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Aktueller Regen in Bayern bringt Böden keine Erholung – Hydrologe fürchtet, dass es in Zukunft schlimmer wird

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Von: Anna Lorenz

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Die vergangene Woche brachte Herbstwetter nach Bayern, in vielen Teilen des Freistaats regnet es auch in den kommenden Tagen weiter. Die Trockenheit der Böden in Wald und Flur wird das aber kaum besiegen.

Nürnberg – Es regnet in weiten Teilen Bayerns, auch auf dem Münchner Oktoberfest müssen sich Besucher mit dem nass-kalten Grau anfreunden. Die Böden, die die Hitze im diesjährigen Sommer stark in Mitleidenschaft gezogen hat, werden wieder feuchter – von einer Erholung des Erdreichs kann allerdings keine Rede sein.

Regen in Bayern: Entspannung für obere Erdschichten – Doch Nürnberger Hydrologe warnt vor Kurzsichtigkeit

Zumindest die obersten 30 Zentimeter des Bodens sind der Einschätzung eines Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zufolge dank der ergiebigen Niederschläge der vergangenen Wochen wieder mit Wasser aufgefüllt. „Schön, dass es endlich mal Niederschlag gibt“, meint dazu der Hydrogeologe Johannes Barth von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Ernüchternderweise ist die Durchfeuchtung der oberen Erdschichten allerdings der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein, denn laut Barth reiche diese „einfach nicht aus, um auch tieferliegende Bodenschichten und das Grundwasser nachhaltig wieder aufzufüllen.“ Die Förderung von Grundwasser durch Mineralwasserunternehmen, wie sie auch in Bayern betrieben wird, intensiviert diese Problematik noch.

Wie der DWD ergänzt, würde „aufgrund der momentanen Wettersituation mit abnehmenden Temperaturen und zusätzlichen Niederschlägen“ wenig Wasser verdunsten, sodass die Vorräte im Boden weiter aufgefüllt werden könnten. Dem steht Barth jedoch kritisch gegenüber, da man in puncto Bodendurchfeuchtung tiefer blicken und längere Zeiträume in Betracht ziehen müsse. In größeren Tiefen sei die Dürre, die insbesondere durch die extreme Hitze im Sommer 2022 in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit rückte, noch lange nicht vorbei – „und dies seit Jahren nicht“, so der Hydrogeologe.

Nürnberger Hydrologe zur Bodentrockenheit: Wichtig sei vor allem der „richtige“ Regen

Entscheidend sei laut Barth nämlich nicht nur das Regenvolumen; es müsse auch der „richtige“ Regen fallen, sagte der Leiter des Lehrstuhls für angewandte Geologie. Während ein ausgetrockneter Boden nämlich einzelne Starkregenfälle oftmals nicht absorbieren kann, würde dauerhafter, leichter Regen die derzeit nahezu wasserabweisenden Böden wieder aufnahmefähig machen.

Eine Pflanze steckt in trockenem Boden. Dieser nimmt vorhandene Nässe nicht wirklich auf.
Trocken trotz Regen: Die Böden sind gegenwärtig nahezu wasserabweisend. (Symbolbild) © IMAGO / HMB-Media / Heiko Becker

„Das heißt, wir bräuchten wochenlang Nieselregen oder im Winter endlich wieder mal eine Schneebedeckung mit anschließender Schmelze. Dadurch kann das Wasser viel effizienter und langsam in den Boden eindringen und auch tiefer gelangen.“ Der Hintergrund: Trockene Böden können wasserabweisend wirken und dann Wasser gar nicht oder nur mehr sehr schlecht aufnehmen. Entsprechend wäre durchgehender leichter Regen besser, um der Bodentrockenheit entgegenzuwirken - im Gegensatz zu einzelnen Starkregenereignisse.

Nach Hitzesommer und Regenherbst: Muss sich Bayern künftig auf andere Wetterverhältnisse einstellen?

Die, durch den Klimawandel bedingte Änderung der Wetterverhältnisse könne man laut Barth „schon als eine Vorwarnung sehen“. Die „Trockenheit und Wetterextreme sind auch dieses Jahr zum Beispiel in großen Teilen Südeuropas ein noch drängenderes Problem“ betont der Hydrogeologe und empfiehlt, sich auf zukünftig trockenere Böden vorzubereiten. Im Zuge dessen könne man von anderen Ländern lernen – zum Beispiel Israel. Dort werde unter anderem die Tröpfchenbewässerung sehr effizient in der Landwirtschaft eingesetzt. Privatpersonen können im Übrigen überlegen, ihre Gärten bewusst klimaresistent zu gestalten.

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