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Von Münchner Brauerei-Familie gekauft: Nürnberg erwirbt historischen Nazi-Bahnhof – Große Pläne für Areal

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Von: Nikolas Pelke

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Nürnberg NS-Gelände
Der Bahnhof Dutzendteich soll bis 2024 in einen neuen Informationspunkt auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände umgebaut werden. © Nikolas Pelke

Nürnberg jubelt über „Glücksfall“: Die bekannte Brauerei-Familie Inselkammer hat die alte Bahnstation „Dutzendteich“ auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände an die Stadt Nürnberg verkauft. Bis 2024 will die Stadt aus der alten Haltestelle ein Informationszentrum für Besucher aus aller Welt machen.

Nürnberg - Während der Nazi-Herrschaft nutzten zehntausende Hitler-Anhänger die Haltestelle für die Anreise zu den NS-Parteitagen. Im Minutentakt stoppten hier am Bahnhof Dutzendteich die Züge im Schatten der Zeppelintribüne. Aktuell schlummert der historische Bahnhof hinter Schloss und Riegel in der Sonne scheinbar träge vor sich hin. Sogar der alte Biergarten ist schon dicht. Die fränkische Gaststätte ist ebenfalls geschlossen. Der Dornröschenschlaf dürfte allerdings bald ein Ende haben.

Dutzendteich/Nürnberg: Kultur-Bürgermeisterin Julia Lehner (CSU) spricht von „Glücksfall“

Die Stadt Nürnberg hat kürzlich stolz verkündet, den alten Bahnhof am Dutzendteich auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände gekauft zu haben. Nach den Plänen der Stadt sollen an der historischen Bahnstation demnächst Besucher aus aller Welt spannende Informationen rund um das Nazi-Gelände erhalten. Kultur-Bürgermeisterin Julia Lehner (CSU) spricht von einem „Glücksfall“ für die Vermittlung der NS-Geschichte. Auch Oberbürgermeister Marcus König (ebenfalls CSU) ist begeistert von den neuen Plänen. „Die Nutzung des Bahnhofs Dutzendteich ermöglicht es, dass wir direkt am historischen Ort informieren können und dabei die Funktion des Bahnhofs für das Gesamtgelände verdeutlichen.“

Der 1871 errichtete Bahnhof wurde nach der Machtergreifung von Adolf Hitler in den Jahren zwischen 1934 und 1936 durch den Architekten Fritz Limpert für die nationalsozialistischen Reichsparteitage umgebaut und steht wie die anderen NS-Bauten auf dem weitläufigen Areal seit 1973 unter Denkmalschutz.

Nürnberg NS-Gelände
Von 1934 bis 1936 ließen die Nationalsozialisten den Bahnhof für zehntausende Parteitagsteilnehmer mit überdachten Bahnsteigen ausbauen. © Nikolas Pelke

Die Haltestelle Dutzendteich stehe laut Stadt beispielhaft für die „praktischen Aspekte“ der nationalsozialistischen Massenveranstaltungen in Form der entstandenen Verkehrsinfrastruktur auf dem Reichsparteitagsgelände. Anhand des Bahnhofs könnte den Besuchern der „funktionale Ablauf“ der Parteitage noch besser erklärt werden.

Nürnberg: Wie umgehen mit Nazi-Bauten?

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Münchner Unternehmerfamilie Inselkammer hat historischen Nazi-Bahnhof an Stadt Nürnberg verkauft

Der Bahnhof hatte sich zuletzt im Besitz der bekannten Unternehmerfamilie Inselkammer aus München befunden. Diese hatte 1994 die Nürnberger Tucher-Brauerei übernommen und nach dem Verkauf fast zehn Jahre später zahlreiche Immobilien in der Region behalten. Jetzt hat sich die Familie, die sich mit der Augustiner-Brauerei einen Namen gemacht hat, offensichtlich nach einem Käufer für den Bahnhof umgeschaut.

Wie es der Zufall will, hat die Stadt im Rahmen der Sanierung der Zeppelintribüne ohnehin Ausschau nach einem Grundstück für einen Informationspavillon gehalten. Ursprünglich hatte die Stadt wohl einen Neubau in der Nähe des Zeppelinfeldes geplant. Nun sollen die Besucher auf dem rund 5000 Quadratmeter großen Bahnhofsgelände mit dem überdachten Vorbereich einen komfortablen Anlaufpunkt mit Informationen über die Geschichte des NS-Geländes erhalten. Eine „gastronomische Grundversorgung“ soll es nach den nötigen Umbauarbeiten ab 2024 ebenfalls geben.

Nürnberg NS-Gelände
Bei den Massenveranstaltungen verkehrten die Züge im Minutentakt. Heute halten keine Züge mehr an den Gleisen. © Nikolas Pelke

„Als ich von dem Interesse der Stadt und der Idee erfahren habe, unsere Gaststätte in eine Art Auftaktgebäude für dieses historische Gesamtensemble umzubauen, war ich sofort begeistert“, hat sich Nicole Inselkammer laut Stadt über den Immobilien-Deal gefreut. Die Familie hätte die bereits intensiv laufenden Verkaufsaktivitäten ausgesetzt und sei stattdessen direkt in Verkaufsgespräche mit der Stadt eingetreten. „Nun freut es meine Familie und mich umso mehr, dass wir der Stadt Nürnberg diese Umnutzung ermöglichen können.“ Über die Höhe des Verkaufspreises haben beide Seiten keine Angaben gemacht. Derweil sollen auch nach dem Umbau keine Züge mehr an der Station halten.

Nürnberg: Zeppelintribüne soll für 85 Millionen Euro saniert werden

Hintergrund ist die geplante Sanierung der Zeppelintribüne und des angrenzenden Zeppelinfeldes für stolze 85 Millionen Euro. 2018 hatte Deutsche Bundestag zugesagt, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Ein Jahr später beschloss der Bayerische Landtag die Übernahme eines Viertels der Kosten. Das verbleibende Viertel der Gesamtsumme will Nürnberg tragen. In Nürnberg hatte es dennoch Diskussionen gegeben, ob eine Restaurierung der maroden Steintribüne sinnvoll ist. Die Investitionen dürften sich freilich auszahlen. Das Reichsparteitagsgelände lockt hunderttausend Menschen aus aller Welt jährlich nach Nürnberg. Das dazugehörige Dokumentationszentrum in der ehemaligen Kongresshalle gehört mittlerweile zu den besucherstärksten Museen der Stadt.

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