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Feuerwehren

112 – die Nummer gegen jeden Kummer

München - Grundsätzlich hilft die Feuerwehr gerne. Doch nicht immer ist eine Katze auf dem Baum oder ein vollgelaufener Sickerschacht Grund genug, die Notrufnummer 112 zu wählen, schimpft mancher Kommandant. Ein Plädoyer für mehr Selbsthilfe.

Uli Proske glaubte sich im falschen Film. Doch die Szene am Ebersberger Marienplatz gehörte ins wahre Leben und Proske, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ebersberg, war mittendrin: Auf einem Baum saß eine Katze, die nicht mehr herunter wollte. Drumherum rund zehn Menschen, alle stierten hinauf – und wussten sich nicht anders zu helfen, als die Feuerwehr zu rufen. Just als einer zum Handy griff, um die 112 zu wählen, kam Proske aus dem gegenüberliegenden Rathaus. Er fragte beim Metzger nebenan nach einer Leiter. Zwei Minuten später war die Katze gerettet. Und Proske? Der hatte „die Schnauze voll“. Denn immer mehr Bürger, so sein Eindruck, rufen die Feuerwehr, obwohl sie sich mit einfachen Mitteln selbst helfen könnten.

Auch andere ärgern sich über die Erwartungshaltung vieler Menschen. „Die Bürger sind heute oft nicht mehr so selbsthilfefähig wie früher“, formuliert es Konrad Bischel, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Weilheim. Markus Reichart, Kreisbrandrat für den Landkreis Starnberg, beobachtet einen „gewissen Trend, in der Feuerwehr einen besseren Hausmeisterservice zu sehen“. Es steht außer Frage: Die Feuerwehr hilft, wenn sie gebraucht wird. Doch manchmal würden sich die Einsatzkräfte „mehr Eigeninitiative“ wünschen, und dass „die Probleme nicht auf uns abgewälzt werden“, sagt Proske.

Nicht in allen Teilen Bayerns klagen die Feuerwehren. Die Berufsfeuerwehr München und die freiwilligen Wehren im Münchner Landkreis etwa verzeichnen heute nicht mehr Einsätze wegen Bienen, kletterfreudigen Katzen und defekten Waschmaschinen, als noch vor ein paar Jahren. Unterschiede mag es auch deshalb geben, weil einige Leitstellen gezielt versuchen, nicht aus jedem aufgeregten Anruf einen Großeinsatz werden zu lassen. „Bei Wespen verweisen wir aus Artenschutzgründen immer an die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt. Bei Bienen versuchen wir einen Imker zu vermitteln. Nur wenn eine Drehleiter notwendig ist, wird die Feuerwehr vor Ort alarmiert“, erklärt Eric Bayer, stellvertretender Leiter der Feuerwehreinsatzzentrale im Landkreis München. Und im Fall der Katze auf dem Baum? „Abwägungssache.“

Abwägen muss der Disponent, der den Notruf entgegennimmt. Keine leichte Aufgabe. „Teilweise übertreiben die Anrufer dermaßen“, sagt Proske. Dann kommt es zu Einsätzen wie kürzlich in Weilheim. „In der Meldung war von einem riesigen Bienennest am Küchenfenster die Rede. In Wahrheit waren die Bienen drei Meter entfernt in einer Hecke“, erzählt Bischel. Proske und seine Kollegen mussten vergangenen Freitag nachts um zwölf ausrücken, um eine Katze vom Baum zu holen. „Bis ich ins Bett kam, war es drei Uhr. Um sechs hat der Wecker wieder geklingelt“, sagt Proske.

So etwas nervt. Anders als bei den Berufsfeuerwehren arbeiten die Mitglieder der Freiwilligen Wehren ehrenamtlich – nachts, am Wochenende, wenn eigentlich Zeit für die Familie wäre, und tagsüber, wenn sie am Arbeitsplatz sein sollten. „Viele wissen oder bedenken das nicht, wenn sie uns rufen“, glaubt Markus Reichart. Immer wieder versucht der Kreisbrandrat, das ins Bewusstsein zu rücken, etwa, indem er bei Festen den Arbeitgebern öffentlich dankt.

Die Klage ist verbunden mit einem Appell an den gesunden Menschenverstand. Mit der Bitte, selbst abzuwägen, wie dringend Hilfe gerade nötig ist. Wer oft Wasser im Sickerschacht hat, sei mit einer Pumpe gut beraten, und wenige Zentimeter Wasser im Keller lassen sich auch mit Putzlumpen und Eimer beseitigen, sind sich die Feuerwehrler einig. Bei Insekten helfen Imker und Schädlingsbekämpfer. Der Katze genüge meist ein Brett oder eine Leiter. Wer nichts zur Hand hat, fragt nebenan. Denn das, sagt Proske, hat noch einen positiven Nebeneffekt: „So kommt man auch mit dem Nachbarn wieder einmal ins Gespräch".

von Marie-Christine Fischer

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