Olympia 2018: Warmer Geldregen für Bayern?

München - Die lukrativsten Rekorde bei Olympischen Spielen stellt kein Athlet auf - sondern das IOC. Von den  Spielen profitieren die Funktionäre. Auch für Bayern könnte es ein Geschäft werden.

Am 6. Juli entscheidet sich das Schicksal der Münchner Olympiabewerbung. Bei der Vergabezeremonie im südafrikanischen Durban mit dabei: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Für Bayern geht es bei den Spielen keineswegs nur ums Ansehen - sondern auch um Geld. Die Spiele würden eine goldene Gelegenheit bieten, lange geplante Bauvorhaben zu finanzieren.

Auf der einen Seite steht der erhoffte ideelle Gewinn: “Ein großer Teil dessen, weswegen wir das machen, lässt sich schlecht in blanken Zahlen greifen“, sagt Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU). “Olympia 2018 bietet die Chance, Bayern einem Milliardenfernsehpublikum weltweit zu präsentieren. Das Thema Sport führt die Menschen zusammen.“

Die offizielle olympische Botschaft Bayerns an den Rest der Menschheit: “Wir gehen offen auf die Menschen zu, wir sind ein weltoffenes Land. Bayern ist ein schönes Land, in dem sich gut leben, arbeiten und auch gut Urlaub machen lässt, und Bayern ist ein wirtschaftsstarkes Land, in dem es außerordentlich viele gute Unternehmen gibt“, sagt Huber. “Mit Olympia 2018 wollen wir Bayern und Deutschland als positives und sympathisches Land in der Welt darstellen.“

Auf der anderen Seite steht das Geld. Die Finanzplanung des IOC lässt jeden Konzernboss vor Neid erblassen - der letzte olympische Zyklus in Turin und Peking spülte 2,6 Milliarden Dollar Fernseheinnahmen in die Kassen des IOC. Für den laufenden Zyklus Vancouver/London kalkulierte das IOC vor dessen Beginn 3,8 Milliarden Dollar für den Verkauf der Fernsehrechte ein - ein Wachstum von 50 Prozent. Das finanzielle Risiko für das IOC: null. Der deutsche Staat dagegen geht sehr wohl ein finanzielles Risiko ein. Und obwohl den deutschen Politikern die ungleiche Lastenverteilung natürlich bekannt ist, halten fast alle parteiübergreifend die Olympiabewerbung für sinnvoll - Seehofer ebenso wie Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD).

Der größte Widerstand kommt von der Initiative “NOlympia“, zu deren führenden Köpfen der Grünen-Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann gehört. Die Grünen-Stadträte in München allerdings stimmten für Olympia. Die Spiele 2018 in München sollen nach jetzigem Stand knapp drei Milliarden Euro kosten. Davon trägt 1,3 Milliarden das Organisationskomitee OCOG. “Das ist überwiegend Geld, das vom IOC und aus dem Ausland kommt und hier verausgabt wird“, sagt Staatskanzleichef Huber. Doch wenn das Organisationskomitee am Ende Verlust machen sollte, haftet nicht das IOC. Hinzu kommt das sogenannte “Non-OCOG-Budget“ für die Infrastruktur - Straße, Schiene und sonstige olympische Baumaßnahmen. Das wird zu einem beträchtlichen Teil von der öffentlichen Hand finanziert. NOlympia argumentiert, dass die tatsächlichen Kosten olympischer Spiele meistens höher liegen als ursprünglich geplant, so dass am Ende ein Minus drohen würde. “Volkswirtschaftliche Berechnungen gehen von einem positiven Effekt aus“, sagt Huber dazu. “Wenn Olympia kommt, wird also hier in der Region sehr viel Geld in die Hand genommen und kräftig investiert. Damit bekommen wir einen ordentlichen Schub, das ist fast wie ein Konjunkturprogramm.“

Die Staatsregierung selbst käme nach den derzeitigen Schätzungen in der Endabrechnung vergleichsweise günstig weg - mit Ausgaben von 100 Millionen für die Winterspiele und weiteren 15 Millionen für die anschließenden Paralympics. “Die Bilanz für Bayern würde mit Sicherheit nicht schlecht ausfallen, wirtschaftlich und ideell“, sagt Huber. Im Infrastruktur-Budget ist viel Geld für Baumaßnahmen enthalten, die größtenteils der Bund bezahlt. “Das beinhaltet den Lückenschluss der Autobahn A95, die geplanten zwei Umgehungen in Garmisch-Partenkirchen mit Kramertunnel und Wanktunnel, den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke, und andere Projekte“, sagt Huber.

All das sind Dinge, die ohnehin seit langem geplant sind. “Die Verkehrsinfrastruktur des Bundes ist aber chronisch unterfinanziert, und wir müssen uns grundsätzliche Gedanken machen, wie man das ändert“, sagt Huber. “Von der Lage des Bundes her ist aber eine beschleunigte Umsetzung dieser Infrastrukturprojekte bis 2018 mit Sicherheit nur darstellbar, wenn wir diese Sondersituation Olympia haben.“

Carsten Hoefer

Rubriklistenbild: © dpa

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