Ein Paar läuft mit Maske an einem Laden vorbei, der Click & Meet anbietet.
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Nach „Click & Meet“ gilt auch im Nürnberger Land wieder „Click & Collect“. Ein Ladenbesitzer in Lauf lässt sein Geschäft dennoch geöffnet.

Im Nürnberger Land

Trotz Corona-Auflagen: Ladenbesitzer lässt Geschäft offen - „Wir fühlen uns im Stich gelassen“

  • vonTanja Kipke
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Ein Ladenbesitzer im Nürnberger Land lässt sein Geschäft trotz hoher Inzidenzwerte weiterhin mit dem „Click & Meet“-Konzept geöffnet. Die Gründe dafür erläutert er in einem Video.

Nürnberger Land - Die Sieben-Tage-Inzidenz* im Nürnberger Land liegt seit über einer Woche über 100. Daher gelten seit Samstag (27. März) auch für den Landkreis die verschärften Corona*-Regeln der bayerischen „Notbremse“. Bedeutet: Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr, Schulen bleiben geschlossen, Kitas gehen in den Notbetrieb und Einzelhandelsgeschäfte dürfen nur noch „Click & Collect“ anbieten, anstatt wie die zwei Wochen zuvor „Click & Meet“.

Der Besitzer des Bergsport- und Wanderladens „Auf und Ab“ in Lauf an der Pegnitz* öffnet seinen Laden mit „Click & Meet“, auch wenn er das gar nicht darf. „Wir machen da nicht mit. Wir bleiben offen“, verkündet Martin Rummel in einem Video, dass er auf Facebook postete. „Wir fühlen uns im Stich gelassen, sogar verarscht und das muss ein Ende haben. Ich werde keinen Schritt mehr zurück machen.“ In dem elfminütigen Video erklärt er diese Entscheidung.

Nürnberger Land: Ladenbesitzer öffnet trotz Corona-Notbremse sein Geschäft

Rummel ist davon überzeugt, dass durch die Terminvergabe, das Tragen einer FFP2-Maske* und die kleine Personenzahl, die in den Laden dürfen, man das Infektionsgeschehen nachvollziehen könne und somit die Kontrolle bewahre. Wie in den letzten zwei Wochen lässt der Besitzer daher sein Geschäft mit dem „Click & Meet“-Konzept weiterhin geöffnet. „Es kann nicht sein, dass Läden wie ein Blumenladen, eine Buchhandlung oder ein Baumarkt weiterhin geöffnet bleiben dürfen, da sie als systemrelevanter gelten als jemand, der Klamotten verkauft - die man nunmal auch mal braucht“, erklärt er in dem Video.

Martin Rummel begründet seine Entscheidung in einem elfminütigen Video

Rummel hat einen Appell an alle, die das Video sehen: „Versucht euch mal in die Lage von Läden wie meinem zu versetzen. Versucht das zu verstehen, warum wir vielleicht nicht mehr daran glauben, wenn uns gesagt wird, dass wir nicht um unsere Existenz fürchten müssen.“ Man bräuchte Perspektive und nicht nur „Restriktive“. Aus Rummels Sicht haben alle Läden „Planungssicherheit mehr als verdient nach so einer langen Zeit.“ Ladenbesitzer, die wieder Ware eingekauft haben und nun erneut schließen müssen, wüssten nun gar nicht mehr, wohin damit. Es könne nicht sein, dass man sich durch irgendwelche Grauzonen durchmogeln müsse, nur damit man „seinen Job irgendwie machen kann.“

Ladenbesitzer Martin Rummel steht zu seiner Entscheidung, weiterhin „Click & Meet“ anzubieten.

Der Besitzer des Outdoorladens erhält viel Zuspruch von seinen Kunden, für welchen er sich in einer Facebook Mitteilung bedankt. „Es waren ungelogen hunderte E-Mails, Anrufe und Besuche im Laden, die alle durch die Bank positives Feedback gegeben haben“, schreibt er auf Facebook*. „Ich kann euch gar nicht sagen wie glücklich mich das macht!“ Die Leute kommen zahlreich weiterhin mit vorheriger Terminvergabe in den Laden und er erhalte fast ausschließlich positives Feedback.

Ladenbesitzer Martin Rummel hat keine Angst vor den Konsequenzen

Bisher seien noch keine Mitarbeiter der Polizei oder der Behörden vorbeigekommen, wie Rummel merkur.de berichtet. „Ich hab keine Angst davor, was passiert, wenn jetzt die Polizei oder die Behörde kommt, weil ich denke, dass sie auch gemerkt haben, dass ich sehr verantwortungsbewusst damit umgehe und nicht irgendwie nur eine Rebellion damit anstifte, sondern versuche eine gewisse Planungssicherheit zu haben“, sagt er merkur.de. Er glaube auch nicht, dass noch jemand vorbeikommen werde. Von anderen vereinzelten Läden in Deutschland wisse er, dass diese auch mit Terminvergabe weiterhin geöffnet bleiben.

In einem Nachtrag zu seinem Facebook-Post stellt er klar, dass man seine Entscheidung nicht als Aufruf verstehen solle. Er möchte daher auch nicht in eine Ecke mit Verschwörungstheoretikern oder Querdenkern gestellt werden. Ihm gehe es um Vernunft und Perspektive. „Unruhen oder ähnliches erzeugen das Gegenteil. Wir können damit vielleicht beweisen, dass wir verantwortungsvoll genug sind, um mit der Situation umzugehen.“ (tk) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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