Eine Seniorin erhält eine Corona-Impfung.
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Aufgrund unerwarteter, freier Impfkapazitäten im Röthenbacher Impfzentrum wurden Begleitpersonen ohne Termin geimpft (Symbolbild).

Corona in Bayern

Bayerisches Impfzentrum: „Fluch der guten Tat“ - Impfungen von Begleitpersonen ohne Termin sorgen für Ärger

  • Tanja Kipke
    VonTanja Kipke
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Informationen über Impfungen ohne Termin lösten einen Ansturm auf das Röthenbacher Impfzentrum am Karsamstag aus. Es hagelte viel Kritik in den sozialen Medien.

Röthenbach - Am Karsamstag (3. April) kam es zu einer Situation im Röthenbacher Impfzentrum, die das Landratsamt in einer Pressemitteilung als „Fluch der guten Tat“ beschreibt. Am Freitag (2. April) waren unerwartet Impfkapazitäten für Corona*-Schutzimpfungen frei. Nach der Devise „Besser impfen als nicht impfen“ entschieden die Malteser pragmatisch, auch Begleitpersonen ohne Termin mitzuimpfen. Die Information verbreitete sich durch Mundpropaganda und die sozialen Medien rasend schnell, weshalb es am Samstag zu einem Ansturm auf das Impfzentrum kam. Das Verkehrschaos musste durch die Feuerwehr aufgelöst werden. Die Aktion sorgte für große Kritik in den sozialen Medien.

Nürnberger Land: „Software-Notlage“ führte zu Impfungen ohne Termin

Nach Problemen in der Impfsoftware „BayIMCO“ in der Nacht auf Donnerstag konnten viele freie Termine in Röthenbach nicht mehr vergeben werden. Die Malteser haben daraufhin bereits am Donnerstag begonnen, Personen, die auf den Wartelisten stehen und kurzfristig für eine Impfung zur Verfügung stehen können, telefonisch zu informieren. Das reichte aber nicht aus, um alle Termine zu vergeben, wie es in der Pressemitteilung heißt. Hinzu kam, dass viele Erzieherinnen, die zum Impfen eingeladen waren, nicht erschienen sind. Deshalb wurden zusätzlich auch Angehörige der Feuerwehr eingeladen. Trotz aller Bemühungen ist es nicht gelungen, die vorhandenen Kapazitäten für den Astrazeneca*-Impfstoff auszulasten.

Video: Spahn verspricht mehr Freiheiten für Geimpfte

Da am Freitag bei Sammelterminen für Kitas auch Angehörige mitkamen, haben sich die Malteser gegen etwa 18 Uhr entschlossen, auch Begleitpersonen der Prioritätengruppe 2, die keinen Impftermin hatten, ohne Termin mitzuimpfen. „Damit allen Vorschriften zum Trotz etwas vorwärts geht, weil mir wirklich jede Spritze im Arm lieber ist als im Kühlschrank,“ sagt der Leiter des Impfzentrums Herbert Zinßer gegenüber der Pegnitzer Zeitung. Die Malteser hätten aus einer Software-Notlage pragmatisch und unbürokratisch gehandelt - „besondere Lagen erzwingen manchmal besondere Maßnahmen“, heißt es in der Mitteilung des Landratsamtes. Das Impfzentrum habe auch entschieden die Priorisierungsvorgaben großzügig anzuwenden, bezogen auf die aktuelle Situation.

Ansturm auf Röthenbacher Impfzentrum - 500 Impfwillige zurückgewiesen

Diese Information verbreitete sich rasend schnell - vor allem über die sozialen Medien - und führte zu einem Ansturm am folgenden Tag. Die Schichtleitung des Impfzentrums bat die Feuerwehr aufgrund des Andrangs, die Zufahrt zum Gelände zu regeln – und Impfungen ohne Termin wurden eingestellt. Mindestens 500 Personen, so die Schätzungen der Feuerwehr, mussten daher abgewiesen werden. Interessant sei hierbei gewesen, dass die Autos aus dem ganzen Umland, aus Nürnberg*, Bamberg oder aus Forchheim kamen.

Viele Leute ließen ihrem Ärger über die Situation auf Facebook Luft. Ein Nutzer schrieb: „Das ist für mich Betrug und nicht nachvollziehbar. Eine bodenlose Frechheit von den Verantwortlichen.“ Ein anderer schimpft: „Offenbar könnte ich mir meine Bemühungen, unsere Berufsgruppe auch offiziell in Gruppe 2 zu bringen, sparen. Effektiver ist es scheinbar, einen Telefonhörer in der Flüsterpost zu erwischen“. Viele andere Nutzer verteidigen das Vorgehen des Impfzentrums und finden es gut, dass keine Impfdosis verloren ging.

Der Leiter des Impfzentrums verstehe den Ärger von Menschen, die sich an die Regeln halten und lange keinen Impftermin bekommen, berichtet die Pegnitzer Zeitung. Er befürchtet deshalb nach den schlechten Erfahrungen, dass man sich künftig wohl wieder ganz an strenge Vorschriften halten müsse, auch wenn dann vielleicht weniger als möglich geimpft würde. (tk) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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