Messe Nürnberg
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Das Nürnberger Messezentrum steht leer - der Region entgehen so 900 Millionen Euro Kaufkraft.

Coronabedingte Schließung

Nürnberger Messezentrum fährt riesen Verlust ein - Metropolregion entgehen 900 Millionen Euro

  • Jonas Napiletzki
    vonJonas Napiletzki
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Im Nürnberger Messezentrum finden derzeit keine Veranstaltungen statt - zum Nachteil der Metropolregion. Der Schaden lässt sich auf 900 Millionen Euro beziffern.

Nürnberg - Das Nürnberger Messezentrum zählt zu den großen Motoren der Region rund um die zweitgrößte Stadt Bayerns*. Nicht nur der Umsatz des Zentrums selbst steht und fällt mit den Besuchern, sondern auch die Erfolge des ansässigen Mittelstands. Coronabedingt sind die Ausstellungsflächen seit rund einem Jahr - mit Ausnahme des Impfzentrums in Halle 3C - leer. Das hat weitreichende Folgen für die Wirtschaft.

Dem Bayerischen Rundfunk (BR) sagte Nürnbergs Wirtschaftsreferent Michael Fraas (CSU): „Wir haben einen sehr starken produzierenden Mittelstand. Wenn der seine Waren in die Welt liefern will, dann ist es wichtig, dass die Welt in Form von Messen auch zu uns kommt.“ Dass der wichtige Wirtschaftsfaktor der Metropolregion* jetzt nahezu stillsteht, habe auch Einflüsse auf die Stadt. „Rund 900 Millionen Euro Kaufkraft im Jahr fallen in der gesamten Region weg, weil die Messe in der Corona-Krise steckt“, sagte Fraas dem BR. Die Zahl stamme vom Institut für Wirtschaftsforschung, beziehe sich auf den Handel in der Innenstadt, wie zum Beispiel Gaststätten und Hotels. Auch die Infrastruktur rund um die Messe stehe still - das Geld fehlt überall dort, wo es sonst von den Besuchern aus aller Welt ausgegeben wurde.

Messe Nürnberg: Jahrelang auf der Überholspur - jetzt 60 Millionen Euro Verlust

Roland Fleck, einer der Geschäftsführer der Nürnberger Messe, macht derzeit eine völlig neue Erfahrung. Erst vor sechs Jahren eröffnete die GmbH die neue Halle 3A - vier Jahre später die Halle 3C. Mit der vergrößerten Fläche wuchs das Messegelände auf 180 000 Quadratmeter Brutto-Ausstellungsfläche. Kurzum: Die Messe konnte in den vergangenen Jahren einen Rekord nach dem anderen vermelden.

Fleck sagt: „Wir waren seit Jahren auf der Überholspur* und sind quasi in Sekundenbruchteilen auf die Standspur gezwungen worden. Vollbremsung.“ Dies hatte auch Auswirkungen auf das Unternehmen selbst. Der Umsatz der GmbH ging um etwa 66 Prozent auf rund 115 Millionen Euro zurück. Gleichzeitig stieg der Verlust der Gesellschaft im Jahr 2020 auf rund 60 Millionen Euro.

Vergangenes Jahr gab es im Messezentrum wenige digitale Veranstaltungen - so beispielsweise die Biofach*. Die Weltleitmesse für ökologische Konsumgüter war mit insgesamt 14 000 Menschen virtuell gut besucht. Fleck sieht darin einen „Hoffnungsschimmer“. Trotzdem meint er: „Wir gehen davon aus, dass es in einer Art Stufenkonzept wieder nach vorne gehen wird. Dass wir es schaffen, wieder Präsenzveranstaltungen* zu machen. Aber künftig immer verknüpft mit einem digitalen Modul.“

Im Jahr 2019 kam es bei einem Messebesuch in München zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung* zwischen einem Besucher und einem Security-Mitarbeiter - der Besucher verstarb kurz darauf. Einen aktuellen News-Ticker zum Corona-Geschehen in der Franken-Metropole finden Sie hier*. Weitere Nachrichten aus Nürnberg und ganz Bayern finden Sie immer aktuell bei uns. (nap) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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