Kritik des Gewerkschaftsbunds 

Nur noch 53 Prozent mit Tarifvertrag: „Gesellschaftlicher Skandal“ 

München - „Permanente Verstöße gegen die Verfassung“ hat BGB-Landeschef Matthias Jena ausgemacht. Er kritisiert Arbeitgeber, die Tarifverträge umgehen.

Der Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Matthias Jena, hat eine zunehmende Tarifflucht von Arbeitgebern beklagt. „In Bayern arbeiten mittlerweile nur noch 53 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb mit Tarifvertrag. Dies ist ein gesellschaftlicher Skandal, der auf viel zu wenig Empörung stößt“, erklärte Jena am Mittwoch anlässlich einer Feier zum 70. Gründungstag des Bayerischen Gewerkschaftsbundes.

Die Tarifbindung sei eine zentrale Größe der sozialen Marktwirtschaft. „Als Gewerkschafter werden wir es nicht zulassen, dass sich die Arbeitgeber ihren Manchester-Kapitalismus zurückholen“, sagte Jena. Er forderte auch gegen Arbeitgeber vorzugehen, die die Arbeit von Betriebsräten und Gewerkschaften behindern. Das widerspreche dem Grundgesetz: „Die permanenten Verstöße gegen die Verfassung müssen endlich entsprechend bestraft werden.“

Der Bayerische Gewerkschaftsbund war auf einem dreitägigen Kongress ab 27. März 1947 in München gegründet worden und im Oktober 1949 im Deutschen Gewerkschaftsbund aufgegangen. Eine Lehre aus der Weimarer Republik und der NS-Zeit sei die Schaffung von Einheitsgewerkschaften gewesen: „religiös neutral und parteipolitisch unabhängig.“ Erkämpft habe die Gewerkschaftsbewegung seither Kündigungsschutz, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Mitbestimmung in den Betrieben, Verkürzung der Arbeitszeiten, Tariferhöhungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und den gesetzlichen Mindestlohn.

dpa/lby

Rubriklistenbild: © dpa

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