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Nürnberger „Geheimdienst-Villa“ findet keinen Käufer – „Kann man sich nicht vorstellen“

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Von: Nikolas Pelke

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BND-Villa Nürnberg
Sven Heublein schaut über die hohe Mauer der ehemaligen BND-Villa in Nürnberg. © Nikolas Pelke

Die ehemalige „BND-Villa“ im Nürnberger Stadtteil St. Johannis findet seit einem Jahr keinen Käufer. Der Bürgerverein befürchtet weiteren Leerstand und drohenden Verfall des historischen Prachtbaus mit der schillernden Vergangenheit.

Nürnberg – Selbst edle Villen in bester Lager und mit großer Vergangenheit gehen offensichtlich auch nicht mehr weg wie warme Semmeln. Schon seit genau einem Jahr versucht die Bundesrepublik die ehemalige „BND-Villa“ im Nürnberger Vorzeigestadtteil St. Johannis zu verkaufen.

„Ich finde es schon arg ärgerlich, dass sich das so zieht“, sagt Sven Heublein, der mittlerweile den Vorsitz im Bürgerverein wieder abgegeben hat. Die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) teilt auf Anfrage mit, dass die ehemalige „Hauptstelle für Befragungswesen“ auch nach zwölf Monaten auf dem Markt immer noch zu haben sei.

BND-Villa in Nürnberg: Mega-Wohnfläche mit Freitreppe in den großen Garten - Drei Millionen Schätzpreis

Laut Exposé verfügt die Villa über 1750 Quadratmeter Wohnfläche, drei Balkone sowie eine Terrasse mit opulenter Freitreppe in den Garten des knapp 1500 Quadratmeter großen Grundstücks. Vor dem Hintergrund dieser verlockenden Aussichten seien bei der Bonner Behörden in den letzten zwölf Monaten zwar „eine Vielzahl an Kaufangeboten“ eingegangen. Der Gang zum Notar ist bislang aber offensichtlich noch nicht erfolgt. Billig wird‘s allerdings nicht für einen theoretischen Käufer. Heublin schätzt den Kaufpreis auf drei Millionen Euro und nochmals drei Millionen Renovierungskosten.

BND-Villa Nürnberg
Das Angebot klingt durchaus verlockend: 1750 Quadratmeter Wohnfläche, drei Balkone und eine Terrasse mit opulenter Freitreppe in den großen Garten. © Nikolas Pelke

Immerhin sei die Villa auf „großes Interesse auf dem Immobilienmarkt“ gestoßen. „Im Rahmen der Verhandlungen hat sich jedoch gezeigt, dass nicht alle abgegebenen Angebote belastbar waren und sich der Verkauf daher zeitaufwändiger und schwieriger gestaltet, als dies aufgrund der großen Nachfrage zunächst zu vermuten war.“

Eine andere Villa in Nürnberg beherbergt inzwischen Kunst. Das „Villibald“ soll als Anlaufstelle für Kunst- und Kulturliebhaber dienen.

Verkaufsverhandlungen dauern laut BImA noch an

Derweil ist die Immobilienanzeige mit dem Exposé von der Homepage der Bundesbehörde verschwunden. Gestoppt worden ist der Verkauf aber offensichtlich nicht. „Die Verkaufsverhandlungen dauern aktuell noch an“, teilt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben auf Anfrage weiter mit. An der Höhe des Kaufpreises scheinen die schleppenden Verhandlungen grundsätzlich nicht zu liegen. Für das ehrwürdige Anwesen hat die Behörde kein Mindestgebot gesetzt.

Sven Heublein befürchtet dennoch, dass sich der Verkaufsprozess weiter in die Länge ziehen und die Villa weiter verfallen könnte. „Kann man sich ja gar nicht vorstellen! Und wieder ist ein ganzes Jahr ins Land gegangen und nichts ist passiert“, ärgert sich Heublein und erinnert daran, dass die Villa schon seit über zehn Jahren praktisch nicht mehr genutzt werde. Offiziell wurde das Amt für Befragungswesen im Sommer 2014 geschlossen. Zuvor sollen dort sensible Informationen von Asylbewerbern aus Ländern wie Afghanistan, Syrien oder Somalia von Agenten „abgeschöpft“ worden seien.

