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Abzocke am Telefon: Besonders ältere Menschen werden immer häufiger Opfer von Callcenter-Betrug. Das LKA verzeichnet einen Anstieg der Fälle.

Immer häufiger treten falsche  Polizisten auf 

Oft sind Senioren die Opfer: Organisierte Banden erbeuten Millionen

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Durch organisierte Kriminalität ist in Bayern 2017 ein Schaden von 308 Millionen Euro entstanden. Die meisten Fälle verzeichnet das Landeskriminalamt im Bereich der Rauschgiftkriminalität. Auch die Fälle von Betrügern, die sich als Polizisten ausgeben, nehmen rapide zu.

München – In München gibt es seit anderthalb Jahren eine Ermittlungsgruppe „Holger Münch“. Dieser Name taucht immer häufiger auf – und immer in Kombination mit einer speziellen Betrugsmasche am Telefon. Der Anrufer gibt sich als Polizist aus, erklärt seinem (meist älteren) Opfer, dass in der Türkei gegen ihn ermittelt und die Auslieferung gefordert werde. Der Angerufene solle sich an Holger Münch vom Bundeskriminalamt wenden, um die Auslieferung mittels einer Kaution zu verhindern. Mit dieser Masche haben die Betrüger in Deutschland bereits rund zwei Millionen Euro erwirtschaftet.

Fälle des sogenannten Callcenter-Betrugs spielen bei der Organisierten Kriminalität in Bayern eine immer größere Rolle. Im gestern veröffentlichten Lagebericht des LKA liegt die Kriminalität im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben, zu dem diese Betrugsmasche gerechnet wird, inzwischen nach Rauschgift- und Schleusungsdelikten auf Rang drei. Im Bundesvergleich belegt Bayern bei der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität seit Jahren eine Spitzenposition. 2017 wurden 76 Ermittlungsverfahren gegen Gruppen der organisierten Kriminalität geführt.

Delikte und Schaden

Die Zahl der überregionalen Verfahren, die mehrere Bundesländer betrafen, hat abgenommen (von 16 auf zehn Fälle). Dafür stieg die Zahl der Fälle mit internationalen Bezügen auf 64 (57). Der Rauschgifthandel und -schmuggel ist auch 2017 wieder mit Abstand auf Rang eins und mit 27 Verfahren deutlich über dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre. Auch die Schleusungsdelikte haben weiter zugenommen. Allein 2017 haben die Schleuser Erträge von 4,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Im Bereich der Wirtschaftskriminalität liegt der Schaden bei rund 9,4 Millionen Euro und ist damit von 119 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr erheblich gesunken.

Neben Anlagedelikten lag der Schwerpunkt in diesem Bereich beim Callcenter-Betrug sowie bei organisiertem Enkeltrickbetrug. Bei den Eigentumsdelikten setzt sich der Rückgang der vergangenen Jahre fort. Es gab sieben Verfahren.

Insgesamt ist 2017 ein Schaden von rund 308 Millionen Euro entstanden. Der Ertrag der Banden wird auf 262 Millionen Euro geschätzt, sichern konnten die Ermittler davon 43,8 Millionen Euro.

Die Täter

Insgesamt haben die Ermittler im vergangenen Jahr 905 Tatverdächtige aus 58 Staaten erkannt. Die kleineren Gruppierungen mit bis zu fünf Tatverdächtigen haben zugenommen. Das Verfahren mit den meisten Beschuldigten war eine Buntmetall-Diebstahlserie in Elektrofirmen. Ermittelt wurde gegen 42 Rumänen. Insgesamt stammten die meisten Täter aus Deutschland (236), gefolgt von Syrien (74) und Rumänien (70).

Ein Schwerpunkt bei der Arbeit der Ermittler stellte die Rockerkriminalität dar. Auch hierbei waren die meisten Tatverdächtigen Deutsche, ermittelt wurde vor allem wegen Rauschgift- und Gewaltdelikten – am häufigsten gegen Mitglieder der Hells Angels und der United Tribuns. Auch gegen die Mafia-Organisation ’Ndrangheta wurde bereits 2017 ermittelt. Erst vergangene Woche gab es in München eine Razzia (wir haben berichtet). Dennoch gibt es laut LKA in Bayern keine Clankriminalität.

Die Auswertung

Ziel der Ermittler ist es, die Hintermänner der Banden zu fassen und ihren Gewinn möglichst umfassend abzuschöpfen. Dazu seien ausreichend Spezialisten unerlässlich, betont das LKA. Da die Banden immer häufiger transnational agieren, müsse intensiver länderübergreifend zusammengearbeitet werden. Erfolge gab es bereits bei einer internationalen Festnahmeaktion gegen die ’Ndrangheta. Um präventiv arbeiten zu können, seien gesetzliche Befugnisse unerlässlich, so das LKA in seiner Auswertung. Die Änderung des Polizeiaufgabengesetzes sei dafür ein wichtiger Schritt gewesen.

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