Eingespieltes Team: Johann Anwander (65; l.) und sein Bruder Josef (68), der ihm im September 2012 eine Niere spendete.

Am Wochenende ist Tag der Organspende

„Ohne neue Niere hätte ich nicht überlebt“

Garching a. d. Alz – Vor knapp vier Jahren bekam Hermann Anwander, 65, aus Garching a. d. Alz (Kreis Altötting) eine Niere gespendet – von seinem älteren Bruder Josef, 68. Eine sogenannte „Lebendspende“.

Seither geht es Hermann Anwander gut, auch sein Bruder hat keine Beschwerden. Das Einzige, was die Geschwister immer wieder beschäftigt: „Dass so viele Menschen auf ein Organ warten müssen.“ Etwa jeder Dritte stirbt sogar auf der Warteliste. Denn nach wie vor gibt es zu wenige Organspenden in Deutschland. Ein Gespräch mit Hermann Anwander über die Chance des Lebens.

Herr Anwander, wie geht es Ihnen heute?

Mir geht es wunderbar! Wirklich. Ich muss zwar – wie jeder Transplantierte – sogenannte Immunsuppressiva schlucken. Das sind spezielle Medikamente, die mein Immunsystem schwächen, damit es nicht die gespendete Niere abstößt. Dadurch bin ich natürlich auch anfälliger für Infekte und Ähnliches. Aber: Das ist nichts im Vergleich zu dem, was vorher war – als ich an der Dialyse hing, also ständig zur Blutwäsche musste.

Was war denn das Schlimmste an der Dialyse?

Man wird immer schwächer, das ist eine sehr belastende Prozedur – und sie kostet unheimlich viel Zeit, ich musste ja viermal pro Woche hin, und das stets für einige Stunden. Während der Dialyse habe ich zum Beispiel auch nur noch pro Tag einen halben Liter Flüssigkeit zu mir nehmen dürfen. Sogar die Suppe musste ich in der Menge dazuzählen! Ich durfte keine Bananen essen, keine Tomaten, keine Hülsenfrüchte – und noch vieles mehr. Seit der Transplantation darf ich wieder essen und trinken, was ich will. Das ist auch ein Riesenvorteil! Mir geht es seither so gut wie Jahre zuvor nicht mehr.

Normale Wartezeit auf eine Spenderniere hätte Anwander nicht überlebt

Eigentlich hätten Sie ja acht Jahre auf eine neue Niere warten müssen ...

Das hätte ich nicht überlebt. Nach eineinhalb Jahren Dialyse kam mein Bruder zu mir – und sagte: Ich spende dir eine Niere. Ich war so dankbar. Das hat uns noch enger zusammengeschweißt. Die Transplantation fand im Münchner Klinikum rechts der Isar statt. Es lief alles gut – und wir beide haben den Eingriff nie bereut. Nach nur wenigen Tagen fühlte ich mich wie neugeboren!

Sie könnten sich jetzt entspannt zurücklehnen. Trotzdem gehen Sie an die Öffentlichkeit, um auf den Mangel an Spenderorganen aufmerksam zu machen. Warum?

Weil ich weiß, wie es sich anfühlt, krank zu sein, angewiesen auf eine neues Organ. Ich finde es ganz schlimm, dass die Diskussion über Organspende-Skandale, die einige wenige Ausnahmen betreffen, das Gute der Organspende überschattet: Organe retten Leben – das ist doch das Entscheidende. Nicht die Fehler weniger Schwarzer Schafe.

Sie können die Menschen nicht missionieren...

Das will ich auch nicht. Aber ich will erreichen, dass sich die Relationen in der öffentlichen Wahrnehmung nicht verschieben – und zwar zu Ungunsten jener Menschen, die auf ein Organ warten, weil sie sonst sterben müssen. Und wenn ich damit nur einen Einzigen erreiche, der jetzt einen Organspendeausweis ausfüllt, dann ist das doch schon ein großer Erfolg.

Interview: Barbara Nazarewska

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