Einen ganzen Keller voller Spenden hat Sabine Dindas (43) aus Fürstenfeldbruck.
+
Einen ganzen Keller voller Spenden hat Sabine Dindas (43) aus Fürstenfeldbruck.

Sie hat den Keller voller Spenden

Die Retterin der Münchner Obdachlosen: „Sie sind Menschen wie du und ich“

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
    schließen

Die Fürstenfeldbruckerin Sabine Dindas will den Obdachlosen in München helfen und fährt mit einem Team alle zwei Wochen Spenden für Menschen ohne Zuhause aus.

  • Sabine Dindas setzt sich seit mehreren Jahren für Obdachlose ein.
  • Seit zwei Monaten fährt sie zusammen mit 20 Helfern Spenden an Menschen, die auf der Straße leben aus.
  • Ihr größter Traum ist es, Vollzeit mit den Obdachlosen zu arbeiten.

Fürstenfeldbruck – Er ist drei Uhr morgens. Das Autothermometer zeigt null Grad an, während Sabine Dindas die fast menschenleere Leopoldstraße entlangfährt. Ganz verlassen ist die Boulevardstraße in Schwabing nie – die Scheinwerfer des Opel Corsas lassen dunkle Gestalten in Decken und Schlafsäcken eingehüllt an den Hausmauern für einen Augenblick erleuchten. Gerade hat Dindas ihre Obdachlosen-Tour durch München beendet und ist auf dem Heimweg nach Fürstenfeldbruck – noch ein paar Stunden, dann klingelt ihr Wecker wieder. Trotzdem ist Dindas glücklich. Sie fährt mit leeren Kofferraum zurück. „Wir sind fast alles losgeworden“, berichtet sie im Nachhinein stolz über ihre letzte Rundfahrt Anfang Dezember. Zusammen mit 20 Engagierten war sie über acht Stunden unterwegs und hat Schlafsäcke, Thermoskannen, Lebensmittel und warme Winterjacken an Obdachlose in München verteilt. Dinge, die vor allem jetzt in den kalten Monaten dringend auf der Straße gebraucht werden.

„Ich habe schon früh gemerkt, dass Obdachlose Menschen sind wie du und ich, die durch blöde Schicksalsschläge auf der Straße gelandet sind.

Sabine Dindas

Vor acht Wochen hat die 43-Jährige mit den regelmäßigen Touren angefangen. Wittelsbacher Brücke, Sendlinger Tor, Busbahnhof und die Leopoldstraße sind ihre Anlaufstellen – hier leben die meisten Obdachlosen. „Seit Jahrzehnten bin ich schon privat in die Sonnenstraße gefahren und habe Kältedecken verteilt“, sagt Dindas. „Ich habe schon früh gemerkt, dass Obdachlose Menschen sind wie du und ich, die durch blöde Schicksalsschläge auf der Straße gelandet sind.“ Der Unterschied zu ihren jetzigen Fahrten: Sie ist nicht allein. Über Social Media, ihre Webseite und Mundpropaganda haben sich schnell Helfer gefunden. „Alle die zum ersten Mal mit mir auf Tour waren, hatten zuerst Berührungsängste“, sagt Dindas. „Als sie aber gemerkt haben, dass die Leute so herzlich sind, sind sie beim nächsten Mal sogar selbst losgefahren.“ Mittlerweile sind bei jeder Rundfahrt zehn Autos dabei – Tendenz steigend.

100 bis 200 Obdachlose erreicht Dindas jedes Mal - rund 9000 gibt es offiziell in München

Neben den Fahrern bekommt Dindas auch Unterstützung von Spendern. „Wir haben Keller voll mit Sachspenden“, sagt sie. „Vor Kurzem habt ein Architektenbüro 60 neue Schlafsäcke vorbeigebracht.“ Am Nachmittag vor der Tour beladen die Helfer ihre Autos mit den Spenden. „Wir achten darauf, dass die Wagen ungefähr gleich bestückt sind.“ Jedes Helferpaar ist für einen Stadtteil verantwortlich, damit so viele Obdachlose wie möglich erreicht werden können. 100 bis 200 Hilfsbedürftige treffen Dindas und ihr Team auf der Tour.

Obdachloser Müllmann Max findet neue Wohnung - dann folgt eine rührselige Überraschung.

Trolley statt Plastiktüten: Münchner Obdachlose freuen sich nicht nur über Isomatten, sondern auch Koffer

Neben Isomatten, Schlafsäcke und dicken Jacken sind vor allem Trolleys beliebt. Oft haben die Menschen ihr gesamtes Hab und Gut nur notdürftig in Plastiktaschen verstaut. „Eine Frau hat 20 Tüten geschleppt und ist davon schon total bucklig gelaufen. Daran sieht man, wie schlimm die Zustände sind. Die Leute sind am Limit.“

Little Houses - für Dindas der erster Schritt aus der Obdachlosigkeit

Doch ohne Arbeit oder festen Wohnsitz ist es schwer aus der Obdachlosigkeit rauszukommen. Eine Möglichkeit von der Straße weg – für Dindas die Little Houses. Drei Quadratmeter große Häuschen mit Campingtoilette, Kochnische und einem Tag Aufbauzeit. „In Köln gibt es das Projekt schon.“ 70 bis 80 Prozent der Little-House-Bewohner haben den Weg zurück ins Leben geschafft. „Eine phänomenale Quote“, sagt die 43-Jährige. Das will sie auch in München erreichen, doch die Stellplätze fehlen. „Die Stadt spielt nicht mit, deshalb brauchen wir die Hilfe von Privatleuten.“ Nicht nur in München bemüht Dindas sich um Grund für die Häuschen, auch in ihrem Heimatort Fürstenfeldbruck sucht sie dringend einen Stellplatz – für einen Obdachlosen, der ihr ganz besonders am Herzen liegt.

Obdachlos trotz fester Beschäftigung – auch das gibt es im reichen München. Der 48-jährige Thomas Moses meistert dieses Schicksal seit zwei Jahren. Er schläft in einer Fußgängerunterführung. Ein Besuch.

Man kann diese Leute nicht einfach da liegen lassen.

Sabine Dindas

Seit ein paar Wochen kümmert sich Dindas um den 45-jährigen Andi, der auf einer Parkbank im Wald lebt. „Man kann diese Leute nicht einfach da liegen lassen.“ Zwei Mal pro Tag bringt sie ihm etwas zu Essen. Alles aus eigener Tasche und neben ihrer Arbeit als Assistenz der Geschäftsleitung. „Ich habe derzeit einen 16-Stunden-Tag.“ Trotzdem hat sie noch Zeit, sich um ihren fünfjährigen autistischen Sohn zu kümmern. „Wie ich das momentan schaffe, weiß ich selbst nicht“, sagt sie.

Dindas will Obdachlosen helfen - Projekt Peter soll Verein werden

Gerade organisiert Sabine Dindas, dass ihr Projekt als Verein eingetragen wird. Dann kann sie nicht nur Sachspenden, sondern auch Geld annehmen. „Noch zahlen wir alles selbst, Benzin, belegte Brote, Getränke.“ Aktuell ist Dindas Traum, sich Vollzeit um die Obdachlosen zu kümmern, finanziellen nicht möglich. Doch sie hofft weiter bald jede Nacht mit einem leeren Kofferraum und einem Lächeln im Gesicht die Leopoldstraße entlangfahren zu können.

Weitere Infos zum Projekt:

Das Projekt ist auf Facebook unter dem Namen „Projekt Peter Hilfe für Obdachlose“ oder auf der Webseite www.projekt-peter-obdachlosenhilfe.webador.de zu erreichen.

Kommentare