BND-Villa Nürnberg
Hinter den Jalousien der Nürnberger Villa soll „Curveball“ von rollenden Waffenlaboren im Irak unter Saddam Hussein berichtet haben. © Nikolas Pelke

Ein gewisser „Curveball“ soll in der Villa über rollende Waffenlabore im Irak schwadroniert haben. Der gewaltsame Sturz von Saddam Hussein ist mittlerweile längst Geschichte. Offiziell soll das Amt freilich immer abgestritten haben, mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) überhaupt etwas zu tun zu haben. 2014 habe Sven Heublein zum ersten Mal von der kuriosen Story rund um die Spionage-Villa vor seiner Haustür in Johannis gehört. In all den Jahren habe sich immer weniger rund um das herrschaftliche Anwesen getan. Nur die Rollläden seien automatisch ab und zu hoch und runtergefahren worden. Daher hat Heublein mit seinem Bürgerverein versucht, die Rettung der Villa anzustoßen.

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„Kann ja wohl nicht sein, dass tolle Villa unnütz verfällt“

„Es kann ja wohl nicht sein, dass eine solche tolle Villa hier einfach völlig ungenutzt verfällt und leer steht“, hat sich Heublein gesagt. Er unterbreitete seinerzeit der Stadt, noch als Vorsitzender des Bürgervereins in St. Johannis, den Vorschlag, das Anwesen vom Bund zu erwerben und etwas daraus zu machen. Doch die Stadt habe schnell abgewunken und auf die knappen Kassen und hohen Kosten der denkmalgeschützten Immobilie verwiesen, die 1912 der jüdische Fabrikant Angelo Hirsch von einem renommierten Nürnberger Architekten inklusive Wappentier aus Stein über dem Hauptportal errichten ließ.

BND-Villa Nürnberg
Imposanter Hirsch aus Stein über dem Villen-Eingang. © Nikolas Pelke

Nach dem Ersten Weltkrieg sollen die Hirschs ihr Glück in New York gesucht und die mondäne Villa in St. Johannis nur noch als Sommerresidenz genutzt haben. Später ist eine Pension in den Prachtbau eingezogen, in der NS-Granden während der Reichsparteitage standesgemäß logiert haben. Der Name von Angelo Hirsch ist in der brauen Ära übrigens aus dem Relief gemeißelt worden. Gegen den Hirschen über der Eingangstür haben die Nazis offensichtlich nichts gehabt.

Villen-Mauer mit Netz gesichert

Später nach dem Krieg sind erst die amerikanischen und danach die deutschen Schlapphüte in die prächtige Villa eingezogen, die auf den ersten Blick noch immer einen tadellosen Eindruck macht. Lediglich die Mauer rund um die Villa scheint einsturzgefährdet zu sein und ist zuletzt mit einem grünen Netz zum Schutz der Passanten vor herabfallenden Steinen abgesichert worden.

BND-Villa Nürnberg
Sven Heublein vor der verrammelten BND-Villa im Nürnberger Vorzeigestadtteil St. Johannis. © Nikolas Pelke

Damit der Prachtbau nicht weiter verfällt, hat der Bürgerverein über die Politik seinerzeit versucht, Druck auf die Bundesbehörde zu machen. Dafür hatte Heublein den Nürnberger CSU-Bundestagsabgeordneten Sebastian Brehm mit ins Rettungsboot geholt, um die Behörde in Bonn auf die leerstehende Villa in Franken aufmerksam zu machen.

Ganz billig dürfte das Anwesen trotz zäher Verkaufsverhandlungen heute freilich immer noch nicht zu haben sein. „Drei Millionen für die Villa, drei Millionen für die Renovierung“, schätzt Heublein die Kosten ein. Weil der Kontostand der klammen Frankenmetropole im letzten Jahr noch weiter in den Keller gesunken ist, macht sich Heublein keine Hoffnung auf eine Nutzung als städtische Bürgervilla. Stattdessen dürften die meisten Nürnberger genauso wie Heublein darauf hoffen, dass zumindest der lange Leerstand dieses Prachtbaus in Bestlage bald der Vergangenheit angehört.

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