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Fethullah Gülen ist Gründer und geistiger Vater der Gülen-Bewegung. Der 72-Jährige lebt im US-amerikanischen Exil.

Gülen-Bewegung soll dahinterstecken

Das Olympiaden-Problem

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München - In München findet am Samstag die deutsch-türkische Kulturolympiade statt. Das Problem dabei: Hinter der Olympiade soll die geheimbündlerische Gülen-Bewegung stecken.

Auf der Homepage des Interkulturellen Dialogzentrums (Idizem) München findet sich unter der Rubrik „Über uns“ ein Video. Es erzählt von Toleranz und dem Abbau von Vorurteilen, die zwischen der islamischen und der christlichen Welt bestehen. Außerdem preist das Zentrum seinen Ideengeber: den türkischen Gelehrten und Prediger Fethullah Gülen.

Es existiert ein zweites Video. Zu sehen ist eben jener Gelehrte, wie er mit ernster Miene zu einem Publikum in der Türkei spricht. Er fordert die Zuhörer auf, die „verfassungsmäßigen Organe des türkischen Staates“ an sich zu bringen. Ein alter Ausschnitt, der mdr hat ihn für einen kritischen Bericht in der Sendung „Fakt“ übersetzen lassen. Nicht wenige verstanden die Worte Gülens damals als Aufruf zur Unterwanderung des Staates.

Es sind die zwei Seiten der türkischen Gülen-Bewegung: Sie gibt sich weltoffen, steht aber im Verdacht, nach anderem zu streben – nach Einfluss und politischer Macht.

Man muss das wissen, um zu verstehen, warum die Entscheidung des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle (CSU) einen Beigeschmack hat. Er ist Schirmherr der deutsch-türkischen Kulturolympiade, einem Talentwettbewerb für Schüler, der an diesem Samstag in der Münchner Olympiahalle stattfindet. Veranstaltet wird er vom Frankfurter „Academy-Verein für Bildungsberatung“, der nach Informationen unserer Zeitung dem Gülen-Netzwerk angehört. Die ehemalige migrationspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Isabell Zacharias, sagt: „Dass Spaenle sich dafür zur Verfügung gestellt hat, finde ich mehr als problematisch.“

Zacharias beschäftigt sich seit Jahren mit der Gülen-Bewegung. Sie kennt die Vermutungen, die nicht leise werden wollen. Von sektenartigen Strukturen ist oft die Rede, von einem konservativ-islamischen Geheimbund. „Ich sehe da komische Zusammenhänge“, sagt Zacharias. „Die bringen mich in Habachtstellung.“ Dass die Bewegung sehr intransparent auftritt, verstärkt diesen Eindruck.

Dabei präsentiert sie sich nach außen als tolerante und demokratische Variante des Islam. In der Türkei haben so viele von ihnen reüssiert. Sie sitzen in Parlamenten, Gerichten und Ministerien. Ihr Einfluss ist – trotz des offenen Schlagabtauschs mit Premierminister Recep Tayyip Erdogan und seiner AKP – groß. Dass das so ist, hat vor allem mit ihrem Bildungsideal zu tun. Die Bewegung unterhält weltweit Hunderte von Einrichtungen. Ein Credo des im US-Exil lebenden Gülen lautet: „Baut Schulen statt Moscheen.“

Auch in Deutschland gibt es nach Angaben der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) neben Gülen-nahen Zeitungen und Fernsehsendern etwa 160 Nachhilfezentren und 20 Schulen, eine davon in Jettingen-Scheppach (Kreis Günzburg). Sie werden mehrheitlich von türkischen Kindern besucht. Die EZW nennt das „ethnische Nischen“, von denen unklar sei, ob sie sich öffnen, oder am Ende zu einer „Islamisierung durch Bildung“ führten.

Kritiker, die allesamt nicht zitiert werden wollen, vermuten, in den Bildungseinrichtungen indoktriniere die Bewegung Schüler mit den konservativen Lehren Gülens.

Man sollte dabei nicht vergessen, dass lokale Einrichtungen wie Idizem in München einen sehr guten Ruf genießen. Sowohl der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück, als auch der Integrationsbeauftrage der Staatsregierung, Martin Neumeyer (CSU), betonen das Engagement in der Bildungsarbeit. Allerdings sagt Neumeyer auch, Gülen sei „wie ein Pudding, den ich an die Wand nagele. Der gleitet mir am Nagel runter.“ Mit anderen Worten: Die Bewegung ist nicht zu packen.

Das Kultusministerium hält Spaenles Schirmherrschaft für die Kulturolympiade dennoch für unproblematisch. Der Zusage sei eine „hausinterne Prüfung“ vorausgegangen, bestätigt ein Sprecher. Auch das Innenministerium habe – zumindest bei den Veranstaltern – keine Bedenken gehabt.

Marcus Mäckler

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