Eröffnung der Oberammergauer Passionsspiele

Oberammergau - Nach über einjähriger Vorbereitung beginnen an diesem Samstag in Oberammergau die weltberühmten Passionsspiele. Insgesamt werden mehr als ein halbe Million Zuschauer erwartet.

Seit fast 400 Jahren führen die Bewohner des Gebirgsdorfes regelmäßig ein “Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus“ auf. Dies hatten sie im Jahr 1633 versprochen, wenn ihr Dorf fortan von der Pest verschont würde. Der Überlieferung nach starb von da an tatsächlich kein Einheimischer mehr an der schlimmen Seuche.

Alle zehn Jahre werden die Spiele aufgeführt. In diesem Jahr macht den Darstellern, die alle aus dem 5000-Seelen-Dorf kommen, vor allem die Kälte zu schaffen. Zwar gibt es über der Freilichtbühne des Passionstheaters erstmals ein ausfahrbares transparentes Dach - kalt wird es dort trotzdem.

Christus zum ersten Mal aktiv handelnde Person

Auch die rund 5000 Zuschauer - insgesamt werden zu den mehr als 100 Aufführungen rund eine halbe Million Besucher erwartet - müssen sich bei der Premiere vor der Kälte schützen. In diesem Jahr beginnen die Spiele zum ersten Mal erst am Nachmittag und ziehen sich bis in die Nacht.

Regisseur Christian Stückl, der die Spiele nach 1990 und 2000 in diesem Jahr zum dritten Mal leitet, will die Hauptfigur des Christus nicht als passiven und leidenden Menschen darstellen, sondern als aktiv handelnde Person, die ihr Leben voll auf Gott ausrichtet.

Überarbeiteter Text und neue Aufführungszeit

Bei der Premiere steht Frederik Mayet als Jesus auf der Bühne. Als Judas ist Carsten Lück zu sehen und als Maria Magdalena Eva-Maria Reiser. Ursula Burkhart spielt am Premierenabend Maria, die Mutter Jesu. Das Los entschied über die Premierenbesetzung. Die gleichberechtigte weitere Besetzung mit Andreas Richter in der Hauptrolle wird dafür die Abschlussvorstellung übernehmen.

Stückl hat nach eigenen Angaben so viel verändert wie noch nie. Dies umfasst nicht nur die neue Aufführungszeit. Vor allem der Text sei überarbeitet worden. “Der ständige Wandel war eigentlich immer Teil der Passionsspiel-Tradition“, betont Stückl. “Als die Spiele zum Wirtschaftsfaktor wurden, kehrte dann Angst vor Veränderung ein.“

dpa

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