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Die Landeshautpstadt München soll sämtliche Wettbewerbe der Eissportarten austragen und zudem das Olympische Dorf sowie das Medienzentrum beherbergen.

Olympia: Alpenverein droht mit Ausstieg

München - Der Deutsche Alpenverein droht mit dem Ausstieg aus der Bewerbung für die Winterspiele 2018 in München. Bewerbungs-Geschäftsführer Willy Bogner will den DAV-Präsidenten nun zu einem Spitzengespräch einladen.

Willy Bogner hat die Vision von „freundlichen“ Spielen in Deutschland, auch freundlich zur Natur. Es sollen im Februar 2018 nicht weniger als „grüne Spiele“ in München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau am Königssee werden. Sogar die umweltfreundlichsten in der langen Geschichte von Olympia, wünscht sich der Geschäftsführer der Münchner Bewerbungsgesellschaft.

Willy Bogner Vorsitzender der Olympia-Bewerbungsgesellschaft

Für den Bund Naturschutz (BN) in Bayern ist das längst ein Etikettenschwindel. Der BN hat wie die Internationale Alpenschutzkommission CIPRA, der Verein zum Schutz der Bergwelt (VzSB) und der Verein Mountain Wilderness das Fachgremium inzwischen verlassen. Sie lehnen die Bewerbung ab – und mit ihr auch die 18 Umwelt-Leitprojekte. „Schöne Worte, wenig Inhalt, keine Verbindlichkeit“, lautet deren Kurzbewertung.
Wenn dann noch der DAV – mit mehr als 850 000 Mitgliedern der sechstgrößte Sportverband und die stärkste Naturschutz-Organisation in Deutschland – aus dem Aufsichtsrat und aus der Fachkommission Umwelt austreten würde, wäre die Vision der „grünen Spiele“ kaum mehr zu vermitteln. Das weiß auch der DAV-Präsident Professor Heinz Röhle. Selbstbewusst formulierte er deswegen bei der Jahrespressekonferenz des Alpenvereins am Montagabend in München Kritik und Ziele. Röhle sieht den DAV gleichermaßen als Sport- und als Naturschutzverband. Doch die zweite Komponente empfindet er gerade als sträflich vernachlässigt.

Heinz Röhle Der DAV-Präsident verlangt ein klares Umweltkonzept

Seit der Verabschiedung des Umweltkonzeptes im Oktober habe sich kaum etwas getan. Derzeit bestehe das Konzept nur aus unstrukturiert zusammengewürfelten, nicht gewichteten und nicht vernetzten Ideen. „Hier muss an vielen Stellen nachgebessert werden“, bekräftigte Röhle. Im Detail vermisst der Alpenverein eine „klare Struktur des Umweltkonzeptes mit entsprechendem Projekt- und Prozessmanagement“. Die 18 Leitpunkte seien nicht mit einem Arbeitsplan und einem Finanzierungskonzept unterlegt, kritisierte Röhle. Als Beispiel nannte er Oberammergau. Dort sollen die Langlauf- und Biathlon-Wettbewerbe stattfinden. „Woher soll umweltverträglich das Wasser für die Beschneiung genommen werden? Wie sollen die Verkehrsströme bewältigt werden?“, fragt er.

Der DAV-Präsident wünscht sich einen dauerhaften Mehrwert durch Olympia und durch Projekte wie das UNESCO-Biosphärenreservat „Green Gap“ oder auch die „Ökologische Sportregion bayerische Alpen“.

In Garmisch-Partenkirchen sollen die alpinen und nordischen Disziplinen der olympischen Wet tbewerbeausgetragen werden. Nicht alle Bürger des Ortes sind begeistert.

Diese beiden Vorhaben lehnt der Bund Naturschutz ab: Über die Biosphärenregion müssten die Bevölkerung vor Ort und die Weltnaturschutzunion IUCN entscheiden. Die ökologische Sportregion hält er für kontraproduktiv: Es sei bezeichnend für die Denkweise der Olympia-Befürworter, „dass sie die Alpen vorrangig als Kulisse für Sport sehen“. Doch für den DAV-Präsidenten steht fest: „Wenn solche Projekte nicht kommen, wird der Deutsche Alpenverein aus der Bewerbungsgesellschaft für Olympia 2018 aussteigen.“ Schließlich werde ein entsprechendes Engagement des Alpenvereins „gesellschaftlich erwartet“. Und: „Ein bisschen Druck kann nicht schaden“, glaubt Röhle. Zum Nulltarif sei die dauerhafte Mitarbeit seines Vereins jedenfalls nicht zu haben.

Willy Bogner kündigte gestern auf Anfrage unserer Zeitung an, dass er Röhle noch in dieser Woche zu einem Spitzengespräch einladen werde. Der Termin selbst wird wohl erst nach den Olympischen Winterspielen in Vancouver möglich sein: Bogner wird am 7. Februar nach Kanada fliegen und bis zum Ende am 28. Februar für München 2018 werben.

Die Landeshautpstadt München soll sämtliche Wettbewerbe der Eissportarten austragen und zudem das Olympische Dorf sowie das Medienzentrum beherbergen.

„Weiterhin konstruktive Gespräche“ mit dem DAV erwartet Jürgen Bühl, der Sprecher der Bewerbungsgesellschaft. Etwa in der kommenden Woche, wenn die Fachkommission Umwelt mit dem Alpenverein als Mitglied wieder tagt. Denn seit der Präsentation des Umweltkonzeptes im Oktober würden die Deutsche Sporthochschule Köln sowie das Öko-Institut die 18 Umwelt-Leitprojekte präzise ausformulieren. „Das wird deutlich mehr Tiefgang haben als bisher“, verspricht Bühl. Deren Ergebnisse sollen dem Fachgremium zur Erörterung vorgelegt werden – und jene Schritte enthalten, die der Alpenverein anmahnt.

Die Finanzierung der Projekte indes sei klar, erläutert Bühl. Denn die Kosten seien mit der Verabschiedung des Eckpunkte-Papiers für das erste Bewerbungsdokument in den Gremien nun auch im Veranstaltungs- und im Infrastruktur-Budget enthalten. Über die Aufteilung des Infrastruktur-Budgets streiten derzeit Bund, der Freistaat Bayern sowie die drei betroffenen Kommunen. Bühl nimmt Kritik und Forderungen des DAV jedenfalls ernst. „Ich glaube, dass wir weiterhin einen guten Weg finden werden. Vielleicht war das jetzt ein Wink mit dem Zaunpfahl.“

Von Martin Becker und Matthias Holzapfel

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