Yannik Elfers wurde als letzter aus dem Zugwrack von Bad Aibling geborgen.

Ein Jahr nach dem Zugunglück

So lebt Opfer Yannik mit den Folgen von Bad Aibling

Bad Aibling - Heute jährt sich das Zugunglück von Bad Aibling, bei dem am Faschingsdienstag 2016 zwölf Menschen starben. Yannik Elfers überlebte - und kämpft bis heute gegen Schmerzen und schreckliche Bilder.

Wenn heute morgen der Meridian in Bad Aibling hält und die Fahrgäste nach Rosenheim fährt, wird Yannik Elfers zu Hause sein. Wahrscheinlich wird er noch im Bett liegen, bis heute fällt es ihm schwer, vor den Morgenstunden Schlaf zu finden. Denn nachts kommen sie noch viel zu oft, die Erinnerungen an den Faschingsdienstag vom vergangenen Jahr. Erinnerungen an den Geruch von heißem Stahl, an die Schreie, den Schmerz.

Yannik saß in einem der beiden Züge, die vor genau einem Jahr zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal zusammenstießen. Zwölf Menschen verloren ihr Leben bei dem Zugunglück, das sich heute zum ersten Mal jährt. 89 Insassen wurden verletzt, viele schwer. Wie Yannik, der als letzter aus dem Zugwrack geborgen wurde.

Auch ein Jahr danach ist für ihn nichts mehr wie vor dem Unglück, als er gerade eine Ausbildung zum Lagerlogistiker machte. „Mein Leben ist noch nicht so, wie ich es mir vorstelle“, sagt der 18-Jährige vorsichtig. An eine neue Arbeitsstelle ist noch nicht zu denken. Seine Beine zu belasten, schmerzt noch immer. Im April ist die nächste Operation geplant. „Wenn alles gut geht, ist es die letzte.“ Danach will er eine Arbeitserprobung machen – um auszuloten, in welcher Branche er künftig überhaupt arbeiten kann. Dazu kommen die vielen Therapiestunden, um die Bilder vom Faschingsdienstag aus dem Kopf zu bekommen.

Als wäre all das nicht genug, ist da auch noch der Ärger mit der Versicherung. „Bis jetzt wurden lediglich die entstandenen Kosten ersetzt“, sagt Yanniks Vater Michael Elfers. „Von Schmerzensgeld, Lohnausfall, zukünftigen Rentenansprüchen, verlorener Lebensqualität und vor allem von der wohl bis ans Lebensende andauernden psychischen Belastung will die HDI nichts wissen.“ Die HDI ist der Haftpflichtversicherer von Transdev, dem Betreiberkonzern der Bayerischen Oberlandbahn – und für viele Opfer des Zugunglücks der einzige Ansprechpartner. „Der erste und letzte Kontakt der Bahn zu uns fand unmittelbar nach dem Zugunglück im Februar statt“, sagt Michael Elfers. „Seitdem herrscht Funkstille.“

Yannik Elfers wurde als letzter aus dem Zugwrack von Bad Aibling geborgen.

Das geht nicht nur der Familie Elfers so. Friedrich Schweikerthat im Prozess gegen den Fahrdienstleiter 19 Opfer und Angehörige als Nebenkläger vertreten. „Wir versuchen seit einem Jahr, ein Gespräch mit der Bahn hinzubekommen.“ Bislang vergeblich. „Meine Mandanten möchten eine Entschuldigung sowie ein symbolisches Schadensersatzangebot.“ Auch seine Mandanten müssten mit der Versicherung um jeden Betrag streiten. „Die rennen von Gutachter zu Gutachter und müssen teilweise nachweisen, dass sie nicht schon vor dem Unfall ein Trauma hatten.“ Hinterbliebene müssten zudem angeben, wie lange der Todeskampf ihrer Angehörigen gedauert habe, denn daran bemesse sich das Schmerzensgeld. „Das beißt sich doch mit der Genesung“, sagt Schweikert. So sei es für die Betroffenen nicht möglich, einen Abschluss zu finden. Der Zorn über das Verhalten der Bahn wachse. „Hier könnte die Bahn mit einem Angebot helfen.“

Nach wie vor bereite er eine Klage gegen die Deutsche Bahn vor. Er will klären lassen, ob die Bahn nicht doch eine Mitschuld an dem Unglück trägt. Derzeit sammle er noch Daten, auch auf den Bericht der Eisenbahn-Unfalluntersuchungsstelle des Bundes will er noch warten.

Am Donnerstagabend findet in Bad Aibling ein Gedenken statt

Der oberbayerische Kurort Bad Aibling steht am Donnerstag im Zeichen der Erinnerung an die zwölf Toten und vielen Verletzten des Zugunglücks vor einem Jahr. Bereits am Morgen läuten die Kirchenglocken in der Stadt. 

In Bad Aibling findet zum Gedenken der Opfer des Zugunglücks am Abend um 18.30 Uhr eine ökumenische Andacht am Denkmal an der Rosenheimer Straße statt. Neben vielen Einsatzkräften, Vertretern der Bahn und der Kommunalpolitik wird auch Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner (CSU) erwartet. Yannik Elfers wird nicht dabei sein. „Ich werde mir einen ruhigen Tag zu Hause machen. Alleine.“

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