Zwei Menschen bei einer Pressekonferenz
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Tessa Ganserer (links) wird auf dem Wahlzettel zur Bundestagswahl mit ihrem alten Namen gelistet sein. (Archivbild)

Sie tritt für die Grünen an

Ausschuss hat entschieden: Tessa Ganserer muss mit altem Namen auf Wahlzettel kandidieren

  • Leyla Yildiz
    VonLeyla Yildiz
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Die Nürnberger Grüne Tessa Ganserer will in den Bundestag. Doch auf dem Wahlzettel ist die transgeschlechtliche Frau mit ihrem alten Namen gelistet.

Update vom 30. Juli, 15.15 Uhr: Mittlerweile hat der Kreiswahlausschuss über die Zulassung der Nürnberger* Kandidaten für die Bundestagswahl entschieden. Wie einer Pressemitteilung der Stadt zu entnehmen ist, wird Tessa Ganserer mit ihrem alten Namen auf der Liste zur Wahl stehen. In Klammern steht dahinter ihr neuer Name.

Politikerin Tessa Ganserer outete sich 2018 als transgeschlechtlich

Erstmeldung vom 30. Juli, 13.18 Uhr: Nürnberg - Seit acht Jahren sitzt Tessa Ganserer für ihre Partei Bündnis 90/Die Grünen* im bayerischen Landtag. Doch jetzt will sie auf die ganz große politische Bühne nach Berlin. Für ihren Wahkreis Nürnberg-Nord kandidiert sie für den Bundestag. Dabei tritt Ganserer gegen Sebastian Brehm von der CSU* an.

Im Gegensatz zu Ganserer wird sein Name auf dem Wahlzettel erkennbar sein. Ende 2018 outete sich Tessa Ganserer als transgeschlechtlich und war damit die erste deutsche Abgeordnete, die diesen Schritt gegangen ist. Ihr jetziger Name wird nach einem Bericht von Nordbayern.de zufolge allerdings wohl nicht auf dem Wahlzettel stehen. Stattdessen soll sie mit ihrem „toten Namen“, darauf gelistet sein.

Kampf um den Namen auf dem Wahlzettel: Tessa Ganserer will „vollumfänglich akzeptiert werden“

Ganserer findet das „schrecklich, entwürdigend und demütigend“. Sie möchte „vollumfänglich akzeptiert werden“ und dass ihr weiblicher Vorname anerkannt wird. Allerdings geht aus der Gesetzeslage hervor, dass auf den Wahlzetteln die im Melderegister registrierten Namen der Kandidaten stehen müssen. Darin ist sie jedoch mit ihrem alten Namen gelistet.

Doch eine Namensänderung ist für transgeschlechtliche Menschen nicht leicht. Derzeit regelt das das Transsexuellengesetz - dies sieht die Grüne als menschenfeindlich. Ihr stößt vor allem die doppelte Begutachtung mit Fragen zum Sexualleben sauer auf.

Namensänderung von transgeschlechtlichen Menschen: Einfache Regelung gibt es nicht

Eine einfache Regelung, den Namen zu ändern, gibt es derzeit in Deutschland* nicht - obwohl der Europarat bereits vor sechs Jahren alle europäischen Mitgliedsstaaten dazu aufgefordert hatte, ein entsprechend vereinfachtes Verfahren zur Namensänderung einzuführen. Das Transsexuellengesetz durch ein Selbstbestimmungsgesetz abzulösen, habe die große Koalition nach Meinung von Ganserer jedoch in ihren zehn Jahren an der Spitze nicht geschafft.

Tessa Ganserers Anwältin Laura Adamietz reichte nun beim Nürnberger Amtsgericht einen Antrag ein, der der Politikerin dazu verhelfen soll, ihren Namen und Personenstand ohne die „Zwangsbegutachtung“ ändern zu können. Eine Entscheidung des Gerichts gibt es noch nicht und kommt wahrscheinlich auch nicht mehr rechtzeitig. Bereits am heutigen Freitag (30. Juli) bestimmt der Landeswahlleiter, was auf dem Wahlzettel zu lesen sein wird. Sollte der Wahlausschuss zustimmen, wird Tessa Ganserer mit ihrem männlichen Namen aufgeführt und ihr jetziger Name nur in Klammern dahinter stehen. (ly) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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