Die sechs Fahrer des Teams „Panagalaktischer Allgäudonner“ genießen die Sonne auf Zypern. foto: fkn

Orient-Rallye endet im Chaos

Oberstaufen - 666 Teilnehmer der Allgäu-Orient-Rallye wollten mit Schrott-Autos nach Jordanien fahren. Sie kamen bis zum Mittelmeer. Warum sie auch König Abdullah II. von Jordanien nicht weiterbrachte.

Spätestens am zweiten Tag auf dem Mittelmeer dämmerte es vielen Teilnehmern der Allgäuer-Orient-Rallye, dass ihr Abenteuer wohl hier auf der Fähre enden würde. Wenige Kilometer vor dem ägyptischen Festland. Essen und Wasser wurden längst rationiert, Toiletten waren verstopft, und „wenn man einen angespannten Kapitän sehen wollte, musste man nur auf die Brücke gehen“, sagt Michael Beggel, Mitglied im Team „Panagalaktischer Allgäudonner“ aus Altusried.

So war das alles nicht geplant, als sich die sechs Allgäuer am 30. April in ihren Lederhosen auf die abenteuerliche Reise machten. Eigentlich sollte sie ihr Weg von Oberstaufen über die Türkei und Syrien bis nach Jordanien führen. Syrien fiel wegen der politischen Unruhen kurzfristig als Transitland aus. „Wir wollten von der Türkei aus mit drei Fähren nach Zypern, von dort dann weiter nach Ägypten“, sagt Wilfried Gehr, Organisator des Rennens.

In der Türkei war die Stimmung noch gut. Die türkische Regierung erlaubte den 666 Fahrern, zwischen der Hagia Sophia und der blauen Moschee im Herzen Istanbuls zu campieren. Samt ihren Autos, zwei Tage lang. „Die Einlauf-Genehmigung der ägyptischen Behörden lag auch vor“, meint Wilfried Gehr. 300 Autos wurden an der türkischen Mittelmeerküste verladen, die Fahrer auf die Schiffe verteilt. Es ging Richtung Zypern.

„Als wir mit der Fähre in Zypern ablegten, hieß es, in zwölf Stunden sind wir da“, erzählt Johannes Sima, Teamleiter der Allgäuer. „Dann hieß es auf einmal, es dauert 20 Stunden. Kurz darauf wurden 30 Stunden daraus.“ Grund: Die ägyptischen Behörden verweigerten auf Druck der deutschen Botschaft kurzfristig die Einreise. „Die hielten uns für Autoschieber“, ist Organisator Gehr überzeugt. An diesem Tag habe keine Reisewarnung vom Auswärtigen Amt vorgelegen. König Abdullah II. von Jordanien soll Wind von der Sache bekommen haben, das Staatsoberhaupt rief seinen Außenminister an, erzählt Wilfried Gehr. Dieser telefonierte mit seinem ägyptischen Amtskollegen. Es war nichts zu machen.

Indes richteten die unfreiwilligen Mittelmeerkreuzfahrer, die obendrein noch in einem Funkloch steckten, Putzdienste auf ihren Schiffen ein. Auf Order des Kapitäns gab es einmal am Tag Bohneneintopf aus Plastikbechern und eine Flasche Wasser.

Gehr versuchte händeringend eine Genehmigung für einen Hafen in Israel zu bekommen. Auch hier Fehlanzeige. Die Schiffe fuhren unter nord-zypriotischer Flagge, durften nicht einlaufen. Mittlerweile waren zwei Tage vergangen, die Fähren mussten wieder zurück in die Türkei schippern. Das dauerte abermals zwei Tage. Für einige der Teilnehmer gab es trotz der Odyssee ein glückliches Ende. Jordaniens König holte dutzende Fahrer mit einem Airbus aus der Türkei ab, spendierte ihnen drei Tage in Jordanien. Sima und Beggel hingegen sind froh, wieder zu Hause zu sein. Ihre Autos allerdings stecken noch beim Zoll in Antalya.

Patrick Wehner

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