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„Ihr habt Großartiges geleistet“, sagt Horst Seehofer den Ministern, die er aus dem Kabinett geworfen hat. Eberhard Sinner (l.) und Christa Stewens tragen es mit Fassung. „Man muss das relaxt sehen“, erklärt Stewens tapfer.

Seehofer überreicht Bundesverdienstkreuze

Ein Orden für die Abservierten

München - Drei von Horst Seehofer aus dem Kabinett gekegelte Minister bekommen das Bundesverdienstkreuz. Überreichen muss den hohen Orden ausgerechnet – Horst Seehofer. Es wird ein Termin, bei dem drei Menschen gequält lächeln und einer gar nicht.

Den Raum N 404, Staatskanzlei, vierter Stock, kennt Eberhard Sinner zur Genüge: roter Teppich, blaue Sessel, eine historische Bayern-Fahne im Eck, durch die Glaswand Blick auf den Hofgarten. Es ist das große Arbeitszimmer des Ministerpräsidenten. Unzählige Male saß Sinner als Staatsminister hier drin, regierte, dirigierte. Bis Herbst 2008 – da befand der neue Ministerpräsident Horst Seehofer, Sinner sei zu alt – raus. Jetzt steht Eberhard Sinner als Gast in N 404, er bekommt einen Orden aus den Händen des Mannes, der ihn aus dem Kabinett warf. Sinner setzt ein leicht ironisches Lächeln auf: „Ich weiß es einerseits zu schätzen, andererseits...“ Mehr sagt er nicht.

Es ist schon ein bizarrer Termin in N 404, um den sich keiner der Beteiligten gerissen hat, im Gegenteil. Seehofer zeichnet im Auftrag des Bundespräsidenten drei Ex-Minister aus: Sinner (64), Christa Stewens (63) und Thomas Goppel (62). Es gab viel Ärger damals um deren Kündigungen, er tauschte alle drei trotz teils gegenteiliger Ankündigungen überraschend aus, altersbedingt. Seehofer wollte keine über 60-Jährigen mehr. „In Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen Verdienste“, verliest er feierlich. Sinners Daumen drehen sich langsam, das Gesicht ist starr. Stewens knetet ihre Lesebrille. Was Goppel macht, weiß man nicht: Er lässt die Zeremonie platzen, ist per Handy für Seehofer nicht erreichbar und kommt erst eine Dreiviertelstunde später, als die Fotografen weg sind. „Keine böse Absicht“, erklärt er hinterher, er habe die Uhrzeit verwechselt.

„Ihr habt Großartiges geleistet für Bayern, für unsere Christlich-Soziale Union“, sagt also Seehofer. Warum er die Minister austauschte, sagt er nicht. Dann überreicht er die Urkunden an die „Staatsminister a. D.“, außer Diensten. Mitarbeiter heften die Orden an die Jacken der Geehrten, Nadeln und Knöpfe rollen über den Boden.

„Es ist mir eine Ehre und Freude“, erklärt Seehofer, aber er hat wohl irgendwie auch ein seltsames Gefühl. Diese „a.D.“-Konstellation, und dann schauen auch noch die Journalisten zu. Er dreht sich zu Stewens und murmelt: „Jetzt wird aus diesem Umstand bestimmt wieder ein Märchen gemacht.“

Von Christian Deutschländer

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