Pfandringe an Mülleimern in Bamberg
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Bamberg war 2014 die erste Stadt, die die Pfandringe testete.

Nürnberg lehnt Idee ab

Roth führt Pfandringe ein - Jugendhaus möchte „Würde der Menschen schützen“

  • vonTanja Kipke
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Nach einer Initiative des Jugendhauses in Roth führt die Stadt Pfandringe ein. Dies erleichtert Bedürftigen das Sammeln von Pfand und ist oben drein noch nachhaltig.

Roth - Um Bedürftigen das Wühlen in Mülleimern zu ersparen, führt die Stadt Roth* sogenannte „Pfandringe“ ein. Die nachhaltige und soziale Initiative hatte das Jugendhaus in Roth angeregt. Entworfen wurden die Ringe von einem Kölner Design-Studenten und als erste Stadt testete Bamberg die Ringe 2014. Nicht in alle Städten, in denen man die Ringe testete, kamen sie auch gut an. Andere Städte wollen sie erst gar nicht ausprobieren - wie zum Beispiel Nürnberg*.

Roth: Stadt führt Pfandringe ein - Jugendhaus möchte „Würde der Menschen schützen“

„Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit sind für die Jugend ein großes Anliegen“, so der ehrenamtliche Jugendhausrat Martin Winkler gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR). Den jungen Initiatoren sei aufgefallen, dass viele moderne Mülleimer kleinere Öffnungen haben. Dies erschwere die Suche von Sammlern nach Pfandflaschen. Zum anderen bringe das Durchwühlen auch ein hohes Verletzungsrisiko. „Wer im öffentlichen Mülleimer nach Flaschen suchen muss, kann sich an Scherben schneiden und gerade in Pandemiezeiten ist es nicht hygienisch, zwischen Essensresten und anderen ekligen Dingen suchen zu müssen“, erklärt Simon Weiß vom Jugendhaus dem BR.

Durch die Pfandringe möchte man die „Würde der Menschen schützen“ und ihnen „das Wühlen im Mülleimer“ ersparen. Außerdem will man dadurch auch Verschwendung vermeiden, und durch richtiges Recycling die Umwelt schonen. In Roth kamen die Pfandringe in der Testphase gut an, daher brachte die Stadt nach dem Prototyp am Marktplatz noch zehn weitere Ringe an bestimmten öffentlichen Orten in der Stadt an, wie der BR berichtet. „Natürlich muss man immer beobachten, an welchen Stellen der größte Bedarf für die Ringe ist und sie im Zweifelsfall mal umstellen“, sagt Martin Winkler.

Video: Pfandringe für Stadt Waltrop

Pfandringe: In manchen Städten ein großer Erfolg in anderen werden sie zweckentfremdet

Ob Pfandringe Erfolg haben oder nicht, hängt davon ab, wie sich die Einwohner einer Stadt verhalten. „Je bekannter die Pfandringe sind und je mehr die Bevölkerung weiß, wie man sie benutzt, desto mehr profitiert auch jeder Einzelne davon“, so Simon Weiß. In Bochum und Düsseldorf kamen die Ringe gut an, in den bayerischen Städten Bamberg und Regensburg* weitet man den ersten Versuch hingegen nicht weiter aus. Laut dem BR lehne zum Beispiel die Stadt Nürnberg die Idee immer wieder ab, da man befürchtet, dass die Ringe zur Ablagefläche von Müll zweckentfremdet werden und so die Arbeit der Müllabfuhr erschwere.

Eine weitere Sorge: Andere Leute könnten anstatt der Bedürftigen das Leergut einsammeln, sobald man das Pfand nicht mehr aus dem Müll fischen muss. „Es ist nicht so, dass Anzugträger den ganzen Tag durch die Stadt rennen und versuchen, Pfandflaschen abzugreifen“, findet Martin Winkler. „Und selbst wenn es jemand mitnimmt, der es eigentlich nicht braucht, ist es trotzdem eine vernünftige Verwertung der Ressourcen.“ (tkip) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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