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Ein Historiker hat dieses Gemälde als echten Dürer identifiziert.

Historiker präsentiert sensationellen Kunstfund

Ist dieses Bild ein echter Dürer?

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Regensburg - Ein unbekannter Dürer, mehrere Bilder von Altdorfer – das Regensburger Stadtmuseum hat bis dato unbekannte Schätze präsentiert. Doch sind die Bilder wirklich alte Meister? Und warum gammelten sie in einem Depot vor sich hin? Ein Kunstkrimi.

Der Historiker Rudolf Reiser, 75, steht am Freitag neben einer Holzstaffelei im Regensburger Stadtmuseum und erklärt seine Theorie. Er ist etwas aufgeregt – aber wen wundert das bei dem, was er entdeckt hat. Oder sollte man sagen: Entdeckt haben zu meint? Einen echten Dürer, jahrzehntelang versteckt im staubigen Depot des Museums, unter allerlei Kram? Kann das sein? Es kann, sagt Reiser, der in dem Depot – er nennt es „Rumpelkammer – gleich mehrere „Spitzenprodukte der deutschen Renaissance“ ans Licht gezogen hat. So sagt er.

Albrecht Dürer (1471-1528), der Nürnberger, war 1505 zu einem dreijährigen Venedigaufenthalt aufgebrochen. Das ist bekannt. Mehrere tolle Gemälde gibt es von dieser Episode, Bilder wie „Rosenkranzfest“, das heute in der Prager Nationalgalerie hängt.

Dass Dürer damals auch eine fast mannshohe Tafel „Die heiligen Drei Könige“ hinterlassen haben soll, war indes unbekannt. Es ist Reisers Entdeckung, die er im Oktober 2015 bei einer zufälligen Besichtigung des Depots machte. Und die er nun mit einer umfangreichen Bildinterpretation absichern will.

Erstens der Torbogen im Hintergrund des Gemäldes: Das ist der Nürnberger Adlerturm. „Also an Nürnberg können wir überhaupt nicht rütteln“, sagt Reiser. Zweitens hat sich Dürer auf dem Gemälde selbst verewigt – und zwar, etwas skurril, als „Mohrenkönig“. Warum Reiser auf diese verwegen klingende Theorie kam, erklärt er gleich: Der „Mohrenkönig“ hat an seinem rechten Daumen drei Ringe. Drei Ringe – dieses Detail gibt es auch auf zwei weiteren Bildern Dürers, die heute im Kunsthistorischen Museum Wien hängen. Und außerdem gibt es einen Brief Dürers aus Venedig an seinen Freund Pirckheimer, in dem er den Kauf der drei Ringe auch noch erwähnt hat. Reiser weiß noch viele weitere Details, etwa dass die von den Königen verehrte Madonna Dürers Kurtisane bis aufs Haar gleicht. Aber bevor er das ausbreiten kann, verdüstern sich schon die Mienen einiger umstehender Fachleute. Ob denn das Gemälde mit moderner Technik untersucht worden sei, will einer wissen. Nein, sagt Reiser. Ob denn einschlägige Dürer-Experten das Bild gesichtet hätten? „Mit denen red ich gar nicht – da schreibt doch einer vom anderen ab“, sagt Reiser.

Der Direktor des Stadtmuseums ergreift das Wort. „Selbstverständlich werden wir die entsprechenden Experten konsultieren“, sagt Peter Germann-Bauer. Auf die Frage, warum das nicht schon vor der Präsentation der Bilder geschehen ist, zuckt er mit den Schultern. Er habe Reiser die Möglichkeit geben wollen, seine „Theorien“ selbst zu erklären. Ja, pflichtet Reiser versöhnlich bei, eine chemisch-physikalische Untersuchung, „die muss gemacht werden“. 

Auch zu Albrecht Altdorfer (1480-1538), bekannt durch sein Gemälde „Alexanderschlacht“, und dem Maler der Donauschule, Wolf Huber (1485-1553), präsentiert er sodann neue Erkenntnisse. Mehrere Bilder, da ist er sich sicher, können diesen Meistern zugeschrieben werden.

Die Ausstellung:

Die Bilder aus dem Depot sind bis Mitte November im Stadtmuseum Regensburg (Dachauplatz 2-4) zu sehen. Die Broschüre Reisers (52 S.) kostet 18 Euro, zu bestellen unter (089) 96 78 87

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