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Der Bahnhof Garmisch-Partenkirchen liegt auf der Zugstrecke zwischen München und Innsbruck. Die ÖBB bewirbt sich um den Zuschlag für diese Strecke.

Österreichische Bahn will Zugstrecke München - Innsbruck

München - Die Österreichische Bundesbahn (ÖBB) will nach Bayern expandieren. Sie bewirbt sich um den Zuschlag für die Strecke zwischen München, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck.

Neben der ÖBB konkurrieren aber weitere Unternehmen um die lukrative Bahnstrecke München-Garmisch-Partenkirchen.

Ende vergangener Woche endete nach siebenmonatiger Ausschreibung die Bewerbungsfrist – jetzt ist es raus: Die Deutsche Bahn wird sich auf der Strecke zwischen München, Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck mit den Nebenstrecken Tutzing-Kochel sowie Murnau-Oberammergau großer Konkurrenz erwehren müssen. Neben der DB haben sich die Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) sowie die privaten Konzerne Benex und Veolia beworben. Dass vier Konzerne um den Werdenfels-Takt rangeln, gilt als Erfolg der staatlichen Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Zuschlag erteilen wird. Denn bei dieser Zahl potenzieller Anbieter kann es – aus Sicht der Pendler – erfolgreiche Nachverhandlungen in Details geben, wenn es jetzt ans Prüfen der Angebote geht. „Das war eine intelligente Ausschreibung“, sagt ein Insider.

Wer das Rennen macht, ist offen – auch deswegen, weil die Bewerber zum Teil in Bayern wenig oder noch gar nicht präsent sind. Die Benex, im Besitz der städtischen Hamburger Hochbahn (die in der Hansestadt die U-Bahn betreibt) sowie eines Kapitalinvestors, wird ab Dezember dieses Jahres unter dem Namen „Agilis“ das Regionalnetz mit dem Knotenpunkt Regensburg betreiben. 2011 wird Agilis auch in Oberfranken rund um Bayreuth mit dem Zugverkehr starten. Konkurrenten ärgern sich immer wieder über die aggressive Preispolitik des Konzerns. Sollte die Benex-Marke Agilis wirklich das Werdenfels-Netz mit 4,1 Millionen Zugkilometern jährlich gewinnen, würden sich ihre Aktivitäten in Bayern auf einen Schlag um rund 50 Prozent vergrößern.#

Weil Agilis eine junge Marke ist, werden ihr eher Außenseiter-Chancen eingeräumt. Schwer einzuschätzen sind die Aussichten von Veolia, deren Tochter „Bayerische Regio-Bahn“ den Werdenfels-Takt fahren würde. Die BRB tritt bislang nur auf der Route Augsburg-Schongau in Erscheinung. Bekannter ist Veolia als Betreiber der Bayerischen Oberlandbahn, die sich einen guten Ruf erarbeitet hat. Die „große Unbekannte“ ist jedoch die ÖBB, weil sie erstmals auf dem deutschen Markt auftritt. Pikant ist, dass DB und ÖBB auf anderen Gleisen – etwa beim Italien-Verkehr – kooperieren.

Dass hier ein staatlicher Konzern gegen die DB Region konkurriert, ist aus Sicht bayerischer Bahnpolitiker aber legitim. „Wettbewerb belebt das Geschäft“, sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Runge. Die DB mische auch überall mit, warum nicht auch die ÖBB? Ganz ähnlich CSU-Wirtschaftsexperte Erwin Huber: „Ich hätte keinen Zweifel an der Leistungsfähigkeit der ÖBB.“ Eine Diskriminierung ausländischer Wettbewerber sei prinzipiell nicht zulässig. Er habe keinen Anlass zu zweifeln, dass die Eisenbahngesellschaft die vorliegenden Angebote „vorurteilslos nach ihrer Wertigkeit prüfen“ werde.

Die DB schließlich will kämpfen, wie DB-Regio-Managerin Antonia von Bassewitz sagt. Manche Konkurrenten sehen sie als Favorit, weil sie ihr Terrain mit Verve verteidigen werde.

Die BEG selbst hält sich bedeckt – Geschäftsführer Fritz Czeschka verweist ebenso wie Wirtschaftsminister Martin Zeil auf das noch laufende Verfahren. Nur soviel: „Das Angebot wird sich deutlich verbessern“, verspricht Czeschka. Es werde neue Triebzüge geben, mehr Zughalte etwa in Starnberg und ein neues Konzept Richtung Seefeld und Innsbruck. Gute Aussichten also für die Pendler – ab 2013, wenn der neue (oder alte?) Anbieter den Verkehr aufnehmen wird.

Dirk Walter

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