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Am Tag nach der Schlammlawine haben die Aufräumarbeiten im Ferienort Oberstdorf begonnen.

Der Schrecken sitzt tief

Oberstdorf steckt im Schlamm

Oberstdorf - Vielen Oberstdorfern sitzt der Schrecken noch in den Knochen: Nach einem extrem starken Regen ist eine Lawine aus Schlamm und Geröll über ein Wohngebiet des Ferienortes niedergegangen. Manche Menschen wissen nicht, ob sie ihr Haus jemals wieder bewohnen können.

Auch einen Tag nach dem Unwetter sorgt die Schlammlawine in Oberstdorf noch für Aufregung in dem Allgäuer Ferienort. Zahlreiche Schaulustige kommen trotz strömenden Regens in das betroffene Wohngebiet unterhalb der Skisprungschanze, um sich ein Bild von dem Naturereignis zu machen. „Wenn sie uns helfen wollen, dann kommen sie. Sonst hauen sie endlich ab“, ruft eine Bewohnerin voller Wut den vielen Menschen zu, die unter ihren bunten Regenschirmen neugierig die Aufräumarbeiten verfolgen und fotografieren. Stühle, Kommoden, Teppiche und vieles mehr tragen die Bewohner aus ihren mit Schlamm gefüllten Häusern. Andere holen mit Schaufeln und Schubkarren das Geröll aus Garten und Hofeinfahrt.

Am Sonntagnachmittag hatten mehrere Wildbäche nach einem Wolkenbruch Geröll, Schlamm und Wasser in das Wohngebiet geschwemmt. Nach Angaben des Wasserwirtschaftsamtes Kempten waren lokal innerhalb einer dreiviertel Stunde 60 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. „Das war ein extremes Ereignis, das alles rausgespült hat“, sagt Amtsleiter Karl Schindele.

Bilder: Schlammlawine überrollt Oberstdorf

Als die Schlammmassen kamen, seien die Hausbewohner noch knapp aus ihren Kellern gekommen. Die Lawine war unterhalb der Skisprungschanze zum Stehen gekommen. Der Schlamm hatte dort teilweise mehrere Meter hoch gestanden. „Wir hatten keine Chance, der Schlamm kam durch den Garten. Jetzt ist das ganze Haus voll damit und wir wissen nicht, wie wir den Dreck rausbringen sollen“, klagt ein Bewohner, den es besonders schlimm erwischt hat. Vier Häuser unterhalb des Skisprungstadions waren nach Angaben der Feuerwehr am Montag noch unbewohnbar. Ob ein Doppelhaus jemals wieder bewohnt werden kann, wird in den nächsten Tagen von Statikern geprüft. Es galt zunächst als einsturzgefährdet.

„Ich lebe seit 40 Jahren hier, aber an so einen heftigen Regen kann ich mich nicht erinnern“, sagt Max Burkart. Er wohnt ebenfalls in dem betroffenen Wohngebiet, hatte aber Glück. „Uns hat es nur etwas Kies über den Weg geschwemmt, das Haus war nicht betroffen.“ Dennoch musste Burkart am Sonntag zusammen mit seinen Feriengästen das Haus verlassen. Rund 300 Einwohner waren nach dem Murenabgang vorübergehend in Sicherheit gebracht worden. Die meisten hatten jedoch die Nacht bereits wieder in ihren Häusern verbringen können. „Niemand lässt in einer solchen Situation gerne sein Haus allein. Aber was sollte ich machen? Ich durfte mir gerade noch die Schuhe anziehen“, erzählt der Oberstdorfer.

Verhindern lassen sich solche „Naturgefahren“ kaum. Laut Conrad Boley vom Institut für Bodenmechanik und Grundbau der Bundeswehr-Universität München wird aber an verschiedenen Frühwarnsystemen geforscht. Dabei kommen etwa Sensoren zum Einsatz, die die Bodenfeuchtigkeit messen und frühzeitig Alarm schlagen können. Außerdem werden Gefahrenkarten erstellt.

Für Oberstdorf zu spät. Der Bürgermeister der Gemeinde schätzt den Schaden auf eine hohe Millionensumme. „Die Gebäudeschäden sind immens. Und doch ist letztlich zum Glück nur Sachschaden entstanden, es gab keine Verletzten“, sagt Laurent Mies. Sowohl der Bürgermeister als auch der Einsatzleiter der Feuerwehr zeigen sich am Tag nach der Lawine überwältigt von der „ungeheuren Solidarität im Ort“. Viele Nachbarn hätten alles stehen und liegen lassen, um an den Brennpunkten zu helfen. „Es war für uns alle sehr schön zu sehen, wie viel Hilfestellung da war. Auch Asylbewerber waren vor Ort, um anzupacken."

Von Birgit Ellinger und Marcus Mäckler

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