Kritik aus den eigenen Reihen

Kein Kanzler Söder: Nürnberger CSU-Politiker kritisiert Ministerpräsidenten scharf und fordert Rückzug

  • Leyla Yildiz
    vonLeyla Yildiz
    schließen

Söder will Kanzler - das macht das Duell um die Kandidatur in der Union deutlich. Jetzt kritisiert ein Nürnberger CSU-Politiker Söders Pläne.

Nürnberg - Seit über einer Woche ist das Ringen um die Kanzlerkandidatur der CDU/CSU eines der Themen in Deutschland. Das Duell: Armin Laschet gegen Markus Söder. In den vergangenen Tagen hat sich gezeigt, dass dieser Konflikt die Union immer weiter spaltet. Söder bekam von vielen Seiten der Schwesterpartei Zuspruch, beispielsweise von der Jungen Union. Nun hat sich ein ehemaliger Nürnberger Landtagsabgeordneter zu Wort gemeldet, der das Vorgehen von Söder* aufs Schärfste kritisiert. 

Hermann Imhof saß von 2003 bis 2018 im Landtag und machte sich vor allem in den Bereichen Soziales und Gesundheit verdient. Im Gespräch mit der SZ, sagte der 68-jährige Politiker: „Ich wünsche Herrn Söder sehr, dass er die Einsicht gewinnt, seine drängenden Ambitionen zurückstellen - in Verantwortung für die ganze Union und in Rücksicht auf die persönliche Situation von Armin Laschet*.“ Das sei ein echtes Zeichen von Demut und menschlicher Größe. Für Imhof ist klar, dass ein Kandidat für das Kanzleramt „Ehrgeiz und Machtwillen“ braucht, um die CSU*/CDU* zu weiteren Erfolgen führen zu können, allerdings „braucht er auch die Fähigkeit zur Integration und die Kraft zur Versöhnung, beruhend auf Lebensreife und innerer Balance“. Ein Kanzler müsse laut Imhof ein „menschliches Vorbild“ auch in „Kultur und Stil“ sein.

Halten Sie Markus Söder für kanzlertauglich? Stimmen Sie ab!

Nürnberger CSU-Politiker kritisiert Söder im Kampf um die Kanzlerkandidatur aufs Schärfste

Zu den weiteren Kriterien, die ein Kanzler mitbringen muss, gehöre, dass man zur Führung der Bundesregierung einen „integrativen Führungsstil sowie die Bereitschaft, andere leuchten zu lassen“ benötige. Doch all diese Eigenschaften könne Söder laut Imhof bislang nicht nachweisen.

Wie Nordbayern.de berichtet, bezieht Imhof sich auch auf viele andere Politiker, die vor allem durch ihre brachiale Vorgehensweise auffallen. „Wir haben es weltweit mit vielen brachialen Führungs-Typen zu tun. Mir wäre lieber, wenn wir einen anderen Charakter an der Spitze des Landes hätten“, sagte Imhof. Nur darauf zu schauen, wie die Umfrage-Werte sind, seien nach Imhofs Meinung nicht zielführend. Und die Werte sind auf die aktuelle Pandemie zurückzuführen. „Wenn alle geimpft sind, wird es auch wieder andere Themen als Corona* geben“, sagte er. Danach könnte wieder ein anderer Führungsstil einziehen.

Dass Söder während der Corona-Krise immer wieder neben Angela Merkel* bei den Pressekonferenzen erschienen ist, verschaffte ihm laut Imhof eine enorme mediale Präsenz. Und die wisse er besser zu nutzen als Armin Laschet. Für den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen spricht vor allem, dass er, wie Imhof sagt, besonnen ist, weitere Meinungen neben seiner eigenen akzeptiert und eine klare Agenda hat. Das sei bei Söder nicht ersichtlich und überzeugend, wie Nordbayern.de berichtet. Für Imhof ist nicht klar erkennbar, wofür der bayerische Ministerpräsident steht. Vor fünf Jahren fischte er seiner Meinung nach noch am rechten Rand und entsetze mit dem Wort „Asyltourismus“, heute will er sich als Umweltschützer präsentieren. (ly)*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem schönen Nürnberg gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Nürnberg-Newsletter.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare