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Marc H. war ein verantwortungsvoller junger Mann: Er hatte einen Organspendeausweis. Als er tödlich verunglückt, stimmt seine Mutter Erika der Organentnahme zu.

Organspende: Marcs bewegende Geschichte

Kirchhaslach - Eine Mutter verliert ihren Sohn durch einen Autounfall. Und gibt seine Organe zur Transplantation frei. Vier Menschen kann geholfen werden. Hilfe erfährt auch die Mutter: Der Sender Antenne Bayern bezahlt den Grabstein.

Diese Woche ist es ein Strauß weißer Rosen, den Erika H. (45) neben die Portraits ihres tödlich verunglückten Sohnes stellt. „Jede Woche nehme ich andere Blumen“, sagt die Allgäuerin. Liebevoll blickt sie dabei zu den Bildern, dann deutet sie auf den Boden, wo eine weiße Engelsfigur kniet. „Die kommt dann später mit ans Grab.“ Die Mutter und ihre Familie mussten das erleben, was man niemandem wünscht: einen wertvollen Menschen verlieren. Der Schmerz weicht nie, manchmal ist er wenigstens zu ertragen: „Es gibt Tage, da denke ich fast nur an Marc. Jede Sekunde.“ Seit kurzem trauern aber mit den Hinterbliebenen nicht nur Verwandte und Freunde. Es trauern plötzlich auch viele Leute, die nie etwas von Marc aus Kirchhaslach (Kreis Unterallgäu) wussten. Seit diesem Gewinnspiel im Radio…

Doch von vorne: Die Tragödie beginnt am 1. Juni 2011. Der 20-jährige Marc, Azubi als Fachverkäufer für Lebensmittel, steigt in den VW Polo eines Freundes (18). Mit im Auto ist ein weiterer Spezl (25). Die Freunde gehen aus, feiern mal hier, mal dort. Gegen ein Uhr verliert der Fahranfänger die Kontrolle übers Auto, der Polo rammt mit der Seite die Friedhofsmauer. Die jungen Männer vorne sind fast unverletzt, für Marc aber, der hinten sitzt, besteht kaum Hoffnung. Er kommt zunächst ins Krankenhaus Memmingen, von dort in die Uniklinik Ulm. Dort wird er operiert, doch die ärztliche Kunst bleibt vergebens. Freitags um 13 Uhr wird Marc, der einen Organspendeausweise besitzt, für tot erklärt.

Wenig später erhält seine Mutter einen Anruf von einem Mediziner: „Er fragte, ob ich der Organspende zustimme.“ Erika willigt ohne nachzudenken ein. „Ich wusste ja, dass mein Sohn das wollte“, erzählt sie der „tz“. Dem Körper werden am Abend Nieren, Leber, Bauchspeicheldrüse und Herz entnommen, die Organe erreichen Kliniken in Baden-Württemberg, den Niederlanden und Belgien. „Die Organe waren für arme Leute. Arme Leute, die einfach nur hoffen, dass da irgendwo jemand ist, der seine Organe spendet.“

Doch Marcs Geschichte endet hier noch lange nicht - denn nun passierte die Sache mit dem Gewinnspiel. Der Radiosender Antenne Bayern veranstaltet seit Monaten eine Aktion, in der Hörern eine Rechnung bezahlt wird. Egal für was. Sei es ein Bauchtanzkostüm, ein Couchtisch oder die beheizbare Winterjacke. Und so schickte auch Marcs Schwester Jessica eine Rechnung an den Sender - über 9582 Euro. Für einen Grabstein. Für Marcs Grabstein. Im September war das. Sie hatte schon nicht mehr daran geglaubt, dass Marcs Geschichte aufgegriffen wird. Doch das Radioteam um Moderator Wolfgang Leikermoser beschließt, die außergewöhnliche Rechnung zu begleichen. Der sonst so fröhliche Moderator war hörbar berührt, als er das bedrückende Schreiben der Familie vorlas. Aber: Jeder Hörer erfuhr nun auch, dass Marc mit seinem Tod anderen Menschen ein besseres Leben ermöglichen wollte. Vier Menschen, vom zwölfjähriger Kind bis zum ausgewachsen Mann, werden dies dem Azubi aus dem Allgäu für immer danken, wie ein Schreiben zeigt. Ärzte der Deutschen Stiftung Organspende hatten der Mutter geschrieben, dass ein Dialysepatient eine Niere erhalten hat, ein zuckerkranker Mann die zweite. Ein zwölfjähriger Bub erhielt nach einem akuten Leberausfall Marcs Organ. Und das Herz wurde einem 41-jährigen Belgier übertragen, der an ein Kunstherz angeschlossen war. „Besonders für das Kind hat es mich so gefreut“, sagt Erika H. und tröstet sich so ein wenig über den eigenen Verlust.

Seit einer Woche steht nun auch der Grabstein aus dunklem Oriongranit, den ein schwäbischer Steinmetz geliefert hat. Die Übernahme der Kosten ist natürlich eine große Entlastung für die Familie. Doch mehr beeindrucken Erika die Reaktionen und die Anteilnahme vieler Menschen.

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