„Das ist doch ein Schmarrn“

Stadt München geht juristisch gegen Dubai-Oktoberfest vor - Wüsten-Wiesn soll noch größer werden als Original

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Das Münchner Oktoberfest könnte 2021 in Dubai stattfinden. Die Münchner Wiesn-Wirte sind darüber nicht begeistert - die Stadt geht nun juristisch dagegen vor.

Update vom 19. Mai, 15.49 Uhr: Die Stadt München geht rechtlich gegen Veranstalter eines in Dubai geplanten „Oktoberfests“ vor. Unter dem Motto „Oktoberfest goes Dubai“ werde der unzutreffende Eindruck erweckt, das Oktoberfest ziehe in diesem Jahr nach der erneuten corona-bedingten Absage in München nach Dubai um, teilte das Wirtschaftsreferat am Mittwoch mit. Die Stadt verlange von den Organisatoren eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, in der sie sich bereiterklären, nicht mehr mit dem Oktoberfest München für ihr Event zu werben.

Die Veranstalter setzten gezielt die Assoziation zum originalen Münchner Oktoberfest ein, erläuterte die Stadt weiter. Der Erfolg dieser Strategie sei durch eine Vielzahl von Beiträgen in den Medien dokumentiert. Es wirke, als werde das Münchner Oktoberfest 2021 ersatzweise in Dubai veranstaltet oder als sei es vom Emirat Dubai als Ganzes in die Wüste geholt worden.

„Es ist aus Sicht der Landeshauptstadt München erschreckend, dass Dritte die Absage zum Anlass nehmen, sich selbst zu bereichern, indem sie den weltweiten guten Ruf des Oktoberfests ausnutzen und suggerieren, dass eine Verbindung zwischen dem Original und der Veranstaltung in Dubai bestehe“, sagte der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU). „Es ist daher im öffentlichen Interesse, dass die Stadt gegen solche unlauteren und rechtswidrigen Verhaltensweisen rechtliche Schritte einleitet. Ziel unseres rechtlichen Vorgehens ist es, den weltweit guten Ruf des Münchner Oktoberfestes zu schützen.“

Ursprünglicher Artikel vom 2. Mai: München/Dubai - 2020 musste das Münchner Oktoberfest aufgrund der Corona*-Pandemie ausfallen. Ob die Wiesn 2021 stattfinden kann, ist derzeit noch unklar. Sowohl Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) als auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD*) dämpften aber bereits die Hoffnungen. Doch möglicherweise findet das Volksfest in diesem Jahr doch statt - und zwar in der Wüste. Es gib bereits konkrete Pläne für ein Oktoberfest in Dubai.

Oktoberfest in Dubai: Stadt München und Wiesn-Chef kritisieren Wüsten-Wiesn

Denn: Ein privater Veranstalter will ein Volksfest nach Oktoberfest-Art in Dubai aufziehen - sogar noch etwas größer. Zu diesen Plänen geht die Stadt München auf Distanz. Bierfeste gebe es überall, sagte der Münchner Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner (CSU*) am Freitag. Aber: „Es gibt nur ein echtes Oktoberfest, und das ist in München“, sagte Baumgärtner. „Wir werden alle juristischen Möglichkeiten prüfen, um unser Münchner Oktoberfest zu schützen.“ Die Stadt teilte zudem schriftlich mit: „Die jetzt bekannt gewordenen Pläne werden von den Veranstaltern des Events in Dubai weder im Auftrag noch mit Zustimmung der Landeshauptstadt München verfolgt.“

Oktoberfest in Dubai: „Ich bin ein Wiesn-Wirt, kein Wüsten-Wirt und Bayer, nicht Dubaier“

