Die Bartgeier im Nürnberger Tiergarten erwarten Nachwuchs.
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Die Bartgeier im Nürnberger Tiergarten erwarten Nachwuchs.

Aussiedlung am Watzmann geplant

Gelten seit 100 Jahren als ausgerottet: Bartgeier sollen ausgewildert werden - aber ohne Nürnberger Jungtier

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Bald könnten die größten, heimischen Vögel wieder ihre Kreise durch die Alpen ziehen. Doch ein Jungtier aus dem Tiergarten Nürnberg wird nicht mit dabei sein.

Update vom 19. März: Die Hoffnungen, ein Bartgeier-Junges aus Franken zum Auswilderungsprogramm des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) beisteuern zu können, haben sich zerschlagen. Wie der Vize-Direktor des Nürnberger Tiergartens, Jörg Beckmann, jetzt mitteilte, gibt es dieses Jahr keine Geburt zu feiern. „Ein Bartgeier-Ei ist während der Brut zerbrochen, das andere war zwar befruchtet, der Embryo ist aber vor dem Schlupf abgestorben. Das ist natürlich sehr schade für das Auswilderungsprojekt, doch das ist in der Natur und in der Vogelwelt kein völlig ungewöhnliches Ereignis.“

Nun wird es bei dem Auswilderungsprojekt nur Vögel aus anderen Zuchtprogrammen geben. Man bleibt aber optimistisch. „Natürlich wäre uns zum Start unseres Projekts ein junger fränkischer Bartgeier am liebsten gewesen, doch dann kommt eben 2022 oder 2023 einer der Vögel aus Nürnberg und wir sind hoffnungsvoll, dass wir für dieses Jahr andere Jungvögel aus dem Zuchtprogramm erhalten, um mit der Auswilderung des Bartgeiers in Deutschland wie geplant 2021 beginnen zu können“, sagt der LBV-Vorsitzende Dr. Norbert Schäffer.

Erstmeldung vom 12. März

Nürnberg - In freier Wildbahn sind sie nicht mehr zu finden. Sie gelten seit 100 Jahren als ausgestorben: Bartgeier. Sie sind mit einer Spannweite von bis zu drei Metern die größten heimischen Vögel und sind weder für Nutztiere noch Menschen gefährlich. Bartgeier sind reine Aas- und Knochenfresser. Jetzt steht im Tiergarten in Nürnberg* die Geburt eines Jungen bevor. Damit startet auch ein Projekt, bei dem die Tiere wieder ausgesiedelt werden sollen.

Tiergarten Nürnberg: Bartgeier-Junges soll in den Nationalpark Berchtesgaden umziehen

Im Januar hatte das Bartgeier-Weibchen im Nürnberger Zoo zwei Eier gelegt, jedoch war eines davon nicht befruchtet. Eines der beiden Eier ging kurze Zeit später zu Bruch. Angestellte im Tiergarten gehen aber davon aus, dass es das Unbefruchtete war. Deshalb könnte es jetzt knapp drei Monate nach der Eiablage so weit sein und ein kleiner Bartgeier erblickt bald das Licht der Welt, berichtet die Deutsche Presse Agentur (dpa).

Wie es dann mit dem Bartgeier-Jungen weitergeht, steht auch schon fest. Es soll noch etwa drei Monate im Tiergarten bleiben. Dann geht es für den seltenen Vogel in den Nationalpark Berchtesgaden. Er wird Teil eines europäischen Zuchtprojekts am Watzmann. Zusammen mit zwei weiteren Tieren soll eine neue Population aufgebaut werden.

Tiergarten Nürnberg: Flachlandtapier-Männchen Poroto zieht nach Österreich

Die Jungtiere sollen in dem Gebiet um den Berg Watzmann im Südosten Bayerns zunächst in einem künstlichen Nest gefüttert werden, bis sie flügge sind. Über Rohre sollen sie das Futter bekommen: rohes Fleisch und zunehmend auch Knochen, wie es die erwachsenen Bartgeier fressen würden. „Wir sind gespannt, ob alles in Nürnberg* klappt“, sagt Markus Erlwein, Sprecher des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV), der das Projekt mitträgt. „Wir würden uns freuen, wenn der erste deutsche Bartgeier, der wieder um den Watzmann kreist, aus Franken käme.“ Woher die anderen beiden Tiere kommen, ist noch nicht ganz klar. „Die Tiere müssen genetisch zueinander passen und etwa gleich alt sein“, sagte Beckmann. 

Der letzte Flachlandtapier hat den Nürnberger Tiergarten in Richtung Österreich verlassen.

Einen eher traurigen Abschied gab es hingegen bei den Flachlandtapieren. Das seit 2009 in Nürnberg* lebende Männchen Poroto ist nach Schmiding in Österreich umgezogen. Dort lebt er jetzt mit einem jungen Weibchen auf einer neugebauten Anlage zusammen. Seine bisherige Gefährtin, das hochbetagte Tapier-Weibchen Daisy, starb bereits 2020. Damit gibt der Zoo die Haltung der Flachlandtapiere auf und konzentriert sich auf die Erhaltung der aus Südostasien stammenden, gefährdeten Art der Schabrackentapiere, schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung. (tel/dpa) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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