft worden. Offenbar habe der leitende Impfarzt um die schnelle Benennung von Ersatzpersonen gebeten. Dem offiziellen Vorgehen der Koordinierungsstelle Impfzentrum Nürnberg entspricht ein solches Handeln allerdings nicht. Im Normalfall gehen übriggebliebene Impfdosen zurück ins Impfzentrum. Dort liegen Listen mit Ersatzpersonen bereit, etwa Polizisten oder Feuerwehrleute. (nema) (*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA)

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