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Servus N wie Nordpol: Diktier-Alphabet soll geändert werden - das führt zum Zwist zwischen Nürnberg und Fürth

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Von: Thomas Eldersch

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Bald könnte das N wie Nordpol ausgedient haben.
Bald könnte das N wie Nordpol ausgedient haben. © Christoph Soeder/dpa

Bald könnte sich die Art, wie wir buchstabieren, ändern. Eine Kommission beschäftigt sich derzeit mit dem Umbau des Diktier-Alphabets.

Nürnberg - Jahrelang haben Generationen von Schülern Buchstabier-Regeln gepaukt. „N wie Nordpol“ oder „M wie Martha“ kennt in Deutschland* jedes Kind. Bald könnte sich aber einiges ändern am Diktier-Alphabet. Eine Neufassung der Buchstabiertafel laut DIN 5009 ist schon in Arbeit.

Nürnberg: Buchstabiertafel voll mit Relikten aus der Nazi-Zeit

Um Verwechslungen bei Eigennamen zu vermeiden, wurde es ursprünglich einmal eingeführt: das Diktier-Alphabet. In der langen Zeit seiner Existenz - seit 1903 wurden Namen für Buchstaben verwendet - durchlebte es zahlreiche Änderungen. Vor allem während der Herrschaft der Nationalsozialisten änderte sich einiges. Jüdische Namen wurden aus dem Buchstabier-Alphabet gestrichen. Es hieß nicht mehr „D wie David“, sondern „D wie Dora“. Und aus „N wie Nathan“ haben die Nazis „N wie Nordpol“ gemacht.

Diese Relikte aus der Nazi-Zeit will der Antisemitismusbeauftragte Baden-Württembergs, Michael Blume, jetzt angehen. Seit Herbst vergangenen Jahres wird schon an einer überarbeiteten DIN gefeilt. Es gab zwar nach dem Zweiten Weltkrieg erneut Anpassungen an dem Alphabet. 16 männliche Vornamen, aber nur sechs weibliche fanden Einzug. Jetzt hat allerdings ein DIN-Fachausschuss entschieden die Namen durch Städtenamen zu ersetzen. Dabei soll die Aufnahme ins Alphabet anhand der Auto-Kennzeichen erfolgen. Also könnte es in Zukunft „N wie Nürnberg*“ heißen.

Umstellung auf Städtenamen führt zu Sticheleien zwischen Nürnberg und Fürth

Die Idee, auf Städtenamen umzusteigen, wurde in der Frankenmetropole freudig aufgenommen. Der historische Hintergrund sei sehr spannend, sagte Andreas Franke, Sprecher der Stadt Nürnberg. Gerade aus der Geschichte heraus und aus dem Anspruch Nürnbergs als Stadt des Friedens und der Menschenrechte begrüße man den Vorstoß sehr, schreibt nordbayern.de. Der unmittelbare Nachbar Fürth* - der wegen des Kennzeichens FÜ nicht bedacht wird - reagiert prompt. Beim F bekommt übrigens Frankfurt am Main den Vorzug.

Franke sagte zu der Absage an Fürth: „Die Fürther spielen ja eh in der ersten Liga!“ Seine Kollegin aus der Nachbarkommune, Susanne Kramer, konterte umgehend. „Da freuen wir uns für die Nachbarn. Wenn Nürnberg schon in der zweiten Bundesliga spielt, sind sie wenigstens in der ersten Städteliga mit dabei.“

Neben Nürnberg werden wohl auch noch andere bayerische Städte ins Diktier-Alphabet aufgenommen. Bald heißt es dann auch „A wie Augsburg*“, „M wie München*“ und „R wie Regensburg*“. „Die DIN 5009 wird gerade überarbeitet - und wir sind mit dabei“, sagte Regensburgs Zweite Bürgermeisterin Astrid Freudenstein der Mittelbayerischen Zeitung. Die Augsburger Oberbürgermeisterin Eva Weber sagte: „Wir freuen uns natürlich sehr, dass zukünftig A wie Augsburg die neue Buchstabiertafel anführen wird.“ Die meisten Städtenamen - sieben an der Zahl - kommen allerdings aus Nordrhein-Westfalen. Leer ausgehen werden wohl das Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Hamburg und Sachsen-Anhalt. Eine endgültige Fassung wird für Mitte 2022 erwartet. (tel/dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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