Gift in der Klinik

Nuklearer Anschlag im Krankenhaus?

Prien - Aus einer Krankenhaus-Abteilung verschwinden radioaktive Medikamente und eine Mitarbeiterin findet Gift in ihrem Saft: Was nach einem Krimi klingt, passierte tatsächlich in einer Klinik am Chiemsee.

Die Geschichte klingt wie ein Agenten-Krimi aus den 70ern, spielte sich aber tatsächlich in der Romed-Klinik in Prien am Chiemsee ab. Eine Mitarbeiterin aus dem Labor der Nuklearmedizin, einem mit Sicherheitstüren und -schlössern hochgesicherten Bereich des Krankenhauses, stellte gestern Vormittag in ihrer Fruchtsaftflasche ein radioaktives und potenziell tödliches Medikament fest. Sie meldete dies sofort der Klinikleitung, die daraufhin die Polizei einschaltete. Und die rückte an – samt Feuerwehr und Gefahrguttrupp.

Polizei und Klinik betonten gestern Nachmittag, dass zu keiner Zeit eine Gefahr für Patienten und Besucher bestanden habe. Sämtliche Messungen im Klinikbereich hätten keine gefährliche Strahlenbelastung ergeben. Alle anderen offenen Fragen beantworteten sie unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht.

Nach Informationen des Oberbayerischen Volksblatts verschwanden aus der Klinik in letzter Zeit bereits mehrfach Medikamente. Zuletzt fiel auf, dass ein sogenanntes Nukleid, ein schwach radioaktives, geruch- und geschmackloses flüssiges Medikament, das zu diagnostischen Maßnahmen verwendet wird, fehlte. Metastasen an Skeletten, Knoten an der Schilddrüse oder Vernarbungen am Herzen lassen sich dadurch feststellen. Zugriff auf dieses Medikament haben nur die Mitarbeiter der Abteilung. Der Medikamentenschwund soll zwar bemerkt, aber nur intern untersucht worden sein. Ob und inwieweit nun die Kollegin, in deren Saft plötzlich eine hohe Dosis des Nukleids auftauchte, von den Diebstählen wusste, und wie sie das Gift überhaupt bemerkt hat, ist das große Rätsel in diesem Fall. Wollte sie möglicherweise kriminelle Machenschaften aufdecken oder publik machen? Unklar ist bislang auch, ob und wenn ja wie oft der Frau das strahlende Medikament bereits verabreicht wurde – und ob sie dadurch geschädigt wurde.

Die Polizei erklärte zu dem Fall gestern nur, dass „die Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Traunstein, Zweigstelle Rosenheim, die Ermittlungen übernommen hat“. Weiter heißt es, dass die Behörden dabei in engem Kontakt mit der Klinikleitung stehen.

Ob der „Vorfall“, wie ihn die Polizei nennt, in Zusammenhang mit zwei Einbrüchen in das Priener Krankenhaus steht, die sich vor vier beziehungsweise acht Wochen ereignet haben sollen, ist derzeit ebenfalls nicht bekannt. „Um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden“ seien die Einbrüche damals nicht öffentlich gemacht worden, so die Polizei gestern. Allerdings sei von den Einbrüchen nur der OP-Bereich betroffen gewesen. Klinikchef Prof. Dr. Christoph von Ritter war gestern für eine Stellungnahme zu den Vorgängen in seinem Krankenhaus nicht zu erreichen.

Stefanie Zipfer

Rubriklistenbild: © dpa

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