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Sophie (Mitte) hat eine Organspende das Leben gerettet. Gemeinsam mit Lieselotte Hartwich (re.) vom Bundesverband der Organtransplantierten wirbt ihre Mutter Kathrin Müller-Menrad für mehr Akzeptenz.

Tag der Organspende: Sophies zweites Leben

Die meisten Deutschen sind gegenüber Organverpflanzungen positiv eingestellt. Dennoch haben nur wenige einen Spenderausweis. Ein Apell zum „Tag der Organspende“ am Samstag, 6. Juni.

Tag der Organspende

Auskünfte zum Thema Organspende erhalten Interessierte am Samstag, 6. Juni, ab 11 Uhr bei einer Info-Veranstaltung auf dem Münchner Odeonsplatz.

Sophies zweites Leben begann im März vor vier Jahren. Seit Monaten hat das vierjährige Mädchen die Klinik kaum verlassen. Ihr Körper ist schwach, ihre Haut gelb. Eine seltene Erkrankung hat ihre Leber zerstört, eine Blutung am Ende zum chronischen Versagen des Organs geführt. Nur eine Transplantation kann der Kleinen das Leben retten. „Ich hätte ihr gerne einen Teil meiner Leber gespendet“, erzählt ihre Mutter Kathrin Müller-Menrad. Doch Tests zeigen, dass Sophie das nicht helfen kann. Dann kommt der erlösende Anruf: Ein passendes Organ ist gefunden. Zwei Tage nach der Operation hat Sophies neues Leben begonnen. Am liebsten möchte sie schon aus dem Bett aufstehen.

Heute lacht die Achtjährige unbekümmert. Etwas unruhig sitzt sie auf ihrem Stuhl. Sie will ihre Reitstunde nicht verpassen. Ihre Mutter erzählt unterdessen Sophies Geschichte. Die Erinnerungen an die Jahre, in denen das Klingeln des Telefons das Herz rasen ließ, vor Angst und vor Hoffnung, nimmt ihr noch immer etwas den Atem. Dennoch hat sie sich entschlossen, öffentlich davon zu erzählen. „Ich möchte alles tun, um die Menschen dafür zu sensibilisieren, wie wichtig Organspende ist“, sagt sie. Denn sie weiß: Viele haben nicht das Glück, wie Sophie ein neues Leben geschenkt zu bekommen. Sie sterben auf der Warteliste.

In Deutschland leben insgesamt 12 000 Menschen zwischen Angst und Hoffnung. Sie warten auf ein Spenderorgan. Jeden Tag sterben drei davon.

Die Ursache für ihren Tod ist der Mangel an Organen. Dieser ist im Vergleich zu anderen EU-Ländern in Deutschland besonders hoch – auch wenn derzeit eine positive Tendenz erkennbar ist. In den ersten Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Organspenden deutlich gestiegen. Im Vorjahr war sie allerdings um acht Prozent zurückgegangen. Die Ursachen dafür, dass es hierzulande zu wenige Organe gibt, sind vielfältig. So scheitert die Spende nicht selten bereits in den Kliniken, in denen ein Patient einen Hirntod erleidet. Knappe Kassen und zu wenig Personal machen es ihnen nicht leicht, ihre Aufgabe, jeden Spender zu melden, zu erfüllen. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) will die Situation verbessern: Sie finanziert in großen Kliniken Koordinatoren, welche die ersten Schritte organisieren.

Doch gibt es noch andere entscheidende Gründe für den Mangel. Einer liegt darin, dass die Deutschen ihre Einstellung zur Organspende selten dokumentieren. 80 Prozent stehen dem Thema positiv gegenüber – wenn man sie danach fragt. Doch nur 17 Prozent haben einen Organspenderausweis. „Im Ernstfall ist das aber oft entscheidend“, sagt Dr. Thomas Beck von der DSO. Stirbt ein geliebter Mensch, sind die Angehörigen meist von ihrer Trauer und Verzweiflung überwältigt. Für viele ist es dann kaum möglich, zu entscheiden, ob der Verstorbene mit einer Organspende einverstanden gewesen wäre.

„Viele sagen dann nur aus Unsicherheit ,Nein‘“, ist auch Markus Söder (CSU) überzeugt. Der bayerische Gesundheitsminister kennt das Leiden, wenn ein geliebter Mensch auf ein Spenderorgan hofft, aus eigener Erfahrung. „Meine Mutter war Dialysepatientin“, erzählt er. Als Schirmherr des diesjährigen Organspendetages will er sich entschieden dafür einsetzen, die Situation zu verbessern – mit Aufklärung, aber auch einem politischen Vorstoß. So will Söder sich dafür einsetzen, dass die Einstellung zur Organspende auf der geplanten Gesundheitskarte vermerkt wird.

Dies freut auch Lieselotte Hartwich vom Bundesverband der Organtransplantierten: „Organtransplantation ist eine Gemeinschaftsaufgabe“, sagt sie. „Und sie ist ein Ja zum Leben.“

Von Sonja Gibis

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