Notunterkünfte in Schulturnhallen

Oberbayern kämpft mit Flüchtlingsstrom

München - Oberbayerns Kommunen versuchen, des Flüchtlingsstroms Herr zu werden. Turnhallen werden zu Schlafsälen und Container zu Notunterkünften. Die Probleme sind überall groß.

Derzeit werden 2800 Asylbewerber in oberbayerischen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, weitere 6500 leben in dezentralen, kleineren Unterkünften. Aber der Zustrom reißt nicht ab – viele Gemeinden und Landkreise kommen an Kapazitätsgrenzen. Notlösungen sind gefragt. Ein Überblick über die Quartiere vor Ort. Hier landen die Flüchtlinge nach einigen Wochen, sobald sie eine Erstaufnahmestelle durchlaufen haben und ihr Asylverfahren läuft.

Holzkirchen: In Holzkirchen im Kreis Miesbach wurde am Ortsrand ein kleines Wohncontainerdorf errichtet für 49 Flüchtlinge. Der Grund gehört der Marktgemeinde. Die Container sind noch leer, die Erstbeschickung ist Mitte September geplant. Offizieller Bauherr ist wie überall der Landkreis. Vor Ort steht schon ein etwa 50-köpfiger Ehrenamtlichen-Rat bereit, um sich um die Asylbewerber zu kümmern.

Grafing: Zehn Asylbewerber sind seit kurzem in Wohn-Containern am Grafinger Gymnasium untergebracht. Hier ist Platz für weitere 20 Menschen in Not. Die Unterbringung, heißt es aus dem Landratsamt, sei vorerst nur für die Zeit der Sommerferien gedacht.

München: Rund 1000 Asylbewerber wohnen derzeit in zehn Gemeinschaftsunterkünften. Drei weitere Häuser mit insgesamt 750 Plätzen sollen im Dezember eröffnen. Zudem prüft die Stadt 70 weitere Flächen und Gebäude, auch staatliche Kasernengelände. Gibt es nicht mehr genug leerstehende, sanierungsfähige Gebäude, überlegt man, Modulbauten aufzustellen.

Fürstenfeldbruck: Rund 400 Asylbewerber leben im Landkreis Fürstenfeldbruck. Einige weitere Unterkünfte sind in Aussicht, sie werden aber kaum reichen, um dem Andrang gerecht zu werden. Der Landrat hat die Bundeswehr um Hilfe gebeten: In einem Amtshilfegesuch fragt er die Luftwaffe, ob sie im noch militärisch genutzten Teil des Brucker Fliegerhorsts Asylbewerber unterbringen darf. Diese Anfrage wird von der Bundeswehr gerade geprüft.

Erding: Am Korbinian-Aigner-Gymnasium in Erding werden die früheren Klassencontainer von Asylbewerbern belegt – seit rund einem Jahr. Anfangs gab es Annäherungsschwierigkeiten, mittlerweile lädt die Schule die Flüchtlinge zu Veranstaltungen wie dem Sommerfest ein. Das Landratsamt Erding will die Umnutzung von Turnhallen unter allen Umständen verhindern

Unterschleißheim: Seit heute bringt das Landratsamt München rund 40 männliche Asylbewerber in der kreiseigenen Turnhalle der Rupert-Egenberger-Schule in Unterschleißheim unter. Der Hallenboden wurde mit Teppich ausgelegt, es wurden Betten und Spinde aufgestellt. Am Ende der Sommerferien sollen die Asylbewerber spätestens wieder ausziehen.

Penzberg: Die Stadt Penzberg hat dem Landratsamt drei städtische Flächen für eine Unterkunft angeboten: einen provisorischen Lehrer-Parkplatz, der Bereich der ehemaligen Obdachlosen-Unterkünfte nahe dem Jugendzentrum und ein Parkplatz am Freizeitgelände Berghalde. Erwartet wird, dass Penzberg mindestens 50 Asylbewerber zugewiesen bekommt (bisher leben in Penzberg noch keine Asylbewerber). Im Rathaus heißt es aber, dass es auch 75 werden könnten.

Weilheim: Im vergangenen Sommer wurden während der großen Ferien 43 Asylbewerber in der Berufsschulturnhalle in Weilheim einquartiert. Die Asylbewerber blieben dort länger als geplant, erst Ende Oktober konnten sie in ein Containerdorf im Gewerbegebiet „Paradeis“ umziehen. Es bietet rund 40 Menschen Platz. Insgesamt leben in der Stadt weit über 100 Asylbewerber.

Indersdorf: 23 afrikanische Flüchtlinge leben seit vergangenem September in der Indersdorfer Tennishalle (Kreis Dachau). Das Landratsamt richtete diese Notunterkunft ein, weil keine anderen Gebäude zu finden waren. Geplant war, möglichst schnell Wohncontainer für rund 50 Flüchtlinge aufzustellen. Doch bisher ist nichts passiert. Der Landkreis hoffte, die Regierung von Oberbayern würde den Bau übernehmen. Nun steht fest: Der Landkreis muss den Bau vorfinanzieren. Bis dahin müssen Flüchtlinge weiter in der Tennishalle ausharren. Auch Landrat Stefan Löwl weiß: „Die Zustände dort sind nicht tragbar.“

Rosenheim: Devise in der Stadt und im Landkreis Rosenheim war bisher: dezentrale Unterbringung. Die Stadt Rosenheim muss diesen Weg verlassen und wird wegen des „praktisch leergefegten Wohnungsmarktes“ im Stadtgebiet eine Container-Wohnanlage errichten. Der Rosenheimer Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl spricht von einer „fehlgesteuerten Zuweisungspolitik der Regierung“. Am Dienstag wurden allein aus dem Eurocity von Verona nach München 75 illegal eingereiste Afrikaner in Rosenheim aus dem Zug geholt. Wieder mal musste die Turnhalle der Bundespolizeiinspektion Rosenheim als vorübergehender Unterbringungsort dienen.

Murnau: Die Marktgemeinde im Kreis Garmisch-Partenkirchen hat sich bereit erklärt, Asylbewerber aufzunehmen. Die Rede ist von 20 Flüchtlingen, die im Herbst oder Winter erwartet werden. Geplant ist, ein Containerdorf auf dem Volksfestplatz zu errichten. Doch es gibt bereits Widerstand: Anlieger befürchten Einschränkungen und Lärmbelästigung.

mm

Rubriklistenbild: © dpa

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