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Weist den Vorwurf der Staatsanwaltschaft zurück: Der mutmaßliche Autobahnschütze wollte keine Menschen töten.

Versuchter Mord?

Autobahnschütze gesteht: Schüsse aus Frust

Würzburg - Freihändig schoss er aus dem Fenster: Ein Lastwagenfahrer gesteht vor Gericht, jahrelang auf der Autobahn geschossen zu haben. Motiv: Frust auf der Straße.

Ein Fernfahrer aus der Eifel hat die Serie von Schüssen auf deutschen Autobahnen gestanden, den Vorwurf des versuchten Mordes aber zurückgewiesen. Niemals habe er „auch nur in die Nähe, geschweige denn in oder auf Führerhäuser“ anderer Lastwagen gezielt oder geschossen, betonte der 58-Jährige in einer Erklärung, die sein Verteidiger Franz-Josef Krichel am Montag vor dem Landgericht Würzburg verlas. „Mir ist bewusst, dass mein Handeln für Außenstehende in keiner Weise nachvollziehbar ist.“

Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen hatte zuvor in seiner Anklage argumentiert, der Mann habe den möglichen Tod anderer Menschen billigend in Kauf genommen. Er warf ihm in fünf Fällen versuchten Mord vor.

Die mysteriöse Serie von Schüssen hatte jahrelang für Aufsehen gesorgt und die Ermittler in Atem gehalten. Der Angeklagte soll hundertfach vom Steuer auf andere Fahrzeuge geschossen haben. Drei Menschen wurden dabei verletzt, im gravierendsten Fall trafen Projektilsplitter eine Geschäftsfrau in den Hals.

Wie viele Schüsse er abgegeben habe und wo, könne er nicht mehr erinnern, erklärte der Mann. Als Grund für seine Taten nannte er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Burkhard Pöpperl Verärgerung über das Verhalten von Fahrern vor allem ausländischer Autotransporter. Zudem sei er mehrfach überfallen worden. Er sprach von „Krieg auf der Autobahn“ und bestätigte Pöpperl, es sei um Genugtuung und Selbstjustiz gegangen. Er bat die Opfer um Entschuldigung.

Der Mann habe den Fahrern „Denkzettel“ für ihr Fahrverhalten verpassen wollen, indem er auf Ladung oder Lkw schoss, erläuterte Raufeisen. Dabei habe der Angeklagte zwei Waffen mit selbstgebauten Schalldämpfern benutzt: erst ein Kleinkaliber, später auch eine Waffe des gefährlicheren Kalibers 9 Millimeter.

Zwar habe der Mann damit nur Sachschäden anrichten wollen. Nach Überzeugung Raufeisens waren die Folgen der Schüsse aber nicht zu kontrollieren: Der Mann habe freihändig und ohne genaueres Anvisieren durch die geöffnete Scheibe geschossen, Windböen oder Fahrbahnunebenheiten hätten die Schüsse ablenken können.

„Für den Angeklagten bestand daher kein Zweifel, dass von ihm gesetzte Fehlschüsse zu schwersten Unfällen mit erheblichen Folgen bis hin zum Tod anderer Verkehrsteilnehmer würden führen können“, so Raufeisen. Mehrfach hätten die Schüsse Autos, Kleintransporter oder Gebäude getroffen.

Der Mann soll deutlich mehr als 700 Mal zur Waffe gegriffen haben, angeklagt sind 171 Fälle. Die Staatsanwaltschaft hatte dies bei der Anklageerhebung damit begründet, dass das Verfahren so auf ein handhabbares Maß begrenzt werde. Dem Mann werden dabei auch gefährliche Körperverletzung, unerlaubter Waffenbesitz, Sachbeschädigung und Eingriff in den Straßenverkehr zur Last gelegt.

Die Behörden hatten jahrelang intensiv nach dem Schützen gefahndet. „Wir müssen diese Tatserie stoppen, bevor Schlimmeres passiert!“, hatte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, Ende 2012 gewarnt. Erst eine umfangreiche Kennzeichenerfassung an betroffenen Autobahnabschnitten führte schließlich im vergangenen Jahr auf die Fährte des Kraftfahrers.

Jahrelange Ermittlungsarbeit – die Chronik:

Juli 2008: Der erste Schuss wird festgestellt, neun Fälle werden bekannt.

August 2009: Eine Soko wird gegründet, 127 Fälle sind bekannt.

Juli 2011: Eine Belohnung von 27 000 Euro wird ausgesetzt.

September 2011: Auf der A3 bei Würzburg trifft eine Kugel eine Autofahrerin. Bundesweit sind 248 Fälle bekannt.

November 2012: Es sind mehr als 700 Schüsse aktenkundig. Die Belohnung wird auf 100 000 Euro erhöht.

April 2013: Die Polizei hat einen Verdächtigen: ein Lkw-Fahrer aus der Eifel.

23. Juni 2013: Polizisten nehmen den Tatverdächtigen in der Eifel fest.

dpa/tz

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