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Zwei Franken und ihre unterschiedlichen Ansätze zur Bekämpfung von Corona - No-Covid wäre eine Option

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Zwei fränkische Wissenschaftler fordern ebenfalls den radikalen Schritt.
Eine Demonstrantin auf einer No-Covid-Demonstration. Zwei fränkische Wissenschaftler fordern ebenfalls den radikalen Schritt. © Martin Müller/imago images

Eine fünfte Coronawelle muss unbedingt vermieden werden. Zwei Wissenschaftler aus Franken gehen dafür unterschiedliche Wege, haben aber dasselbe Ziel.

Nürnberg - Die vierte Coronawelle rollt durch das Land. Eine fünfte soll tunlichst vermieden werden. Bereits Anfang des Jahres haben Wissenschaftler für einen Strategiewechsel in der Corona-Politik* plädiert: No-Covid sollte es richten. Zwei Franken haben sich intensiv mit den Ausmaßen der Pandemie beschäftigt. 

Im April 2021, als die dritte Coronawelle ihren Höchststand erreichte, machten sich viele Kommunen Gedanken und setzten auf „Modellprojekte“, die auch im Raum Nürnberg* für Erleichterungen und rasche Öffnungen sorgen sollten. Das Problem: So richtig gezündet hat die „No-Covid Strategie“ nie. Im Kern geht es dabei darum, „Grüne Zonen“ zu schaffen, in denen Inzidenzen nahe null gehen. Der 46-jährige Thomas Pettinger aus Nürnberg war von Anfang an Bord. 

Nürnberg: Thomas Pettinger ist in die Thematik „reingerutscht“

Wie nordbayern.de berichtet, versuchten Pettinger und seine zeitweise rund 50 Mitstreiter aus Wirtschaft, Medizin und Kultur, Landräte und Oberbürgermeister zu überzeugen. An Engagement fehlt es Pettinger nicht: „Mir ist es nicht ganz fremd, mich zu engagieren“, sagt er selbst gegenüber nordbayern.de. Früher habe er sich beim Bund Naturschutz eingebracht - nun eben Corona. Über seinen Job im Bereich der künstlichen Intelligenz in der Radiologie sei er in die Thematik „reingerutscht“.  

Pettinger hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Leute aufzurütteln - sei es auf Twitter oder in Form eines offenen Briefes, wie Pettinger ihn an Olaf Scholz* geschrieben hat, um für eine rasche Notbremse zu werben. Unterschrieben haben laut Zeitung 70.000 Menschen. 

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Nürnberg: Modellberechnungen sind keine exakten Prognosen 

Einer der Erstunterzeichner war Dirk Paessler aus Fürth, der sich jedoch nicht als No-Covid-Aktivist versteht. Der Gründer und CEO eines Klima-Startups bezeichnet sich vielmehr als „mathematisch und naturwissenschaftlich interessierten Menschen“, der von der Niedriginzidenzstrategie überzeugt ist. Sein Steckenpferd sind Corona-Modelle, in die er nach eigenen Angaben „zu viel Zeit“ investiere. Hunderte Studien habe er dafür gelesen – alles nur zur Vorbereitung. 

Dem 53-Jährigen ist aber wichtig: Seine Modelle entsprechen keineswegs exakten Vorhersagen. Bestenfalls kurzfristig, das heißt für die kommenden ein bis drei Wochen, könnten sie mit einer Fehlertoleranz von rund 30 Prozent etwas prognostizieren, stellt er klar. Auf lange Sicht gesehen, seien die Modellberechnungen „nur“ Szenarien, die sich miteinander vergleichen lassen würden. 

Zurück zu Thomas Pettinger: Er sieht vor allem bei der aktuellen Versorgungslage großen Handlungsbedarf. Diese sei nämlich eine „Katastrophe“. Denn die Politik ist seiner Meinung nach viel zu sehr damit befasst, Maßnahmen zu umschiffen, die Querdenker auf den Plan rufen könnten und weitere Demonstrationen zur Folge hätten: „Das geht an der Lebensrealität der Menschen vorbei.“ Die vollen Krankenhäuser seien vermeidbar gewesen, „wir hätten nicht viel tun müssen, wir hätten es nur früher tun müssen.“ 

Nürnberg: Paessler fordert R-Wert von maximal eins 

Auch Paessler sieht die Politik in der Verantwortung, denn die Wissenschaft habe ihr Soll erfüllt. Besonders komme es jetzt auf schnelle Reaktionen im Sinne von No-Covid an – und das auf globaler Ebene. Seine Warnung: Impfungen würden zwar gut vor schweren Krankheitsverläufen schützen, jedoch nur mittelmäßig vor Ansteckungen. Auch die Möglichkeit von Mutationen seien eine Gefahr: „Wenn wir also halbwegs in Ruhe weiterleben wollen, dann müssen wir noch auf Jahre Ausbruchskontrolle betreiben“, so Paesslers Einschätzung gegenüber nordbayern.de

Seine Forderung an die Politiker lautet, dass der R-Wert*, also die Reproduktionszahl, nicht über eins steigen dürfe. Das würde bedeuten eine mit Corona infizierte Person würde maximal einen weiteren Menschen anstecken. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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