Weder den Münchner Wiesn-Wirten noch den Schaustellern sind bisher Kollegen bekannt, die beim Oktoberfest in Dubai dabei sein wollen. „Mir ist keiner bekannt, der hinfährt“, sagte der Vorsitzende des Münchner Schaustellerverbandes, Peter Bausch, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ähnlich äußerte sich der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer. Und der Hackerzelt-Chef Toni Roiderer schimpfte bei Merkur.de: „Ich bin ein Wiesn-Wirt, kein Wüsten-Wirt und Bayer, nicht Dubaier. In einem Land, in dem Alkohol verpönt ist, ein Bierfest zu veranstalten, das ist doch ein Schmarrn. Ich würde da niemals mitgehen.“

Auch der Sprecher der Wiesn-Wirte Peter Inselkammer kann über die Idee nur lachen. „Ich kenne keinen Kollegen aus unserem Kreis, der sich daran beteiligen möchten.“ Er sieht es mehr als Marketing-Gag, als eine Art „Fantasy-Vergnügungspark-Geschichte“, die zwar das „Etikett Wiesn“ trägt, jedoch nichts mit dem Original zu tun hat. Aber: „Ich will mich nicht aufregen, das ist ja keine echte Konkurrenz“, so Inselkammer zu Merkur.de. Das Oktoberfest in Dubai wäre allerdings keineswegs das erste Bierfest, das unter diesem Namen firmiert. Weltweit gab es nach Schätzungen vor der Pandemie mehr als 2000 Nachahmer. 2020 dürften die meisten wohl ausgefallen sein.

Wiesn-Chef kritisiert Dubai-Pläne und warnt davor, „Geld in der Wüstensonne zu verbrennen“

Ähnlich wie Söder und Reiter sieht auch Baumgärtner kaum eine realistische Chance auf ein Münchner Oktoberfest 2021. Das Volksfest nach Dubai zu verlagern sei aber „völlig absurd.“ Das Münchner Flair würde fehlen. Klimaanlagen müssten die Zelte kühlen; allein die Verschiffung von Fahrgeschäften würde „mal schlappe sechs Wochen“ dauern. Zudem seien viele Fahrgeschäfte gar nicht geeignet, um auf sandigem Grund zu stehen. Und schließlich mache Corona nicht vor Dubai halt. „Ich bin gespannt, wer sich da hin traut.“ Er sorge sich auch um Schausteller, die Dubai als Rettungsanker sehen könnten - um am Ende „Geld in der Wüstensonne zu verbrennen“.

Am Donnerstag hatte zunächst die Bild über die Dubai-Pläne berichtet. Nach Angaben der privaten Veranstalter soll die Golf-Ausgabe des Oktoberfests zeitgleich zur dort geplanten Expo-Weltausstellung im Oktober öffnen und bis Ende März 2022 dauern. Ähnlich wie beim Münchner Vorbild wollen die Veranstalter Bierzelte, Fahrgeschäfte und Buden aufbauen lassen.

Oktoberfest der Superlative geplant - „All das und noch vieles mehr hätte Dubai zu bieten“

Geplant sind demnach 620 Betriebe auf 400.000 Quadratmetern. Das ist mehr als in München, wo das Oktoberfest knapp 350.000 Quadratmetern umfasst - bei rund 550 Betrieben.

„Nicht zuletzt wegen der Pandemie* sind Attribute wie Sommer und Sonne, gesellige Treffen mit Freunden und ein unbeschwertes Freiheitsgefühl der neue Luxus. All das und noch vieles mehr hätte Dubai zu bieten“, teilten die Veranstalter weiter mit. Was das Ganze kosten soll, blieb zunächst offen. Man sei in der Planung, somit gebe es unter anderem hierzu keine Angaben, sagte ein Sprecher am Freitag.

Rund um die Welt ist das Oktoberfest ein Schlager. Die bayerische Gemütlichkeit boomte bereits vor Corona unter Palmen in der Karibik ebenso wie im hohen Norden. Unter anderem in Brasilien, den USA, Japan, Spanien, Russland oder auf Hawaii feierten Menschen Oktoberfeste - oder das, was sie dafür halten. Eines der größten Oktoberfeste mit - vor Corona - 1,5 Millionen Besuchern hat Blumenau in Brasilien. (kam/dpa) *Merkur.de/bayern und *tz.de/muenchen sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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